Para-Psychologe Michael A. Persinger verstorben

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Dr. Michael A. Persinger (1945-2018)

Copyright/Quelle: Laurentian University

Sudbury (Kanada) – Im Alter von 73 Jahren ist der bekannte Neurowissenschaftler, Psychologe und Parapsychologe Dr. Michael A. Persinger verstorben. Persinger ist besonders für seine Experimente mit dem sogenannten „Gottes- bzw. Religionshelm“ bekannt, mit dem er untersuchte, ob Magnetfelder im Hirn spirituelle und übersinnliche Erfahrungen hervorrufen können. Obwohl von vielen zur Skeptiker-Fraktion gezählt, zeigte Persinger zeitlebens ein offenes und ehrliches Interesse am Paranormalen und der Parapsychologie.

Als Neurowissenschaftler machte sich Persinger international einen Namen durch seine Experimente mit einer als „Gotteshelm“ oder „Religionshelm“ bezeichneten Apparatur:

Die Originalversion von Persingers „Gotteshelm“ (o.) und eine heutige Variante (u.).

In einem schallisolierten Raum bekamen die Probanden einen von Michael Persinger entwickelten Helm aufgesetzt. Dieser Helm erzeugte ein Magnetfeld, das in seiner Stärke ungefähr einem Zehntel des erdeigenen Magnetfeldes entsprach und auf die Schläfenlappenregion einwirkte. Die Testpersonen jedoch glaubten, dass es sich um eine Entspannungsübung handele. Persinger führte dieses Experiment mit ca. 1000 Versuchspersonen durch. Bei 80 Prozent der Probanden war Persinger der Meinung, eine mehr oder weniger spirituelle Erfahrung nachgewiesen zu haben.

Tatsächlich beschrieben einige Teilnehmer Zustände des Schwebens oder meinten, die Anwesenheit etwa eines Schutzengels zu spüren. Andere beschrieben, Gott persönlich begegnet zu sein. Aber auch nichtreligiöse Testpersonen schilderten bei den Magnetstimulationen transzendente Erlebnisse, wenn bekennende Atheisten zum Beispiel eine Verbundenheit mit dem Universum beschrieben.

Persinger selbst glaubte, mit seiner magnetischen Beeinflussung der Hirnregion des Schläfenlappens ein „Gottes-Modul“ im “Erscheinungen“ erklären. Diese seien durch Änderungen im Magnetfeld der Erde entstanden. Auf die gleiche Art erklärte er auch Lichterscheinungen im Zusammenhang mit UFOs. (Quelle: Wikipedia) Bis heute ist die Wirksamkeit des „Gotteshelms“ jedoch selbst unter einigen Kritikern des Paranormalen umstritten.

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Tatsächlich wurden die Ergebnisse Persingers und anderer Wissenschaftler gerade von Skeptikern entsprechender Phänomene zu einer der ebenso beliebtesten wie wohlfeilsten rationalen Rundumerklärungen spiritueller Erlebnisse, Spukerfahrungen und UFO-Sichtungen. So unterzog sich beispielsweise der „Gotteswahn“-Autor Richard Dawkins für die BBC-Wissenschaftssendung „Horizon“ einer Sitzung unter dem „Gotteshelm“ – allerdings ohne damit nach eigener Aussage eine religiöse Erfahrung gemacht zu haben (Anm. GreWi: Persinger selbst vermutete dazu zunächst, dass Dawkins grundsätzlich eine geringe Schläfenlappenaktivität aufweise um dann später zu berichten, der Autor sei während des Experiments angetrunken gewesen.)

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Obwohl Persinger selbst ein bekennender Materialist war, täte man ihm und seinen Interessen jedoch vermutlich Unrecht, wenn man ihn als ausgewiesenen Skeptiker paranormaler Phänomene beschreiben würde. „Tatsächlich war er ein bekannter Vertreter dieser Forschung“, kommentiert Greg Taylor von „TheDailyGrail.com“ in seinem Nachruf auf Persinger. „Während seiner gesamten wissenschaftliche Laufbahn war er stets von der Parapsychologie und dem Paranormalen fasziniert und seine Theorien über die Hirnstimulation können vielleicht tatsächlich einige rätselhafte Fähigkeiten des menschlichen Geistes wie Telepathie und Vorhersage erklären (ohne sie per se ad absurdum zu führen).“

Neben seiner bekannten Arbeit mit dem „Gotteshelm“ prägte Dr. Persinger zudem die daran gekoppelte sog. Tectonic Strain Theory, laut der es sich bei bislang unerklärten Lichtphänomenen am Himmel um das Ergebnis tektonischer Spannungen handele, die zu seismischer Aktivität führt. Einhergehend mit diesen tektonischen und seismischen Aktivitäten vermutete Persinger, dass Veränderungen des lokalen Erdmagnetfeldes die oft von Sichtungszeugen dieser Phänomene beschriebenen physischen wie psychischen Effekte hervorrufen, wie sie dann von den Zeugen in ihrem ganz persönlichen historischen, sozio-kulturellen und/oder religiösen Hintergrund (in Form von Ahnen, Geistern, göttlichen Erscheinungen, Dämonen bis hin zu Aliens) interpretiert werden.

Kritikern begegnete Persinger zuletzt mit einer lesenswerten Blog-Artikel-Reihe.

„Mit seiner präzisen Sprache, einem coolen Auftreten und seinem Sinn für tadellose Kleidung, hatte Michael Persinger eine Aura, die an „Agent Smith“ erinnerte“, erinnert sich Taylor in seinem Nachruf abschließend. „Diese kombiniert mit seiner Forschung über die Fähigkeiten des Gehirns die geschilderten bizarren Effekte zu produzieren, rückte Persinger zeitlebens auch in den Fokus von Verschwörungstheoretikern, die gerade ihm den Versuch der Gedankenkontrolle unterstellten. Abgesehen davon war er jedoch ein blitzgescheiter und aufgeschlossener Wissenschaftler und Forscher, ein von vielen verehrter und respektierter Lehrer – auch wenn er sich selbst in den letzten Jahren seines Lebens zusehends im Widerspruch zu seinem eigenen Universum vorfand.“

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