NASA-Weißbuch fordert Untersuchung von UFO-Sichtungen im Rahmen von SETI

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Künstlerische Darstellung einer UFO-Sichtung über einer Radioteleskopantenne (Illu.)
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Moffet Field (USA) – In einem sog. White Paper, also einer Art Weißbuch, schlägt ein Wissenschaftler des Ames Research Centers der NASA neue „radikale Ansätze“ bei der Search for ExtraTerrestrial Intelligence (SETI), also der Suche nach außerirdischer Intelligenz, vor. Neben einer Abkehr von bisherigen Dogmen über die Vorstellungen von außerirdischem Leben und außerirdischer Intelligenz, schlägt der NASA-Wissenschaftler auch vor, UFO-Sichtungen durch die Brille der Deutung außerirdischer Besuche auf der Erde neu zu bewerten und zu untersuchen.

In seinem Paper mit dem Titel „New Assumptions to Guide SETI Research“ (Neue Annahmen als Wegweiser für die SETI-Forschung), das ganz offiziell über den „NASA Technical Reports Server“ veröffentlicht wurde, erläutert der Autor Silvano P. Colombano vom Ames Research Center der NASA in Moffet Field zunächst einige jener der bisherigen SETI-Forschung grundlegendsten Annahmen, bevor er dann abschließend Vorschläge für eine neue, deutliche „aggressivere“ Herangehensweise macht.

„Vor dem Hintergrund der Tatsache, das jüngste Entdeckungen mit dem Weltraumteleskop Kepler Planetensysteme identifiziert haben, die bis zu 11,2 Milliarden Jahre alt sind – unser eigenes Sonnensystem aber erst knapp 4,5 Milliarden Jahre alt ist – müssen wir davon ausgehen, dass es Planetensysteme gibt, die bis zu 6 Milliarden Jahre älter sind als das unsrige“, so Colombano.

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Gehe man nun davon aus, dass unsere eigene technologische Entwicklung erst vor knapp 10.000 Jahren begonnen hat, und wissenschaftliche Methoden gerade einmal vor knapp 500 Jahren entstanden, so könnten wir uns nur schwer vorstellen, wohin weit unsere eigene technologische Entwicklung innerhalb der nächsten 1.000 Jahre führen, geschweige denn, wie diese nach dem 6-Millionenfachen dieser Zeit aussehen werde.

„Im Angesicht dieser Zahlen und Werte denke ich, müssen wir selbst einige unserer liebsten Vorstellungen von außerirdischer Intelligenz überprüfen.“

Zu diesen ausgedienten Annahmen zählen laut Colombano u.a. die Vorstellungen dass…

“interstellare Reisen unmöglich oder sehr unwahrscheinlich sind“, da nicht zuletzt wir selbst in den vergangenen Jahren konkret an der Umsetzung erster solcher Unterfangen arbeiten. Selbst wenn die Grenzen der Lichtgeschwindigkeit gegen größere Distanzen sprechen, könnten diese mit wesentlich längeren Reisezeiten von vielleicht vielen tausend Jahren möglich sein. Auch würden selbst unsere Vorstellung von der Machbarkeit interstellarer Reisen noch zu sehr von unseren eigenen Vorstellungen der Grenzen des irdischen Leben geprägt.

“Radiowellen die bevorzugte Kommunikationsform der nächsten tausend und Millionen von Jahren sein werden.“ Selbst wenn dem so wäre, könnte es technologisch hochentwickelte Zivilisation in dieser derart größere Datenmengen verpacken, sodass wir die derart verpackten Datenstrukturen vielleicht gar nicht einmal als solche erkennen würden und sie nicht vom Signalrauschen unterscheiden könnten, solange der Absender das nicht gezielt wolle. „Und selbst wenn eine andere Zivilisation eine solche Kontaktabsicht hätte, so könnte diese Form der Kommunikation (Radio) für sie bereits obsolet geworden sein und die Absender könnten sich an andere Zivilisationen richten, deren Entwicklungsstand der eigenen bereits sehr viel näher ist.“ Wie und ob sich andere Zivilisationen dafür entscheiden zu kommunizieren, könne demnach also ein fruchtbares Forschungsfeld für eine techno-soziologische Studie sein, so der Autor.

“intelligentes Zivilisationen würden (wie wir) auf Kohlenstoffleben basieren“.
Zwar könne man durchaus annehmen, dass wenn das Leben ein kosmisches Ereignis ist, „Leben, wie wir es kennen“, auch zumindest einen ähnlichen Ursprung hätte, doch sei es durchaus vorstellbar, dass unsere eigenen Formen des Lebens und der Intelligenz nur ein kleiner (erster) Schritt innerhalb der Evolution ist, die später zu uns deutlich überlegenerer Intelligenz als jener führt, die auf „Kohlenstoff-Maschinen“ basiert. Als Beispiel nennt Colombano die Evolution unserer Computer innerhalb von nur 50 Jahren, innerhalb derer wir schon selbst bereits von „Super-Intelligenten“ und davon sprechen, schon bald mit der Computer-Super-Intelligenz zu verschmelzen. „Jene Intelligenzen, denen wir eines Tages vielleicht einmal begegnen, könnte auch von Organismen erzeugt worden sein, die nicht auf Kohlenstoff basieren. Und das könnte wiederum gewaltige Auswirkungen auf unsere Vorstellung von der Machbarkeit interstellarer Raumfahrt haben, da unsere typische uns solche Unterfangen einschränkende Lebensdauer nicht länger im Wege stehen müsste. Auch könnte ein potentieller außerirdischer Forscher eine extrem kleine, dafür aber super-intelligente Lebensform sein – auch das könnte Konsequenzen für unsere eigenen Vorstellungen von Offenheit und unser eigenes Streben nach Kommunikation mit einer anderen Zivilisation haben.“

“die Erde derzeit bislang noch nicht von (Außerirdischen) besucht wurde und wird.“ Colombano selbst schreibt dazu: „Ich habe den Eindruck, dass SETI selbst (zumindest offiziell) die potentielle Bedeutung des UFO-Phänomens aus drei Gründen ignoriert: 1) Der zuvor bereits beschriebenen Annahme, dass interstellare Reisen sehr unwahrscheinlich sind. 2) Die hohe Wahrscheinlichkeit, Schwindel, Fehlinterpretationen bekannter Phänomene oder sogar psychotischen Ereignissen aufzusitzen. 3) Aufgrund der allgemeinen Scheu und Ablehnung des UFO-Themas durch die wissenschaftliche Gemeinschaft.“

Silvano P. Colombano

Im Gegensatz dazu fordert Colombano, eine wissenschaftliche Annäherung an das UFO-Thema ganz nach dem bisherigen SETI-eigenen Ansatz: „Finde das Signal im Heuhaufen des Rauschens.“ In der gewaltigen Menge des „Rauschens“ unzähliger UFO-Sichtungen, könne sich schließlich eine – wenn auch nur kleine – Anzahl von Phänomenen finden, die nicht erklärt und nicht abgestritten werden könnten. „Wenn wir also neue Annahmen darüber akzeptieren, welche Formen von höherer Intelligenz und Technologien wir vielleicht finden können, so könnten einige der beschriebenen (UFO-)Phänomene mit bestimmten Hypothesen übereinstimmen und wir könnten sie seriös erforschen.“

Vor dem Hintergrund der Kepler-Entdeckungen sollten wir uns fortan auf die Suche nach Anzeichen von Leben und Technologien in ausgewählten Planetensystemen konzentrieren, fordert der Autor sodann. „Allerdings habe ich das Gefühl, dass wir hierzu noch sehr viel flexibler in unseren Annahmen werden müssen.“ Der Grund hierfür sei, dass es zwar immer noch Sinn mache, davon auszugehen, dass auch fernes Leben dem unseren gleicht, dass aber die potentiell gewaltigen zeitlichen Unterschiede in möglichen Evolutionen (zwischen uns und den Anderen) die Wahrscheinlichkeit, dass auch unser technischer Entwicklungsstand ein ähnlicher ist, sehr gering werden lässt.

Abschließend fordert Colombano dann zukünftig einen deutlich „aggressiveren“ SETI-Ansatz:

  1. Physiker sollten sich sehr viel stärker in „spekulativer Physik“ engagieren, die zwar weiterhin auf ebenso bewehrten wie soliden Theorien basiere, dennoch aber den Willen habe, die Möglichkeiten der Natur von Raum, Zeit und Energie auszuweiten.
  2. (Wissenschaftler) und Techniker sollten sich Fragen danach stellen, wie sich Technologien – wie unter anderem die sog. Künstliche Intelligenz und evolvierbare Robotersysteme, etwa in einer Symbiose von Biologie und Maschinen entwickeln könnten.
  3. Soziologen sollten sich mit Spekulationen darüber beschäftigen, welche Gesellschaften wir auf der Grundlage der obig diskutieren Entwicklungen erwarten und ob und wie wir mit diesen kommunizieren könnten.
  4. Das UFO-Phänomen sollte zumindest im Sinne der beschriebenen „Suche nach einem sehr schwachen Signal im Rauschen“ und im Hinblick auf sich potentiell bietende neue Möglichkeiten und Wege der Kommunikationen und Entdeckung als erforschenswert angesehen werden.

Hierzu schlägt der Autor selbst konkret vor, zunächst eine Big-Data-Analyse auf die bereits existierenden Datenbänke zu UFO-Sichtungen wie etwa den „130.000 Seiten deklassifizierten UFO-Dokumenten der UFO-Untersuchungen der U.S. Air Force, dem Archiv des „National UFO Reporting Center“ (NUFORC) und anderer internationaler Datenbänke“ anzuwenden.

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