Neue Scans bestätigen großen Hohlraum und unbekannten Korridor in der Cheops-Pyramide

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Grafische Darstellung eines Queschnitts durch die Große Pyramide von Gizeh mitsamt der neu entdeckten Strukturen (Illu.). Copyright: ScanPyramids.org

Grafische Darstellung eines Queschnitts durch die Große Pyramide von Gizeh mitsamt der neu entdeckten Strukturen (Illu.).
Copyright: ScanPyramids.org

Kairo (Ägypten) – Im November 2017 offenbarten Myonen-Scans im Innern der Großen Pyramide von Gizeh die Existenz eines „großen Hohlraums“ oberhalb der Großen Galerie sowie einen ebenfalls bis dahin unbekannten Korridor unmittelbar hinter dem ursprünglichen Eingang des auch aus Cheops-Pyramide bezeichneten Weltwunders. Jetzt haben die Forscher neue Ergebnisse vorgestellt, die die bisherigen Entdeckungen gegen alle Kritik erneut bestätigen.

In einem aktuellen Videoberocht erklärt das 2015 gestartete Gemeinschaftsprojekt unterschiedlicher Wissenschaftler und Institutionen „ScanPyramid“, dass seit den Messungen, die zu den 2017 in Fachjournal „Nature“ beschriebenen Entdeckungen geführt hatten (…GreWi berichtete 1, 2), weitere Untersuchungen und Myonen-Scans innerhalb und außerhalb der Pyramide durchgeführt wurden.

Hintergrund
Bei Myonen handelt es sich um kosmische Teilchen, die in der oberen Erdatmosphäre durch die Kollision von kosmischen Strahlen und Atomkernen in der Atmosphäre entstehen. Diese reisen mit annähernder Lichtgeschwindigkeit und einer konstanten Fallrate von 10.000 pro Quadratmeter und Minute in Richtung Erdoberfläche.

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Schaubild zum Einsatz der Myonen-Tomografie
Quelle: scanpyramids.org

Ähnlich wie es mit Hilfe von Röntgenstrahlen möglich ist, das Skelett von Lebewesen im Körper sichtbar zu machen, so durchdringen Myonen vergleichsweise einfach jegliche Art von Strukturen – sogar festes Gestein, wie etwa massiver Fels Berge oder Bauten. Werden entsprechenden Detektoren am richtigen Ort platziert (in den Pyramiden sollte dies unterhalb der vermuteten, noch unbekannten Kammern sein) so können darüberliegende Hohlräume und damit Kammern und Gänge im Innern der Pyramiden abgebildet werden, da diese von den Myonen einfacher durchdrungen werden können, als dichtere Teile einer Struktur, durch die die Elementarteilchen absorbiert und abgeschirmt werden.

Wie der Leiter von PyramidScan, Mehdi Tayoubi, gegenüber Grenzwissenschaft-Aktuell.de bestätigte, wurden zunächst weitere Myonen-Detektoren im sog. absteigenden Korridor und im sog. Al-Ma’mun-Tunnel (dem heutigen Eingang) platziert.

– Hierbei wurde die Existenz einer korridorartigen Struktur – die Projektwissenschaftler sprechen hier vom „ScanPyramids Northface Korridor“ (SP-NK) – bestätigt (s. Abb. l. Copyright: ScanPyramids.org), die sich zwischen 17 und 23 Meter über Bodenniveau hinter dem von einem gewaltigen Giebeldach gestützten ehemaligen Haupteingang in der Nordseite der Pyramide befindet. Dieser etwa mannshohe „Korridor“ ist demnach mindestens 5 Meter lang und verläuft entweder horizontal oder aufsteigend zum einstigen Eingang. Frühere Vermutungen, es könnte sich auch um einen absteigenden Gang handeln, können nach den neusten Messungen ausgeschlossen werden.

– Auch zur weiteren Untersuchung des als „ScanPyramids BigVoid“ (SP-BV) bezeichneten großen Hohlraums wurden sowohl im Innern der Großen Galerie als auch im Eingangsbereich und oberhalb der sogenannten Königskammer platziert. Auch von hier aus wurde die Existenz des großen Hohlraums und damit die früheren Messungen bestätigt und präzisiert.

Der Hohlraum (s. Abb. l. Copyright: ScanPyramids.org) befindet sich also tatsächlich zwischen 10 und 15 Meter oberhalb der Großen Galerie. Seine Mindestlänge – die zunächst auf rund 30 Meter geschätzt wurde – beträgt laut den neusten Messungen nun sogar mindestens 40 Meter und bildet vermutlich einen zusammenhängenden Hohlraum. Ob SP-BV allerdings ähnlich, wie die Große Galerie, ab- bzw. aufsteigend oder horizontal verläuft, ist immer noch nicht eindeutig.

– Anhand der Myonen-Detektoren, die in den Entlastungskammern oberhalb der Königskammer platziert wurden, konnten keine Hohlräume oder bislang unbekannte Strukturen innerhalb der Pyramide oberhalb der Kammer detektieren (s. Abb.l. Copyright: ScanPyramids.org).

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– Die 2018 begonnen Scans mit Hilfe von Detektoren im Innern der sog. Felsenkammer sind immer noch nicht abgeschlossen – entsprechend stehen die Ergebnisse dieser Scans noch aus.

ScanPyramids 2019 English Video Report from HIP Institute on Vimeo.

Auch 2020 sollen die Myonen-Scans und Myonen-Teleskopen an verschiedenen Orten im Innern der Pyramide ortgeführt werden.

Hintergrund
Um was es sich bei dem „Hohlraum“ genau handelt, darüber kann bislang nur spekuliert werden. Nachdem er zunächst die Entdeckung belächelt und lediglich als unbedeutende eingestürzte Struktur bezeichnet hatte (…GreWi berichtete), erklärte der Archäologe und ehemalige Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung Zahi Hawass erst kürzlich, dass der „Big Void“ vielleicht sogar die Mumie des Pharao Cheops (Chufu) beherbergen könnte und wiederspricht damit bisherigen Theorien auf der Grundlage des in der Königskammer vorgefundenen leeren Sarkophags, wonach die Pyramide zwar als Grabmal Cheops geplant, schlussendlich aber nicht als solche genutzt wurde.

 

Gegenüber Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) präzisiert Mehdi Tayoubi das die Wissenschaftler von „ScanPyramids“ bislang anhand der Daten lediglich „vermuten“, dass es sich um einen zusammenhängenden Hohlraum (im Sinne einer großen Kammer oder ähnlichem) handelt. Hierzu führt Tayoubi weiter aus:

“Wir folgern dies aufgrund des Umstandes, dass wir in den Myonen-Daten zu SP-BV keine Unterbrechungen sehen. Es gibt aber einige mögliche Interpretationen dieser Daten und wir wollen es den Architekturexperten überlassen, diese Daten zu interpretieren. Wir sind in der Deutung unserer Daten sehr vorsichtig, da wir wissen, wie leicht das Thema Pyramiden sensationalisiert werden kann. Wichtig ist derzeit die Erkenntnis, dass wir die Daten und unsere Schlussfolgerungen von 2017 mittels der neuen Scans bestätigen konnten.“

…GreWi wird weiterhin berichten.

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Quelle: ScanPyramids

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