NASA-Rover dokumentiert faszinierende Sonnenfinsternis auf dem Mars

Der Mars-Mond Phobos schiebt sich zwischen Mars und Sonne. Copyright: NASA/JPL-Caltech/ASU/MSSS/SSI
Lesezeit: ca. 3 Minuten
Der Mars-Mond Phobos schiebt sich zwischen Mars und Sonne. Copyright: NASA/JPL-Caltech/ASU/MSSS/SSI

Der Mars-Mond Phobos schiebt sich zwischen Mars und Sonne.
Copyright: NASA/JPL-Caltech/ASU/MSSS/SSI

Pasadena (USA) – Wie bei einer irdischen Sonnenfinsternis der Erdenmond, so schieben sich während solcher Ereignisses auch die beiden Monde des Mars in einer Sichtachse zwischen den Planeten und die Sonne. Mit Hilfe seiner Mastcam-Z hat der Mars-Rover „Perseverance“ die jüngste Mars-Sofi nun eindrucksvoll dokumentiert.

Anhand der Aufnahmen können die NASA-Wissenschaftler und -Wissenschaftlerinnen auch Rückschlüsse über die Veränderung der Umlaufbahn des größeren der beiden Marsmonde und damit auch auf die Gravitation des Roten Planeten ziehen, wie sie nicht nur Einfluss auf den kartoffelförmigen Mond sondern auch auf die Planetenkruste und den Mantel des Mars hat.

Entstanden ist der folgende Film bereits am 2. April, dem 397. Missionstag. Da Phobos rund 157 Mal kleiner ist als der Erdenmond, dauerte die jüngste Mars-Sofi kaum länger als 40 Sekunden. Anhand der mittlerweile erhöhten Zoom- und Bildrate der Kamera entstand eine bislang einzigartig fließende Filmdokumentation vom Mars.

Schon 2004 hatte die damaligen Mars-Rover „Spirit“ und „Opportunity“ die ersten Zeitraffer-Aufnahmen einer von Phobos ausgelösten Sonnenfinsternis auf dem Mars aufgenommen. Später gelangen ähnliche Aufnahmen auch mit dem „Curiosity“.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

Während Phobos den Mars umrundet, wirken sich auch seine (wenn auch vergleichsweise geringen) Gezeitenkräfte auf das Innere des Roten Planeten aus und deformieren das Gestein innerhalb der Planetenkruste und des Mantels. Diese Kräfte verändern schließlich nach und nach auch die Umlaufbahn der Mars-Monde selbst. Diese Effekte werden sich zusehenden addieren und dazu führen, dass die Monde in einigen Millionen Jahren mit dem Mars kollidieren werden. Auf diese Weise können die Mess- und Beobachtungsdaten auch zu einem besseren Verständnis des Planeteninneren beitragen.

Hintergrund
Marsmond Phobos: USA spekulierten einst über künstlichen Ursprung

Noch umkreist der Mond Phobos den Roten Planeten in einem Abstand von weniger als 6.000 Kilometer zu dessen Oberfläche. In rund 50 Millionen Jahren wird der Mond jedoch wahrscheinlich auf den Mars stürzen – nähert er sich doch schon heute seinem Planeten schon alle 100 Jahre um weitere 1,8 Meter.

In den 1960er Jahren vermuteten einige Astronomen, dass es sich bei Phobos in Wirklichkeit um eine Raumstation einer einstigen Mars-Zivilisation handeln könnte – und informierten 1960 diesbezüglich sogar den US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower.

Zu der Erwägung, dass es sich bei einem der beiden Marsmonde um eine künstliche Raumstation handeln könnte, kamen damals laut einem Bericht der europäischen Raumfahrtagentur ESA, Wissenschaftler um Dr. S. Fred Singer, dem Sonderberater des damaligen US-Präsidenten in Weltraumfragen.

Berechnungen zeigten schon damals, den ungewöhnlich dichten Orbit des Marsmondes und die Wissenschaftler vermuteten, dass die Annäherung von Phobos um jährlich rund fünf Zentimeter, von der Marsatmosphäre hervorgerufen werde. Weitere Berechnungen durch den russischen Astrophysiker Samuilovich Shklovsky ergaben dann jedoch, dass – um einer solche Anziehungskraft zu erliegen – Phobos selbst nahezu hohl sein müsste. Bestünde der Marsmond aus festem Gestein, wäre der Effekt auf den Trabanten nämlich kaum spürbar. Ein hohler Mond wäre allerdings deutlich beeinflussbarer, da er deutlich weniger Masse aufweisen würde.

Wenn Phobos jedoch tatsächlich hohl sein sollte, würde es sich wohl kaum um ein natürliches Objekt handeln können, so die damalige Schlussfolgerung Singers, der daraufhin Eisenhower über die Möglichkeit informierte, dass es sich um eine verlassene Raumstation handeln könnte.

Auch der estnische Astronom Ernst Öpik spekulierte 1964 über drei mögliche Erklärungen für die ungewöhnliche niedrige und zusehends absteigende Umlaufbahn von Phobos. Im irischen „Astronomical Journal“ vermutete er zunächst, dass es sich entweder um einen Beobachtungsfehler handeln könnte, oder es sich bei dem Mond um ein künstliches Objekt handeln müsse.

Öpiks dritte Erklärung, sollte schlussendlich auch tatsächlich das Phobos-Mysterium lösen, als er die Anziehungskraft des Mars für die unregelmäßige Form des Marsmondes verantwortlich machte, wie sie wiederum in Gezeitenkräften resultiert, die den Mond nach und nach immer mehr an den Planeten heranziehen.

Neben der Vision, dass Phobos einst auf die Oberfläche des Mars stürzen und hier einen gewaltigen Krater hinterlassen wird, glauben einige Astronomen neuerdings, dass die durch die immer mehr zunehmende Annäherung auch ansteigenden Gezeitenkräfte Phobos bereits zuvor in Stücke brechen und die dabei entstehenden Trümmer und Fragmente dann einen saturnartigen Ring um den Mars bilden werden.

Fotos: ESA/DLR/FU Berlin




WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Sonde liefert neue Aufnahmen von Mars-Mond Phobos 2. März 2018

Recherchequelle: NASA

© grenzwissenschaft-aktuell.de