Mutter Neandertalerin, Vater Denisovaner: Sequenziertes Genom offenbart Interaktion zwischen frühen Menschenarten

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Dieses Knochenfragment wurde 2012 in der Denisova-Höhle in Russland entdeckt.

Copyright: T. Higham, University of Oxford

Leipzig (Deutschland) – Noch bis vor 40.000 Jahren teilten sich mindestens zwei Gruppen sogenannter Homininen den Eurasischen Lebensraum: Neandertaler im Westen und Denisovaner im Osten. Eine neue Sequenzierung eines in Sibirien entdeckten Individuums zeigt nun, dass es sich hierbei um den Nachwuchs aus einer Verbindung zwischen einer Neandertalerin und einem Denisovaner handelt.

Wie das Team um Svante Pääbo, Viviane Slon und Benjamin Vernot vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie sowie Bence Viola von der University of Toronto aktuell im Fachjournal „Nature“ (DOI: 10.1038/s41586-018-0455-x) berichtet, sind zusammen mit den Neandertalern die Denisova-Menschen die nächsten ausgestorbenen Verwandten heute lebender Menschen. „Aus früheren Studien wussten wir bereits, dass Neandertaler und Denisovaner gelegentlich Nachwuchs miteinander gezeugt haben (…GreWi berichtete). Doch wir hätten nie gedacht, dass wir so viel Glück haben könnten, auf einen direkten Nachkommen der beiden Gruppen zu stoßen.“


Blick auf den Eingang der Denisova-Höhle.

Copyright: MPI für evolutionäre Anthropologie, eva.mpg.de

Von diesem Individuum liegt den Forschern nur ein einziges kleines Knochenfragment vor. Dieses Fragment ist Teil eines langen Knochens, von dem die Wissenschaftler vermuten, dass er einer Frau gehörte, die zu ihrem Todeszeitpunkt mindestens 13 Jahre alt war, sagt Bence.

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Entdeckt wurde das Knochenfragment (”Denisova 11”) 2012 in der Denisova-Höhle in Russland von russischen Archäologen und später für genetische Analysen nach Leipzig gebracht, nachdem es aufgrund seiner Proteinzusammensetzung als Homininenknochen identifiziert worden war.

„Dank der in diesem Genom enthaltenen DNA-Sequenzen können wir nun Details über zwei verschiedene Populationen erfahren – die Neandertaler mütterlicherseits und die Denisovaner väterlicherseits”, erklärt Mafessoni.

Blick aus der Denisova-Höhle ins Tal.
Copyright: B. Viola, MPI f. evolutionäre Anthropologie

Die Forscher haben festgestellt, dass die Mutter genetisch näher mit Neandertalern verwandt war, die in Westeuropa lebten, als mit einem Neandertaler, der zu einem früheren Zeitpunkt in der Denisova-Höhle gelebt hatte. Dies zeige, dass die Neandertaler Zehntausende von Jahren vor ihrem Verschwinden zwischen West- und Ost-Eurasien migrierten. Analysen des Genoms zeigen weiterhin, dass der Vater der Frau wenigstens einen Neandertaler in seinem Stammbaum hatte. Anhand des Fragments lassen sich also gleich mehrere Interaktionen zwischen den Menschenarten dokumentieren.

„Es ist schon beeindruckend, dass sich unter den wenigen Genomen früher Menschen, die wir bis jetzt sequenziert haben, dieses Neandertaler-Denisovaner-Kind befindet”, ergänzt Svante Pääbo. „Neandertaler und Denisovaner hatten vielleicht nicht viele Gelegenheiten einander zu treffen. Aber wenn sie aufeinandergetroffen sind, müssen sie relativ häufig Kinder miteinander gezeugt haben – viel öfter als wir bisher dachten.“

Hintergrund
Noch heute kommt es in der Region immer wieder zu Sichtungen von aufrechtgehenden Primaten, die von der lokalen Bevölkerung mit verschiedenen Namen – etwa als Almas, Chuchunaa oder Mulen – bezeichnet werden und sozusagen die sibirische Variante des Bigfoot und Yetis darstellen.

Zeichnerische Darstellung eines Almas.
Copyright: Harry Trumbore, aus L.Coleman/P.Huyghe: “The Field Guide to Bigfoot and Other Mystery Primates”

Nicht erst seit dem Fund in der Denisova-Höhle spekulieren einige Kryptozoologen aber auch Homininologen darüber, ob Nachkommen der noch bis vor wenigen Jahren gänzlich unbekannten Denisova-Menschen gerade in der Region rund um den Fundort – aber auch anderswo – bis heute überlebt haben könnten und hier die Grundlage des Almas-Mythos darstellen könnten.

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