Parlamentarische UFO-Anfrage und Antwort der EU-Kommission

Symbolbild: Flaggen vor dem Hauptsitz der Europäischen Kommission. Copyright: via Pixabay.com (Pixabay License)
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Symbolbild: Flaggen vor dem Hauptsitz der Europäischen Kommission.Copyright: via Pixabay.com (Pixabay License)

Symbolbild: Flaggen vor dem Hauptsitz der Europäischen Kommission.
Copyright: via Pixabay.com (Pixabay License)

Brüssel (Belgien) – Während die UFO-Frage bzw. UAP in den USA mittlerweile höchsten politischen Status erlangt haben; eine eigene UFO/UAP-Untersuchungsbehörde eingerichtet wurde, es ein eigenes Gesetz zur Veröffentlichung von UFO-Akten gibt und öffentliche wie geheime Anhörungen und Briefings vor dem Kongress stattgefunden haben, ist von einer solchen politischen Dynamik in Europa noch wenig zu spüren. Trotzdem gibt es diese auch hier erste politische Initiativen.

In einer Anfrage vom 28. Juli 2023 bat der portugiesische EU-Abgeordneten der Fraktion der Grünen/EFA, Francisco Guerreiro, die Kommission um eine schriftliche Antwort (E-002375/2023):

 

Francisco GuerreiroCopyright: Green European Foundation & Heinrich-Böll-Stiftung European Union (viaWikimedaCommons) / CC BY-SA 4.0

Francisco Guerreiro
Copyright: Green European Foundation & Heinrich-Böll-Stiftung European Union (viaWikimedaCommons) / CC BY-SA 4.0

Am 26. Juli 2023 behaupteten David Grusch, ein ehemaliger Geheimdienstoffizier der US-Luftwaffe, David Fravor, ein ehemaliger Marinekommandeur, und Ryan Graves, der Geschäftsführer von Americans for Safe Aerospace, in einer Anhörung vor dem Unterausschuss für nationale Sicherheit des US-Repräsentantenhauses „US House Committee on Oversight and Accountability“ [Ausschuss für Aufsicht und Rechenschaftspflicht], dass die US-Regierung wichtige Informationen über nicht identifizierte anomale Phänomene (UAPs) sowie ein jahrzehntelanges Geheimprogramm zur Bergung und Rückentwicklung potenzieller nichtmenschlicher Technologien verheimliche. Diese Behauptungen hochrangiger US-Beamter haben tiefgreifende Auswirkungen auf die Rechenschaftspflicht und Transparenz der Regierung sowie auf die nationale und internationale Sicherheit.

  • 1.Verfügt die Kommission über Kenntnisse oder Unterlagen über UAPs, die von Mitgliedstaaten oder EU-Agenturen, wie beispielsweise der Agentur der Europäischen Union für das Weltraumprogramm, gesammelt wurden?
  • 2.Verfügt die Europäische Verteidigungsagentur (EDA) über Berichte über UAPs und verfügt die EDA über interne Protokolle, um Berichte über UAPs von Mitgliedstaaten auf transparente und rechenschaftspflichtige Weise zu erhalten?
  • 3. Verfügt die Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit (EASA) im Hinblick auf die Zivilluftfahrt über Berichte über UAPs und verfügt die EASA über interne Protokolle, um Berichte über UAPs von Piloten und Radarbetreibern auf transparente und rechenschaftspflichtige Weise zu erhalten?

– Den Original Antrag finden Sie HIER

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Bereits am 9. November 2023 erhielt Guerreiro eine Antwort. Darin schreibt Thierry Breton, seit Dezember 2019 EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen mit der erweiterten Zuständigkeit für Verteidigung und Raumfahrt in der Kommission von der Leyen, im Auftrag der Kommission folgendes:

EU-Kommissar Thierry BretonCopyright: European Parliament / CC BY 2.0

EU-Kommissar Thierry Breton
Copyright: European Parliament / CC BY 2.0

Das Weltraumprogramm der Europäischen Union führt Weltraumaktivitäten in Bereichen wie Erdbeobachtung, Satellitennavigation und Weltraumlageerfassung durch.

Das EU-Weltraumprogramm wird in enger Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedstaaten, der Agentur der Europäischen Union für das Weltraumprogramm (EUSPA), der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und vielen anderen Interessenträgern umgesetzt.

Die Verordnung (EU) 2021/696 zur Einrichtung des EU-Weltraumprogramms für den Zeitraum 2021–2027 und EUSPA legt die Komponenten und Ziele dieses Programms fest.

Das Sammeln von Wissen oder Dokumentation über nicht identifizierte anomale Phänomene gehört jedoch nicht zu diesen Zielen.

Die Europäische Verteidigungsagentur (EDA) verfügt über keine Dokumente, die mit dem Thema der nicht identifizierten anomalen Phänomene (UAPs) in Zusammenhang stehen würden.

Da die EDA nie zu UAP-Themen gearbeitet hat, verfügt sie weder über Dokumente, die der in dieser Frage gegebenen Beschreibung entsprechen, noch erhält sie solche. Darüber hinaus verfügt die EDA über keine spezifischen Protokolle zu diesem Thema, da dies nicht in den Zuständigkeitsbereich der Zusammenarbeit der EDA mit den Mitgliedstaaten fällt.

Die Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit (EASA) und die Zivilluftfahrtbehörden der EU erhalten möglicherweise Sicherheitsberichte über nicht identifizierte Flugobjekte, die die Sicherheit der Zivilluftfahrt gefährden könnten.

Die gesammelten Sicherheitsvorkommnis-Berichte werden in einem zentralen Repository gespeichert und ausschließlich zu Sicherheitszwecken analysiert.

Die Meldung, Speicherung und Analyse von Ereignissen in der Zivilluftfahrt ist in der Verordnung (EU) Nr. 376/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 3. April 2014 über die Meldung, Analyse und Nachverfolgung von Ereignissen in der Zivilluftfahrt geregelt.

– Die offizielle Antwort finden Sie HIER

Tatsächlich gibt es bereits politische UFO-Initiativen in verschiedenen EU-Ländern.

In den Niederlanden hat die zivile Forschungsorganisation „UAP Colaitie Nederland“ (UAPCN) bei der Europäische Komission Ende November einen Vorschlag zur Erweiterung des derzeit in Überarbeitung befindlichen EU-Weltraumgesetztes eingebracht. Mit diesem wollen die Forscher die EU-Kommission auf das weite Spektrum von UAP/UFOs mit Bezug zum europäische Weltraumgesetz aufmerksam machen.

Das Papier gibt zunächst eine thematische Übersicht und erläutert auch die jüngsten politischen Entwicklungen zum Thema in den USA. Zudem macht die UAPCN auch konkrete Vorschläge: So schlagen die Autoren beispielsweise vor, dass die Suche und Detektion von UAP zukünftig ein neuer und wichtiger Teil der EU-Weltraumbeobachtungen werden sollte. Neben dem wissenschaftlichen Aspekt sei dies auch aus Sicht der Luft- und Raumfahrtsicherheit, der Analyse von Wiedereintritten in die Erdatmosphäre (Re-Entries) und deren möglichen Fragmenten von Interesse. Ebenso könnte die Suche und Beobachtungen von UAP zur Erforschung erdnaher Objekte (NEOs) beitragen. Das Einbetten von UAP-Aspekten in das offizielle EU-Weltraumgesetz hätte zudem eine positive Wirkung auf den Abbau der immer noch mit dem Thema einhergehenden Tabuisierung von Sichtungszeugen, obwohl eine Vielzahl dieser Beobachtungen auch von professionellem zivilen wie militärischen Personal gemacht, jedoch in den seltensten Fällen ordentlich gemeldet werden. Ähnlich wie die NASA, die erst vor wenigen Monaten einen eigenen UAP-Forschungsdirektor ernannt hatte, sollte auch die EU bzw. die ESA eine solche Stelle einrichten, so die Vorschlagsliste der UAPCN abschließend.

Zum Redaktionsschluss dieser Meldung war noch keine Antwort von Seiten der EU-Kommission zu der Eingabe der UAPCN bekannt. (siehe hierzu auch die obige Antwort an

In Deutschland bemüht sich bereits seit Jahren das Interdisziplinäres Forschungszentrum für Extraterrestrik (IFEX) – das weltweit einzige Forschungszentrum, an dem UFOs/UAP offiziell im Forschungskanon einer Universität erforscht werden – auch um Kontakte in die Politik und zuständigen Institutionen. Hierzu fanden und finden fruchtbare Gespräche mit relevanten Luft- und Raumfahrtorganisationen deutschland- und EU-weit, sowie mit politischen Vertretern statt (…über einige dieser Initiativen hat GreWi bereits berichtet). Während die meisten dieser Initiativen ihre Zeit benötigen, sucht man am IFEX zugleich auch den Austausch und Koordination mit europäischen Partnern wie der UAPCN. „Allerdings mahlen die politischen Mühlen in Sachen UFOs und UAP in Deutschland und EU-weit derzeit noch spürbar langsamer als in den USA“, kommentiert der Sachbuchautor und assoziiertes IFEX-Mitglied Andreas Müller den derzeitigen Stand der Dinge. „Es ist wichtiger, diese Fragen behutsam, dafür aber ausdauern und koordiniert anzugehen, als die zuständigen Institutionen mit falschem Aktionismus zu belagern. (…) Ja, in den USA ist man derzeit in der Sache schon sehr viel weiter. Aber auch hierzulande gibt es wichtige Entwicklungen.“

GreWi-Dossier: Über den politischen Umgang mit dem UFO-Phänomen in Deutschland

Warum erscheinen deutsche US-Stützpunkte nicht auf der UFO-Ortungskarte der US-UFO-Untersuchungsbehörde AARO? 6. Januar 2014

GreWi-EXKLUSIV: Deutsche Aufklärungsdrohnen haben noch keine UFOs detektiert 9. August 2023

GreWi EXKLUSIV: UFO-Forscher des Pentagons informieren erstmals „engste Verbündete“ – Deutschland weiterhin außen vor? 19. Juni 2023

Neue Informationen zu UFO-Untersuchungen und Positionen deutscher Ministerien und Behörden 7. März 2023

Nun Offiziell: Deutschland steht bei der Untersuchung von unidentifizierten Flugobjekten im „engen vertraulichen Austausch mit seinen Bündnispartnern“ 15. Februar 2023

Bundesverteidigungsministerin und Kollegen wurden offiziell nicht zu UFOs gebrieft 12. Januar 2023
Erste Schritte auf dem Weg zu Einrichtung einer offiziellen deutschen UAP-Forschungsstelle 13. Oktober 2022

GreWi EXKLUSIV: Deutsche Luftwaffe betätigt sich offiziell nicht an UAP-Untersuchungen des Pentagon 23. Oktober 2022

Nicht nur in Deutschland: Militär- und Zivilradar „blind“ für UFOs und UAP 31. Januar 2022

GreWi nachgefragt: Neue Bundesregierung – neue Position zu UFOs und UAP? 11. Januar 2022

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