Noch vor Roswell – Erster UFO-Absturz schon 1945?

Symbolbild: Wüstenlandschaft in New Mexico. Copyright: Pexels (via Pixabay.com) / Pixabay License
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Symbolbild: Wüstenlandschaft in New Mexico. Copyright: Pexels (via Pixabay.com) / Pixabay License

Symbolbild: Wüstenlandschaft in New Mexico.
Copyright: Pexels (via Pixabay.com) / Pixabay License

San Francisco (USA) – Zunächst für Anfang Mai angekündigt, dann auf den 1. Juni 2021 verschoben, beschreiben die UFO-Forscher Jaques F. Vallée und Paola Leopizzi Harris mit ihrem neuen Buch „Trinity“ das angeblich „bestgehütete Geheimnis“ (Untertitel: „The Best-Kept Secret“). Ganz so neu und sensationell, wie sie zunächst klingt, ist die Story selbst und zahlreiche Details allerdings nicht.

In Ihrer Ankündigung zum Buch auf der eigens veröffentlichten Webseite „TrinitySecret.com“ kündigen der UFO-Pionier Vallée und die Disclosure-Aktivitistin Harris „bahnbrechende Forschungsergebnisse und die frühesten Beweise“ dafür an, dass „die US-Regierung abgestürzte UFOs geborgen“ hat. Weiter heißt es, dass die Forschungsergebnisse der beiden Autoren “Beweise für einen UFO-Absturz in New Mexico 1945 zutage gefördert” hätten – „zwei Jahre also vor dem Absturzereignis von Roswell und der berühmten Sichtung des Piloten Kenneth Arnold 1947.“

Umschlag: Trinity - The Best-kept Secret. Copyright/Quelle: trinitysecret.com

Umschlag: Trinity – The Best-kept Secret. Copyright/Quelle: trinitysecret.com

Laut der Presseerklärung von Harris und Vallée wollen die beiden “historische Beobachtungen dreier Zeit- und Augenzeugen rekonstruiert” haben, von denen zwei heute noch leben und die dem Forscherduo “die Umstände des Absturzes mitsamt der detaillierten Bergung des nahezu intakten Flugobjekts und seiner Insassen durch die US-Armee“ ausführlich berichtet haben.

„Die Autoren haben ihre langjährige Erfahrung in der Feldforschung auf der ganzen Welt kombiniert und die schrittweisen Bemühungen des Militärs dokumentiert, das mehrere Tonnen schwere Avocado-förmige Fahrzeug aus dem Gelände zu entfernen, auf dem es während eines Sturms abgestürzt ist“, so die Pressemeldung weiter. „Überraschenderweise enthält die Fachliteratur nur einige vorübergehende Erwähnungen zu dem Fall, und nur eine (ausländische) Fernsehdokumentation hat ihn erwähnt, aber die Korrelation zwischen dem Absturz des außergewöhnlichen Objekts und der Explosion der ersten Atombombe in White Sands, weniger als 20 Meilen entfernt, wurde bislang übersehen.“

In ihrem Buch schlagen Harris und Vallée nun vor, dass „die Korrelation aus physikalischen, geografischen und biologischen Gründen von Bedeutung sei – ganz abgesehen von den offensichtlichen strategisch-militärischen Implikationen.“

Demnach konnten „die Zeugen nicht nur den tatsächlichen Absturz des Objekts auf ihrem Grundstück beobachten, sondern auch jeden Schritt der militärischen Bemühungen, es anzuheben und zu entfernen.“ Aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen sollen die Zeugen fast 60 Jahre lang über das, was sie während der neun Tage vor Ort gesehen und getan hatten, geschwiegen haben. „Im Kontext der Geschichte der chemischen und physikalischen Analyse gefundener UFO-Trümmer – ein Bereich, in dem Harris und Vallée seit Langem zusammenarbeiten – werfen die von den Zeugen beobachteten Geräte eine Reihe sehr wichtiger wissenschaftlicher Fragen auf“, so der Pressetext weiter.

UFO-Forscher und Autor Jaques Vallée. Copyright/Quelle: trinitysecret.com

UFO-Forscher und Autor Jaques Vallée. Copyright/Quelle: trinitysecret.com

UFO-Forscherin und Autorin Paola Harris. Copyright/Quelle: trinitysecret.com

UFO-Forscherin und Autorin Paola Harris. Copyright/Quelle: trinitysecret.com

Soweit die Ankündigung der beiden UFO-Forschenden selbst, die erwartungsgemäß schon vorab hohe Wellen schlägt – nicht zuletzt, weil das Erscheinungsdatum des Buches kurzfristig von Anfang Mai auf den 1. Juni ohne Angaben von Gründen verschoben wurde.

Was zunächst sensationell klingt, erweist sich bei eingehender Recherche jedoch als ein Vorfall, über den bereits seit einigen Jahren erstaunlich viele Facetten und Details bekannt sind und auch schon in der Community von UFO-Forschern, -Enthusiasten aber auch -Skeptikern kontrovers rezipiert und diskutiert wurde. Tatsächlich wird der Absturz von nahe San Antonio 1945 schon sehr lange als Vorgänger oder sogar Alternativereignis zu Roswell diskutiert (und das nicht nur, wie es der Ankündigungstext behauptet), in wenigen kaum beachteten Beispielen und im US-Ausland. Auch Paola Harris selbst hat darüber schon vergleichsweise ausführlich berichtet.

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Laut GreWi-Recherchen erschien die Geschichte rund um den angeblichen Absturz nahe San Antonio, schon damals recht ausführlich dargelegt, erstmals im Jahr 2003 unter dem Titel „New Mexico UFO Crash Encounter In 1945“ im Internet: Teil 1, Teil 2

Selbst Fotos der von den Zeugen von der Absturzstelle entfernten Fragmente machten schon 2010 online die Runde, unter anderem auf „Coast To Coast AM“.

Danach verfasste einer der beiden Zeitzeugen 2011 sogar ein eigenes Buch, zu dem der Autor des Artikels von 2003, Ben Moffett, eine Review auf Amazon veröffentlichte.

Im Februar 2017 veröffentlichte der UFO-Forscher und Disclosure-Aktivist John Greenewald Jr. dann sogar den ausführlichen Bericht einer Laboranalyse von Teilen der Fragmente aus dem Jahr 2015 auf seiner Webseite „TheBlackVault.com“.

Dieser Laborbericht kommt unter anderem zu dem Schluss, dass „alle untersuchten Metallproben eine identische Zusammensetzung aufweisen. Es handelt sich hauptsächlich um eine Aluminium-Kupfer-Legierung und Silizium gemeinsam mit Kleinstmengen anderer Elemente.“ Weiter heißt es in dem Laborbericht: „Diese Legierung kommt in einer großen Bandbreite zum Einsatz, darunter Motorkurbelgehäuse, Gas- und Öltanks, Motorölwannen, Schreibmaschinenrahmen und Motorteile.“ Auch das Isotopenverhältnis der nachgewiesenen Bestandteile (Nickel, Kupfer und Zink) „entsprechen irdischen Werten“. Interessanterweise macht der Laborbericht allerdings auch die Anmerkung, dass „trotz der irdischen Isotopenverhältnisse eine außerirdische Quelle des Metalls nicht ausgeschlossen werden kann“. Es folgt eine hypothetische Diskussion darüber, wie irdische Metalle dennoch Teil eines abgestürzten Raumschiffs außerirdischer Herkunft sein könnten. Kurioserweise spekuliert der Laborbericht in der Folge darüber, dass es sich bei den „Außerirdischen“ in Wirklichkeit schließlich „um Zeitreisende aus der Zukunft der Erde handeln könnte; oder aber, dass die Außerirdischen Basen auf der Erde betreiben und ihre hiesigen Fluggeräte auch aus irdischen Materialien herstellen oder zumindest warten. Der Grund dafür, wie es zu derart ebenso hypothetischen wie exotischen Ausführungen eines „Labors“ kommen kann, ist der, dass es sich beim zitierten Labor von „Frontiers Analysis, Ltd.“ um ein entsprechend gegenüber wissenschaftlichen Grenzgebieten offenes und an diesen interessiertes Labor handelt.

– Den vollständigen Analysebericht und weitere Ausführungen dazu finden Sie HIER

Neben diesen Aspekten scheinen auch schon Teile aus dem neuen Buch an die Öffentlichkeit gedrungen zu sein, so etwa eine Elektronenmikroskop-Aufnahme der Oberfläche eines der beiden Fragmente, in deren Mikrostrukturen die Autoren offenbar Belege für eine hoch entwickelte Nanotechnologie sehen.

Während diese besonders für den Laien zunächst tatsächlich geometrisch und damit artifiziell erscheinen mögen, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit aber dennoch um gewöhnliche und bekannte mikroskopische chemische Effekte auf Oberflächen von Metalllegierungen, wie sie bereits gänzlich jenseits jeglicher Diskussionen um eine außerirdische Herkunft wissenschaftlich beschrieben wurden.

+ + +GreWi Kommentar
Wie Harris und Vallée mit dieser Facette und all den anderen bereits bekannten – und hoffentlich unbekannten – Informationen umgehen werden, bleibt abzuwarten. Und GreWi bleibt wie immer interessiert und wird ergebnisoffen berichten. Allerdings schwingt bei mir angesichts der Buchankündigung und den obig dargelegten Aspekten auch ein wenig Sorge darüber mit, dass die Sache auch nach hinten losgehen könnte und die Autoren trotz aller Sorgfalt, wie man sie zumindest von Vallée erwarten darf, etwas übersehen haben könnten – etwa die chemische Erklärung für die Mikrostrukturen auf der Oberfläche – und in diese dann Dinge hineindeuten, die schlichtweg so nicht vorhanden sind. Ein solcher möglicher Fauxpas könnte eine vielleicht tatsächlich vorhandene Bedeutung des Falls schnell zunichtemachen.
(Das jüngst von Dr. Steven Greer als „Dissektion eines humanoiden Körpers in den 1920er-Jahren“ veröffentlichte Foto eine mit hoher Wahrscheinlichkeit gewöhnlichen Obduktion einer entstellten Leiche aus selbiger Zeit (…GreWi berichtete), kann hier als mahnendes Beispiel betrachtet werden.




Auch die Buchankündigung und der Umschlagstext des Buches selbst lässt Fragen aufkommen, wird hier doch zunächst mit dem (zweifelsohne) „ehrenwerten“ Paul Hellyer der ehemalige Verteidigungsminister Kanadas zitiert, der dem Buch von Harris und Vallée eine große Leistung an Feldforschung attestiert und dazu erklärt: „Jetzt ist es an der Zeit, dass ihre Entdeckung der Welt offenbart wird.“ Das Problem: Hellyer ist bei Weitem nicht der ideale Kronzeuge für geheimes staatliches Insiderwissen über UFOs, für das er gerne ausgegeben und gefeiert wird. Zwar stimmt es, dass Hellyer sich immer wieder zu seiner Überzeugung über die Existenz und Anwesenheit von Außerirdischen auf der Erde bekannt hat, dass er aber selbst immer wieder erklärt hatte, dass es sich dabei alleine um seine ganz persönliche Überzeugung handele, die aber nicht auf den Erfahrungen und Insiderwissen aus den Zeiten seiner Amtszeiten basiert. Auch der Umstand, dass mit „Professor Paul Hynek“ zwar ein bekannter Name, aber dennoch „nur“ der Sohn des damit wohl von den meisten Lesern assoziierten, allerdings schon lange verstorbenen Astronom und Blue-Book-Wissenschaftlers J. Allen Hynek zitiert wird, wenn dieser bescheinigt, dass mit dem Buch “eine neue UFO-Geschichte enthüllt” werde, wirkt bei genauerer Betrachtung eher verwunderlich als zielführend, um den Inhalt des Buches zu stützen. Wenn auch mit besagter Zurückhaltung bleibe ich aber dennoch gespannt und würde mir wünschen, dass die Autoren jene hohen Ansprüche, die gerade mit dem fast schon legendären Namen und Ruf Vallées verbunden sind, erfüllen werden.

Quellen: TrinitySecret.com, eigene Recherchen grenzwissenschaft-aktuell.de

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