Neue Studie zum Ouija-Brett-Effekt

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Ouija-Brett von 1894.

Copyright: Gemeinfrei

Aarhus (Dänemark) – In einer aktuellen Studie liefern dänische Psychologen eine zwar nicht ganz so neue Erklärung für den vielfach beobachteten Ouija-Brett-Effekt, wenn Teilnehmer einer Scéance mittels des Ouija-Bretts tatsächlich das Gefühl haben, dass der Zeiger – die sog. Planchette – wie von einer geisterhaften Hand geführt wird und auch noch sinnvolle Antworten liefert. Während die Schlussfolgerungen und Erklärungen für den Effekt nicht wirklich neu sind, handelt es sich um die erste Studie zum Ouija-Board, die außerhalb eines para-psychologischen Labors durchgeführt wurde.

Wie das Team um Marc Andersen von der Aarhus Universitet aktuell im Fachjournal „Phenomenology and the Cognitive Sciences“ (DOI: 10.1007/s11097-018-9585-8) berichtet, vermuten sie (wie schon andere Kritiker des Ouija-Spiels im Sinne eines Kommunikationsmittels mit der geistigen Welt zuvor), dass Ouija-Brett-Benutzer unbeabsichtigt und unbemerkt, die Kontrolle der Planchette übernehmen und dabei ebenso unwissentlich miteinander kooperieren, wodurch sich nach und nach jener bereits vielfach beobachtete Effekt einstellt, dass die Antworten des Ouija-Bretts mit zunehmender Dauer der Sitzung immer treffender, genauer – aber auch, wie die Forscher zeigen können – vorhersagbarer werden, je mehr die Anzahl der sinnvollen Antwort-Optionen abnimmt.

„Es scheint so, als seien die tatsächlich sinnvollen Antworten des Ouija-Bretts eine emergente Eigenschaft der an der Sitzung beteiligten und miteinander interagierenden Gehirne, die in zunehmendem Maße ursprünglich zufälligen Ereignissen während der Sitzung eine Struktur verleihen“, erläutert Andersen.

Hintergrund
Seit mehr als 100 Jahren gehört das sogenannte Ouija-Brett zu einem der beliebtesten Hilfsmitteln des Spiritismus. Ähnlich wie beim Gläserrücken, dient hier jedoch ein Zeigerbrett zur Auflage der Finger der Beteiligten und zur Anzeige der ersehnten “Botschaften aus dem Jenseits”. Während Skeptiker erwartungsgemäß die Funktion des Ouija-Bretts als Kommunikationsmedium mit Geistwesen bestreiten und – wie beim Pendeln – auf nicht kontrollier- oder gar abstellbare minimale Eigenbewegung des menschlichen motorischen Systems als Erklärung für die Bewegungen des “Schiffchens” verweisen (Ideomotorik).

Für Ihre Studie besuchten die Psychologen eine Ouija-Board-Konferenz und stellten hier Paare von Nutzern zusammen, die sie dann mit Blickerfassungs-Instrumenten (Eye-Tracking) ausstatteten. Tatsächlich handelt es sich damit um die erste Untersuchung des Ouija-Effekts außerhalb eines para-psychologischen Labors.

Auf diese Weise erfassten die Forscher die Augenbewegungen bzw. Blickrichtungen von 40 Studienteilnehmern während Ouija-Sitzungen von jeweils etwa 10 Minuten Dauer. Von den Beobachtungen erhofften sich die Wissenschaftler Einsichten darüber, ob einer oder mehrere Teilnehmer schon kurz und unmittelbar vor den Anzeigen durch die bewegte Planchette deren Ziel anvisierten, und auf diese Weise einen Hinweis dafür liefern würden, dass sie schon vorab „wissen“, wo die Planchette enden wird – also vermutlich auch an deren Führung beteiligt sind – oder auch nicht. In Kontrollversuchen wurden den Teilnehmern die Ziele vorgegeben.

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Wie zu erwarten, zeigten sich in der Kontrollgruppe deutlich mehr „vorausschauende Augenbewegungen“ als in den eigentlichen Tests, weshalb schon unmittelbar nach Erreichen eines Ziels, nach dem nächsten Ziel-Buchstaben auf dem Brett „gesucht“ wurde.

In wirklichen Ouija-Sitzungen waren diese sog. „predictive eye movements“ um 38 Prozent seltener.

Die Psychologen selbst erklären sich das Ergebnis damit, dass unsere Wahrnehmung von Kontrolle über unsere eigenen Handlungen dadurch entsteht, dass unser Gehirn stehst darum bemüht ist, die Konsequenzen dieser Handlung vorherzusehen. „Wenn wir uns in einer Ouija-Sitzung mit weiteren die Planchette haltenden Teilnehmern also über das nächste Ereignis nicht so sicher sein können, so ist auch unser Gehirn weniger dazu in der Lage, unsere eigenen Handlungen vorherzusehen und in der Folge, haben wir selbst auch ein geringeres Empfinden von Kontrolle über die stattfindenden Handlungen bzw. Bewegungen.“

Für die Autoren der Studie spielen zudem noch zwei weitere Umstände eine Schlüsselrolle im Verständnis von sinnvollen Botschaften, die aus vermeintlich unbeabsichtigten Bewegungen resultieren:

Zum einen zeigten die Untersuchungen, dass die Anzahl der durch die Augenbewegungen eines einzelnen Teilnehmers sozusagen „vorhergesagten“ Anzeigen der Planchette in der Ouija-Gruppe fast gleich hoch war, wie jene in der Kontrollgruppe; d.h. jeder Bewegung der Planchette ging eine das Ziel korrekt vorhersagende Augenbewegung von mindestens einem Teilnehmer voraus.

Zum anderen nahm die Anzahl der korrekten Vorhersagen in den wirklichen Ouija-Sitzungen mit der Dauer der Séance zu. In der Kontrollgruppe war dies nicht der Fall. Die Forscher selbst führen diesen Effekt auf den Umstand zurück, dass sich die Teilnehmer zusehends darüber bewusst waren, dass die Anzahl der sinnvollen Antworten mit fortschreitender Sitzung immer geringer wurde.

Teil der Erklärung der Psychologen für das Empfinden vieler Ouija-Board-Sitzer davon, dass eine unsichtbare Kraft die Planchette zu immer sinnvolleren Antworten führt, wäre demnach – wieder einmal – dass die Teilnehmer selbst und unbewusst die Kontrolle übernehmen – zugleich aber ihren Anteil an den ausgeführten Bewegungen und zugleich die von den Sitzungspartnern eingegebene und intendierte „Kraft“ stark unterschätzen.

Zugleich zeige eine abschließende Befragung der Teilnehmer, dass jene Personen, die an eine wirkliche spirituelle Interaktion während der Séance und somit an das Ouija-Brett als tatsächliches Kommunikationsmittel mit der Geisterwelt glaubten, am ehesten davon überzeugt waren, dass sich die Planchette von selbst bewegt habe.


Symbolbild: Ouija-Brett.

Copyright: Sarah Mae Worden, innerintelproject.org

Hintergrund: Das Ouija-Spiel als Türöffner zu verborgenem Wissen?
Statt im Quija-Effekt lediglich mehr oder weniger unkontrollierte Eigenbewegungen des menschlichen ideomotorischen Systems als Erklärung für die Anzeigen der Planchette, hatten US-Forscher in Experimenten 2014 aufgezeigt, dass der Effekt doch deutlich über diese Erklärung hinausgehen kann.

Allerdings glaubt auch das Team um den Psychologen und Projektleiter Dr. Ronald Rensink, Dr. Helene Gauchou und Docky Duncan vom Visual Cognition Lab an der psychologischen Fakultät der University of British Columbia weniger an Botschaften aus dem Jenseits oder anderen Dimensionen, als daran, dass das Ouija-Brett mittels der ideomotorischen Funktionsweise eine Art “Fenster zu einem tief in unserem Innern verborgenen Wissen” sein könnte, das mit Hilfe dieses “Werkzeugs” auf- bzw. abgerufen werden könne: “Ouijas könnten deshalb funktionieren, weil wir mit ihnen auf ein inneres Intelligenzsystem in unserem Unterbewusstsein zugreifen können und das dort vorhandene Wissen in sinnvolle Bewegungen umsetzten können”, erläutern die Forscher auf der Internetseite des “Inner Intel Project.” Auf der Grundlage dieser Versuche postulierten die Wissenschaftler, einen bislang noch unbekannten Mechanismus des Unterbewusstseins als Grundlage für den im Labor aufgezeigten Effekt.

“Der entdeckte Effekt beinhaltete eine wahre Datenbank an Informationen, die unserem wachen Bewusstsein in der Regel nicht zugänglich ist, die wir aber dennoch stets mit uns tragen. Ganz gleich, was wir über uns selbst glauben, unser Unterbewusstsein ist schlauer als unser Bewusster Geist. Wie sich zeigt, sind wir also alle viel schlauer als wir dies glauben.” (…GreWi berichtete).

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