Ornitholgen: „Scharrbilder von Nazca zeigen exotische Vogelarten“

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Die bislang als “Kolibri“ interpretierte Nazca-Geoglyphe zeigt laut japanischen Forschern konkret einen sog. Eremiten und damit eine in Nazca nicht heimische, sondern subtropische Kolibri-Art. Copyright: Herb/Tofal für grenzwissenschaft-aktuell.de

Die bislang als “Kolibri“ interpretierte Nazca-Geoglyphe zeigt laut japanischen Forschern konkret einen sog. Eremiten und damit eine in Nazca nicht heimische, sondern subtropische Kolibri-Art.
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Hokaido (Japan) – Japanische Forscher haben die Darstellung von Vögeln in Form der ikonografischen Scharrbilder in der Wüstenhochebene von Nazca in Peru genau analysiert und festgestellt, dass diese hauptsächlich Vogelarten repräsentieren, die in der südlichen Nazca-Wüste selbst zur Zeit der Erstellung der Geoglyphen gar nicht beheimatet waren. In der Darstellung exotischer Vögel sehen die Wissenschaftler einen möglichen Zusammenhang mit der Absicht, die hinter den Bodenbildern stecken könnte.

Wie der Zooarchäologen Masaki Eda vom japanischen Hokkaido University Museum, Takeshi Yamasaki vom Yamashina Institute for Ornithology und Masato Sakai von der Yamagata University aktuell im „Journal of Archaeological Science: Reports“ (DOI: 10.1016/j.jasrep.2019.101875) berichten, sind Vögel die in Nazca am meisten als Geoglyphe dargestellte Tierart. Insgesamt haben die Wissenschaftler 16 überdimensionale Darstellungen von subtropischen Kolibris (sog. Eremiten) und einen Pelikan identifiziert.

„Bislang weiß niemand so genau, warum und wozu die Nazca-Linien und Scharrbilder angelegt wurden und es ist auch für uns zu früh, sagen zu können, warum die Prä-Inca-Kultur hier Vögel abbildete, die in Nazca selbst gar nicht beheimatet sind.

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Die Forscher vermuten, dass die Tiermotive in einem direkten Zusammenhang mit der Absicht und dem eigentlichen Sinn der Bodenbilder stehen. Aus diesem Grund untersuchten Eda und Kollegen die 16 Vogeldarstellungen aus ornithologischer Sicht – verglichen die Darstellung und Formen von Schnäbeln, Krallen, Füßen und Schwänzen und setzten deren Proportionen zueinander in ein Verhältnis.

Diese, traditionell als Kondor gedeutete Geoglyphe konnten die Ornithologen keiner konkreten Vogelart zuordnen. Copyright: Copyright: Herb/Tofal für grenzwissenschaft-aktuell.de

Diese, traditionell als Kondor gedeutete Geoglyphe konnten die Ornithologen keiner konkreten Vogelart zuordnen.
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Im Ergebnis waren die Forscher in der Lage, drei Vogelarten mit Sicherheit zu identifizieren – darunter auch den berühmten, „Kolibri“, bei dem es sich offenbar gar nicht – wie bilsnag weithin angenommen – um eine allgemeine und schematisierte Kolibri-Darstellungen, sondern konkret um einen sog. Eremiten handelt. Im Gegensatz zum südlichen Wüstenhochland von Nazca findet man die Kolibri-Art für gewöhnlich nur in den Wäldern des nördlichen und östlichen Peru.

Anhand der charakteristischen Darstellung des langen und dünnen Schnabels, der kurzen Beine, dreier in die gleiche Richtung weisender Krallen und dem langen Schwanz mit der verlängerten Mittelsektion, haben die Forscher die bislang als allgemeine Kolibri-Darstellung interpretierte und vermutlich berühmteste Geoglyphe von Nazca als Östlicher Langschwanz-Schattenkolibri, aus der Familie der Eremiten identifiziert. Copyright/Quelle: Eda M., Yamasaki T., Sakai M. Journal of Archaeological Science: Reports. June 20, 2019

Anhand der charakteristischen Darstellung des langen und dünnen Schnabels, der kurzen Beine, dreier in die gleiche Richtung weisender Krallen und dem langen Schwanz mit der verlängerten Mittelsektion, haben die Forscher die bislang als allgemeine Kolibri-Darstellung interpretierte und vermutlich berühmteste Geoglyphe von Nazca als Östlicher Langschwanz-Schattenkolibri, aus der Familie der Eremiten identifiziert. Copyright/Quelle: Eda M., Yamasaki T., Sakai M. Journal of Archaeological Science: Reports. June 20, 2019

Als weitere Überraschung identifizierten die Forscher eine weitere Vogel-Geoglyphe als Pelikan, wie er eigentlich nur an der peruanischen Küste, aber ebenfalls nicht in der Nazca-Wüste vorkommt. Auch fanden die Wissenschaftler eine offenbar eines Guanokomorans, die auf den peruanischen Inseln beheimatet sind.

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In einem nächsten Schritt wollen die Forscher nun Vogeldarstellungen auf Keramiken aus Nazca-Tempeln untersuchen und dies mit den drei als Bodenbilder abgebildeten Vogelart vergleichen. Von dieser Analyse erhoffen sich die Wissenschaftler eine Antwort auf die Frage, warum die Nazca-Erbauer sich für die Darstellung exotischer Vögel und nicht für einheimische Arten entschieden hatten.

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