Neuro-Studie zu den Neuro-Mechanismen außerkörperlicher Erfahrungen

Künstlerische Darstellung einer außerkörperlichen Erfahrung (Illu.). Copyright/Quelle: geralt (via Pixabay.com)
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Künstlerische Darstellung einer außerkörperlichen Erfahrung (Illu.).Copyright/Quelle: geralt (via Pixabay.com)

Künstlerische Darstellung einer außerkörperlichen Erfahrung (Illu.).
Copyright/Quelle: geralt (via Pixabay.com)

Charlottesville (USA) – Eine außerkörperliche Erfahrung, also das Erlebnis, den physischen Körper verlassen zu haben, kann triefgreifende und dauerhafte Eindrücke bei jenen hinterlassen, die bereits solche “out-of-body experiences” (OBEs) gemacht haben. Besonders Empathie gegenüber anderen scheint nach diesen Erfahrungen gestärkt. Eine aktuelle Studie untersucht mögliche neurophysio-und psychologischen Mechanismen.

Dass OBEs bei den meisten, die eine solche Erfahrung bereits gemacht haben, tiefe bis lebensverändernde Eindrücke hinterlassen können, ist bereits in früheren Studien aufgezeigt worden. So berichten viele Menschen etwa von einer vertieften Spiritualität nach einem außerkörperlichen Erlebnis. Vermutlich geht dies zunächst auf den Umstand zurück, dass ein Großteil von außerkörperlichen Erfahrungen im Kontext einer lebensbedrohenden Situation oder an der Schwelle zum Tod gemacht werden und die Erfahrenden dabei nicht nur die Loslösung ihres geistigen Zustands von ihrem Körper und andere spirituelle Erfahrungen erleben, sondern auch die berühmten „zweite Chance“ erhalten zu haben.

In ihrer Studie haben sich Marina Weiler, David J. Acunzo, Philip J. Cozzolino und Bruce Greyson von der University of Virginia Health Systems erneut den Auswirkungen des Erlebens einer außerkörperlichen Erfahrung gewidmet und berichten darüber aktuell im Fachjournal Neuroscience & Biobehavioral Reviews“ (DOI: 10.1016/j.neubiorev.2024.105764).

„Außergewöhnliche Körpererfahrungen führen oft zu tiefgreifenden und transformierenden Effekten“, bestätigen auch die Forschenden um Weiler. „Insbesondere berichten die Erlebenden von gesteigertem prosozialem Verhalten, einschließlich friedlicherer Beziehungen, Toleranz und Empathie.“

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Als Ursache hierfür sehen die Neurowissenschaftler- und Wissenschaftlerinnen Parallelen mit dem Phänomen der Ich-Auflösung, das auch durch bestimmte psychedelische Substanzen induziert werden kann. Diese Ich-Auflösung stehe vermutlich in einem direkten Zusammenhang mit der Erfahrung, sich vom eigenen physischen Körper lösen zu können, da „diese Loslösung vom physischen Körper oft zu einem Gefühl der Verbundenheit mit allem Leben und einer vertieften emotionalen Verbindung mit anderen während der Erfahrung“ führe. „Die Selbstwahrnehmung fokussiert sich nach solchen Erfahrungen oft nicht mehr zu sehr auf das eigene Ich, wenn dieses Ich zusehends eher als Prozess denn als eine eigene Einheit wahrgenommen wird.“

Der dahinterliegende neuronale Mechanismus finde vermutlich im sogenannten temporoparietalen Übergang (Temporoparietal junction, TPJ) statt, einer Hirnregion zwischen Schläfen- und Scheitellappen der Großhirnrinde. Der TPJ ist wichtig für Empathie und das Einfühlungsvermögen in den Gemütszustand anderer. Er ermöglicht unter anderem, über die Perspektive anderer nachzudenken und deren Absichten zu erkennen. Da der TPJ Teil des sogenannten Default Mode Network (Ruhezustandsnetzwerk) ist, könnte auch dieser Gesamtkomplex an der Verarbeitung von außerkörperlichen Erfahrungen beteiligt sein, vermuten die Forschenden weiter, da es für Selbstreflexion und die eigenen Narrative über uns selbst verantwortlich, also direkt mit unserem Ego verbunden ist.

Weitere direkte Untersuchungen seien nun notwendig, um die aufgestellte These zu überprüfen. Sollte diese sich bestätigen, könnte diese Erkenntnis – unter anderem durch die Anwendung von Virtual-Reality-Technologien – auch zur Behandlung psychosozialer Störungen beitragen.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Außerkörperliche Wahrnehmung: Neurowissenschaftler simulieren Körpertausch 8. September 2020
Neurowissenschaftler erklären außerkörperliche Erfahrungen mit Schwindel-Störung 2. August 2017

Rechercherquelle: Neuroscience & Biobehavioral Reviews

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