NASA: Neue Hoffnung für Leben im Nachbar-Sternsystem Alpha Centauri


Eine Aufnahme des Alpha-Centauri-Systems im sichtbaren Spektrum (Hntgr.) und eine Röntgenaufnahme der beiden Hauptsterne durch das Weltraumteleskop Chandra (Ausschnitt).

Copyright: Optical: Zdenek Bardon; X-ray: NASA/CXC/Univ. of Colorado/T. Ayres et al.

Boulder (USA) – Mehr als zehn Jahre lang hat das NASA-Röntgen-Weltraumteleskop „Chandra“ das unserem Sonnensystem am nächsten gelegene Dreifach-Sternsystem Alpha Centauri beobachtet und liefert nun ermutigende Daten über die potentielle Lebensfreundlichkeit dortiger Planeten.

Wie die NASA-Forscher um Tom Ayres von der University of Colorado Boulder aktuell berichten, legen die Chandra-Daten nahe, dass jegliche einen der beiden Hauptsterne des Systems umkreisende Planeten von größeren schädlichen Röntgenstrahlendosen ihrer Muttersterne verschont bleiben.

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Stellare Röntgenstrahlen und das damit einhergehende sog. Weltraumwetter können schädliche Wirkungen auf alle Formen ungeschützten Oberflächenlebens auf Planeten haben oder sogar ganze Planeten ihrer schützenden Atmosphären berauben – ein Schicksal, vom dem Wissenschaftler vermuten, dass es einst auch den jungen und damals noch erdähnlich lebensfreundlichen Mars heimgesucht hatte.

Hintergrund
Bei Alpha-Centauri handelt es sich um ein Dreifach-Sternensystem in gerade einmal vier Lichtjahren Entfernung zur Sonne. Das System besteht aus dem helleren gelben Stern Alpha Centauri A und dem orangefarbenen Alpha Centauri B, sowie dem Roten Zwerg Proxima Centauri.

Künstlerische Darstellung eines Planeten, der den Stern Alpha Centauri B umkreist (Illu.).
Copyright: ESO/L. Calçada/Nick Risinger (skysurvey.org)

2016 konnte die Existenz eines – vorläufig „Proxima Centauri b“ genannten – Planeten mit einer Masse von mindestens 1,3 Erdmassen und einer Umlaufdauer von 11,19 Tagen bestätigt werden (…GreWi berichtete), auf dessen Oberflächen Temperaturen über dem Gefrierpunkt von Wasser liegen, was den „Proxima b“ zu einer potentiell lebensfreundlichen Welt macht. Bei „Alpha Cen A“ handelt es sich um einen regelrechten Sonnenzwillling. „Alpha Cen B“ ist kleiner und lichtschwächer aber immer noch sonnenähnlich.

„Da das Alpha-Centauri-System uns so nahe ist, ist es der beste Kandidat für die Suche nach Leben außerhalb unseres Sonnensystems“, kommentiert Ayres. „Die Frage ist die, ob wir dort auch Planeten finden, die Leben, wie wir es von der Erde kennen, zulassen.“

Nachdem zuvor befürchtet wurde, dass potentielles leben in dem System von starken Flareausbrüchen der Sterne bedroht sein könnte, zeigen die Chandra-Daten nun, dass die Ausgangslage auf potentiellen Planeten um Alpha Cen A sogar noch besser ist als um unsere eigenes Muttergestirn die Sonne und auch Alpha Cen B nur gering schlechter abschneidet. Der rote Zwergstern Proxima Centauri hingegen ist aktiv und war schon zuvor bekannt für seine starken, potentielles ungeschütztes Leben bedrohenden Röntgenausbrüche. Hier bekommen potentiell habitable Planeten während starker Ausbrüche des Sterns (sog. Flares) die etwa 50.000-fache Menge an Röntgenstrahlen ab als unsere Erde.

„Die neuen Daten sind gute Neuigkeiten für die Lebensfreundlichkeit jeglicher Planeten innerhalb der habitablen Zonen um Alpha Cen A und B“, so Ayres. „Sie zeigen, dass das Leben auch dort durchaus eine Chance haben könnte.“

Während bislang nur ein in etwa erdgroßer Planet im Alpha-Centauri-System bekannt ist, der Proxima Cen umkreist, suchen Astronomen weiterhin fieberhaft auch und gerade nach Planeten um die beiden Hauptsterne des Systems. Diese zu finden ist aufgrund der Nähe der beiden Sterne zueinander jedoch deutlich schwieriger als die Suche nach Planeten um einen Einzelstern.

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