Optischer Nachweis von Gravitationswellen? Zwei große Pressekonferenzen für kommenden Montag angekündigt


Künstlerische Darstellung zweier verschmelzender Neutronensterne (Illu.).

Copyright: Dana Berry, SkyWorks Digital, Inc./Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics

Washington (USA) – Für den kommenden Montag haben sowohl die europäische Südsternwarte (ESO) als auch die Physiker der Gravitationswellendetektoren VIRGO und LIGO für den kommenden Montag zeitgleiche Pressekonferenzen zu neuen großen Entdeckungen einladen. Während die ESO von der “bahnbrechende Entdeckung eines astronomischen Phänomens, das nie zuvor beobachtet worden ist” spricht, will VIRGO eine neue Entdeckung zu Gravitationswellen bekanntgeben. Glaubt man Gerüchten könnten beide Konferenzen allerdings das gleiche Phänomen beschreiben.

Bereits seit Mitte Juni mehren sich die Gerüchte darüber, dass Wissenschaftler an den Gravitationswellen-Detektoren LIGO und VIRGO in den USA und Europa erstmals Gravitationswellen detektiert haben, die nicht wie zuvor von der Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher, sondern der Kollision zweier Neutronensterne erzeugt wurden und sich deshalb nicht nur durch ihre Verzerrung der Raum-Zeit sondern auch durch ein sichtbares Signal auszeichnen würden (…GreWi berichtete als eines der ersten deutschsprachige Nachrichtenportale bereits im August).

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

Während die ESO-Pressemitteilung bislang nur und ausschließlich von einer “bahnbrechende Entdeckung eines astronomischen Phänomens (…), das nie zuvor beobachtet worden ist” spricht, ist es anhand der VIRGO-Presseerklärung klar, dass eine mit der Suche nach Gravitationswellen im Zusammenhang stehende Entdeckung sein wird. An letzterer Pressekonferenz, so die VIRGO-LIGO-Presseinformation, werden neben den VIRGO-LIGO-Wissenschaftlern auch rund 70 (!) Vertreter anderer Observatorien teilnehmen. Man darf also auf eine wirklich große Entdeckung ausgehen.

Beide Pressekonferenzen sind für den kommenden Montag, 16. Oktober 2017, ab 16:00 Uhr angesetzt. Während sich die ESO in ihrem Hauptquartier Garching trifft, laden die VIRGO-LIGO-Wissenschaftler in den ehrenwerten National Press Club in Washington DC.

Hintergrund
Für das Bekanntwerden der ersten Gerüchte war im vergangenen Juni der Astrophysiker J. Craig Wheeler von der University of Texas schon am 16. Juni 2017 verantwortlich, als er über den Kurznachrichtendienst Twitter erklärte, dass “LIGO eine neue Quelle von Gravitationswellen entdeckt zu haben scheint”, gefolgt von Ausführungen dazu, dass es zu den Messungen im aktuellen Fall sogar optische Beobachtungen gäbe, da die Gravitationswellen in diesem Fall nicht von zwei miteinander verschmelzenden Schwarzen Löchern sondern von zwei verschmelzenden Neutronensternen erzeugt worden seien. Neutronensterne stellen das Ende der Sternentwicklung massenreicher Sterne dar.

Durch Wheelers Tweets zu weiteren Recherchen angeregt, stellte der Wissenschaftsjournalist Mika McKinnon vom “New Scientist” dann auch tatsächlich fest, dass eine ganze Reihe optischer Teleskope – darunter auch das Weltraumteleskop Hubble – auf die rund 130 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie NGC4993 ausgerichtet worden waren und sich die beteiligten Astronomen mit Informationen darüber, was sie da genau beobachten, auffallen zurückhaltend waren. Ethan Siegel von “Forbes” verwies sodenn darauf, dass nur wenige Tage vor Wheelers Tweets das Hubble-Weltraumteleskop vermutlich das Verschmelzen zweier Neutronensterne in besagter Galaxie beobachtet hatte. Tatsächlich berichtet McKinnon, dass ein Hubble-Foto, dass diesen sogenannten “Merger-Kandidaten” zeigt, kurze Zeit später wieder von den entsprechenden Webseiten entfernt wurde.

Angesprochen auf die Gerüchte erklärte der LIGO-Sprecher David Shoemaker lediglich, dass tatsächlich rund um den 25. August eine “Top-Entdeckung mit LIGO” bekannt gegeben werde. (Anm. GreWi: Dieser Termin verstrich jedoch, ohne eine entsprechende Bekanntgabe. Erst am 27. November berichteten die LIGO-Wissenschaftler von der mittlerweile dritten Messung weitere Gravitationswellen zweier verschmelzender Schwarzn Löcher, die jedoch mit den von Wheeler berichteten Merkmalen nichts gemein hatte.). Wheeler selbst entschuldigte sich mittlerweile für seine voreiligen Tweets und den Aufruhr, die diese in der Wissenschaftsgemeine verursacht haben und erklärte, es solle schließlich LIGO und VIRGO (einem weiteren Messinstrument in Europa, das mit LIGO kooperiert) überlassen sein, die eigenen Entdeckungen bekannt zu geben.

© grenzwissenschaft-aktuell.de