Pilze 300 Millionen Jahre älter als gedacht

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Fluoreszenzmarkierung des Chitins in einem versteinerten Myzel; Aufnahme mittels konfokaler Laser-Scanning-Mikroskopie, Maßstab 10 µm Copyright: Bonneville et al. 2020 / CC BY-NC 4.0

Fluoreszenzmarkierung des Chitins in einem versteinerten Myzel; Aufnahme mittels konfokaler Laser-Scanning-Mikroskopie, Maßstab 10 µm
Copyright: Bonneville et al. 2020 / CC BY-NC 4.0

Brüssel (Belgien) – So gewöhnlich uns Pilze im Alltag oft erscheinen, so rätselhaft sind sie in Wirklichkeit selbst noch für die Wissenschaft. Laut einer aktuellen Studie waren die ersten Pilze bereits vor 715 bis 810 Millionen Jahren auf der Erde vorhanden – 300 Millionen Jahre früher als Wissenschaftler bisher geglaubt hatten.

Wie das Team um Steeve Bonneville von der Université libre de Bruxelles (ULB)a aktuell im Fachjournal „Science Advances“ (DOI: 10.1126/sciadv.aax7599) berichtet, deutet die Entdeckung zudem darauf hin, dass Pilze wichtige Partner für die ersten Pflanzen gewesen sein könnten, die die Kontinentaloberfläche besiedelten.

Der Ursprung und die Entwicklung des Reichs der Pilze seien immer noch überaus geheimnisvoll, erläutert die Pressemitteilung des an der Studie beteiligten Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ und führt dazu weiter aus: „Nur zwei Prozent der Pilzarten konnten bisher bestimmt werden, und aufgrund ihrer empfindlichen Beschaffenheit sind ihre Fossilien extrem selten und schwer von anderen Mikroorganismen zu unterscheiden. Das bislang älteste bestätigte Pilzfossil wurde auf ein Alter von 460 Millionen Jahren datiert.“

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Das von den Forschern nun neu entdeckte und beschriebene Pilzfossil ist das älteste, das je anhand seiner molekularen Zusammensetzung bestimmt wurde. Die versteinerten Überreste des Myzels, eines Netzwerks aus miteinander verbundenen mikroskopischen Strängen, wurden in Gesteinen entdeckt, deren Alter zwischen 715 und 810 Millionen Jahren liegt – eine Zeit in der Erdgeschichte, in der das Leben auf der Oberfläche der Kontinente noch jung war. „Diese alten Gesteine, die in der Demokratischen Republik Kongo gefunden wurden und Teil der Sammlung des Afrikamuseums in Tervuren sind, haben sich in einer Lagune oder in einem Küstensee gebildet“, erläutern die Autoren. „Die Existenz von Pilzen in diesem Übergangsbereich zwischen Wasser und Land lässt vermuten, dass diese mikroskopisch kleinen Pilze wichtige Partner der ersten Pflanzen waren, die vor etwa 500 Millionen Jahren die Erdoberfläche besiedelten“, erklärt Steeve Bonneville.

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Für die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ist dies wichtige Entdeckung, die „dazu Anlass gebe, unsere Zeitachse der Evolution der Organismen auf der Erde zu überdenken“, erläutert Bonneville abschließend. „Der nächste Schritt wird sein, noch weiter in die Vergangenheit zu blicken, in noch älteren Gesteinen, um nach Hinweisen auf jene Mikroorganismen zu suchen, die tatsächlich am Ursprung des Tierreichs stehen.“

Quelle: Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

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