Oumuamua‘: War der „Interstellare Besucher“ doch kein Komet?

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Künstlerische Darstellung des interstellaren Objekts Oumuamua (Illu.).
Copyright: ESO/M. Kornmesser

Cambrigde (Großbritannien) – Vor einem Jahr entdeckten Astronomen erstmals ein Objekt, dass von außerhalb unseres eigenen Sonnensystems stammte und dieses durchflog (…GreWi berichtete, siehe Links u.). Nachdem zunächst schon darüber spekuliert wurde, ob es sich vielleicht sogar um ein künstliches und damit von einer fernen Zivilisation konstruiertes Objekt handeln könnte, deuteten erste Beobachtungsdaten zunächst auf einen Asteroiden, dann auf einen Kometenkern hin. Eine neue Analyse bezweifelt nun jedoch, dass es sich bei dem als Oumuamua‘ bezeichneten Objekt um einen Kometen handelt.

Nicht nur die Art und Weise, wie das Objekt rotierte und sich organisches Material unter der Oberfläche berbirgt, auch eine im vergangenen Dezember entdeckte unerklärliche Beschleunigung des Objekts (…GreWi berichtete) schien für Ausgasungen aus dem Innern des Objekts und damit für einen Kometen zu sprechen.

Obwohl also alle messbaren Eigenschaften des Objekts für einen Kometen sprachen und zu dem Meisten passen, was wir über Kometen in unserem eigenen Sonnensystem wissen, zweifeln die neusten Analyseergebnisse des von Roman Rafikov von der University of Cambridge an dieser Kategorisierung von Oumuamua‘.

Dieses Diagramm zeigt die Umlaufbahn des interstellaren Objekts `Oumuamua beim Durchlaufen des Sonnensystems (Illu.). Die rechte Ausschnitssvergrößerung stellt die beobachtete unerwartete Beschleunigung (blau) im Vergleich zur anhand der reinen Gravitationskräfte vorherberechneten Flugbahn (grün) dar (Illu.). Klicken Sie auf die Bildmitte, uj zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.
Copyright: ESA

Der Grund: Wären Ausgasungen für die rätselhafte Schubentwicklung des Objekts verantwortlich gewesen, so hätten diese sich auch in einem sicht- bzw. messbaren Kometenschweif abzeichnen müssen. Doch genau diese Eigenschaft wurde nie beobachtet. Auch hätten diese Ausgasungen das längliche Objekt derart in Rotation versetzen müssen, dass es dadurch in viele kleinere Teile zerbrochen wäre. „Wenn Oumuamua‘ ein Komet gewesen wäre, so hätte es die Sonnenpassage nicht überstanden.“

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Der Astronom selbst bezweifelt deshalb, ob es sich bei Oumuamua‘ um einen Asteroiden oder einen Kometen handelt: „Es gibt gute Beweise für beide Seiten. Wenn es ein Asteroid ist, dann ist es ein wirklich sehr ungewöhnlicher Asteroid.“

Schon zuvor hatte Rafikov im „The Astrophysical Journal“ (DOI: 10.3847/1538-4357/aac5ef) ein exotische Szenario für die Entstehung des Objekts angedacht und vorgeschlagen, dass ein gewöhnlicher Stern zu einem Weißen Zwerg wurde und im Zuge dieses Vorgangs einen Planeten derart zerstört hatte, dass dabei regelrechte gewaltige Splitter entstanden, die durch die Heimatgalaxie und aus dieser hinaus katapultiert wurden.

Tatsächlich könnte diese Hypothese sogar überprüft werden, wenn das tatsächliche Heimatsystem von Oumuamua‘ bekannt wäre. Bislang gibt es dazu aber erst begründete Vermutungen und erste Hinweise (…GreWi berichtete). Eine genauere Zuordnung wird wohl frühestens 2021 möglich sein, wenn ein weiteres Datenpaket des europäischen Weltraumteleskops „Gaia“ (DR 3) veröffentlicht werden soll, in dem die Radialgeschwindigkeiten für zehn Mal mehr Sterne als bislang enthalten sein werden.

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