Neues Buch: Wissenschaft als Grenzwissenschaft

Titelumschlag von „Wissenschaft als Grenzwissenschaft“ von Dr. Anna Lux. Copyright/Quelle: degruyter.com
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Titelumschlag von „Wissenschaft als Grenzwissenschaft“ von Dr. Anna Lux. Copyright/Quelle: degruyter.com

Titelumschlag von „Wissenschaft als Grenzwissenschaft“ von Dr. Anna Lux.
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Berlin (Deutschland) – Ein neuer Band der Buchreihe „Okkulte Moderne“ widmet sich dem Pionier der modernen akademischen Parapsychologie – nicht nur im deutschsprachigen Raum – Hans Bender.

„Wann und unter welchen Bedingungen erlangt ein Wissensfeld eigentlich Legitimität als echte und gute Wissenschaft?“ Diese Frage wird in dem neuen Buch der Historikerin Dr. Anna Lux ausgehend von der kontinuierlich umstrittenen „Grenz-Disziplin“ Parapsychologie und ihrem wichtigsten deutschsprachigen Vertreter Prof. Dr. Hans Bender untersucht. „Die Fachgeschichte wird dabei immer im Verhältnis zu ihrer nicht-wissenschaftlichen Umwelt diskutiert“, so der Klappentext. „Damit knüpft das Buch zum einen an klassische wissenschafts- und universitätshistorische Fragen an. Zum anderen werden über die Perspektivierung ‚vom Rande‘ her die Unabgeschlossenheit und Fragilität von Verwissenschaftlichungs- und Professionalisierungsprozessen sichtbar.“

Hintergrund

Hans Bender Copyright/Quelle: IGPP

Hans Bender
Copyright/Quelle: IGPP

Hans Bender gilt als Wegbereiter der akademischen Parapsychologie in Deutschland und gehörte zu jener Generation von Wissenschaftlern, die in der Erforschung paranormaler Phänomene ihre Lebensaufgabe sahen und die sich – wie zum Beispiel der Sozialpsychologe Gardner Murphy und der Biologe Joseph B. Rhine in den USA, die Psychologen Paul Dietz und Wilhelm H. C. Tenhaeff in den Niederlanden oder die Philosophen Hans Driesch und Traugott Konstantin Oesterreich in Deutschland – in den dreißiger Jahren dafür eingesetzt haben, Parapsychologie als legitimes Forschungsgebiet in den Rahmen der Universität zu integrieren.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Bender durch zahlreiche TV-Auftritte und durch seine Untersuchungen berühmter Spukfälle wie etwa den bis heute umstrittenen Ereignissen rund um den als „Chopper“ bezeichneten Poltergeist in einer Zahnarztpraxis in Neutraubling bei Regensburg, dem „Spukfall Heinrich Scholz“ und nicht zuletzt dem sogenannten Spuk von Rosenheim in einer Rosenheimer Anwaltspraxis in den Jahren 1967 und 1968.

Ausführliche Informationen zu Leben und Wirken Bender finden Sie bei OkkultesFreiburg.de, Wikipedia.de und dem „Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e. V.“ (IGPP)

Mit dem Titel „Wissenschaft als Grenzwissenschaft – Hans Bender (1907-1991) und die deutsche Parapsychologie“ erschien zum Jahresende ein weiterer Band der Buchreihe „Okkulte Moderne“ im Verlag de Gruyter. Das Buch beschreibt Eberhard Bauer vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) als „lesenswerte Monographie“ und führt dazu weiter aus:

„Die Verfasserin, Dr. Anna Lux, ist promovierte Literaturwissenschaftlerin (Germanistin) und Historikerin. Prof. Bender war über Jahrzehnte der maßgebliche akademische (und öffentliche) Vertreter der deutschen Parapsychologie qua Grenzgebietsforschung an der Universität Freiburg i. Br. und 1950 Gründer des “Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e. V.” (IGPP), das dank der von Bender gepflegten Kontakte zur Mäzenin Asta Holler (‘Holler-Stiftung’) bis heute – und zukünftig – floriert.

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Das Buch entstand seit 2012 ff. in mehrjähriger Arbeit im Rahmen des vom IGPP mitinitiierten DFG-Projektverbundes “Gesellschaftliche Innovation durch nicht-hegemoniale Wissensproduktion. ‘Okkulte Phänomene zwischen Mediengeschichte, Kulturtransfer und Wissenschaft. 1770-1972′” und beruht in erster Linie auf dem Bender-Nachlass im IGPP-Archiv (einschließlich des Uni-Archivs in Freiburg), bereits in diesem Kontext entstandenen wichtigen Pionierarbeiten (z. B. von Prof. Hausmann), den einschlägigen IGPP-Forschungsarbeiten Benders und seiner Mitarbeiter, die Frau Lux zur Auswertung herangezogen hat sowie diversen Zeitzeugeninterviews, darunter auch mit mir, einem langjährigen Mitarbeiter Benders und seinem letzten Assistenten an dem damals noch existierenden Lehrstuhl Psychologie & Grenzgebiete der Psychologie der Universität Freiburg.

Weitere Titel der Reihe „Okkulte Moderne“

Die Arbeit ist perspektivisch ‘vom Rande’ her geschrieben, so Frau Lux selbst (S. 289), zeichnet mit großer Akribie und Sensibilität die persönlichen und sozio-kulturellen ‘Diskurse’ der ‘Akteure im Feld’ nach (wissenssoziologische Kontextualisierung), macht freilich keine eigenständige (originäre) Aussagen über die Erkenntnistheorie und Ontologie der paranormalen (Psi-) Phänomene selbst oder über den Stellenwert der referierten Forschungsvorhaben im interdisziplinären Kontext der parapsychologischen Forschung.

Aus gängiger kultur- und geisteswissenschaftlicher Sicht wird die Monographie von Frau Lux zweifellos das maßgebliche historiographische Referenzwerk zum Thema “Hans Bender (1907-1991) und die deutsche Parapsychologie” auf Jahre (Jahrzehnte?) hinweg bleiben.“




WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Buchneuerscheinung: Das Paranormale im Sozialismus. Zum Umgang mit heterodoxen Wissensbeständen, Erfahrungen und Praktiken in der DDR 10. Dezember 2018
Die Gesichter von Bélmez 25. August 2018

Quellen: IGPP, de Gruyter

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