Proxima b: ESPRESSO-Spektrograf bestätigt erdartigen Planeten um sonnennächsten Stern

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Künstlerische Darstellung des Planeten Proxima Centauri b“ (Illu.). Copyright: ESO/M. Kornmesser

Künstlerische Darstellung des Planeten Proxima Centauri b“ (Illu.).
Copyright: ESO/M. Kornmesser

Genf (Schweiz) – Bereits 2016 berichteten Astronomen der Europäischen Südsternwarte ESO von der Entdeckung des Signals eines erdgroßen Planeten, der den sonnennächsten Nachbarstern Proxima Centauri innerhalb dessen lebensfreundlicher Zone umkreist. Mit dem Spektrografen ESPRESSO hat ein internationales Astronomenteam nun die Existenz dieses erdartigen Planeten bestätigt.

Wie das Team um Alejandro Suarez Mascareño und Francesco Pepe von der Universität Genf vorab via ArXiv.org und aktuell im Fachjournal “Astronomy & Astrophysics” berichtet, zeigen die Radialgeschwindigkeitsmessungen mit dem am „Very Large Telescope“ (VLT) der ESO in Chile installierten Instrument ESPRESSO, dass der Planet die 1,7-fache Masse unserer Erde aufweist und seinen Stern innerhalb dessen lebensfreundlicher Zone alle 11,2 Tage einmal umkreist. Die neuen Messungen beziffern das mögliche Massenminimum des Planeten auf 1,17 Erdmassen und den Orbit auf besagte 11,2 Tage.

Proxima Centauri ist ein Roter Zwergstern in nur 4,2 Lichtjahren Entfernung zur Sonne. Obwohl der Planet seinen Stern damit rund 20-mal dichter umkreist als die Erde die Sonne, erhält “Proxima b” deshalb in etwa gleich viel Energie von seinem Stern, die wie Erde von unserer Sonne. Somit könnte es auf seiner Oberfläche Wasser und damit die Grundlage zumindest des irdischen Lebens geben.

Auf diese Weise bestätigen auch die neuen Messungen den Planeten als einen der Hauptkandidaten zur Suche nach eventuell vorhandenen Biomarkern, also chemischen Anzeichen und Beweisen für Leben auf der Oberfläche.

Tatsächlich stellt der Umstand, dass es sich bei dem Stern Proxima Centauri um einen aktiven Roten Zwerg handelt, aufgrund dessen starker Sonnenaktivität und der damit einhergehenden hohen Röntgenstrahlung in Frage, liegt die Röntgenstrahlenbelastung des Planeten doch 400 mal höher als jener unseres Heimatplaneten.

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„Gibt es dort eine Atmosphäre, die die Planetenoberfläche vor den tödlichen Strahlen schützt?“, fragt den auch der ESPRESO-Porjektwissenschaftler Christophe Lovis: „Und wenn eine solche Atmosphäre existiert, beinhaltet sie auch jene chemischen Elemente, die auch irdisches Leben hervorgebracht haben und erhalten (beispielsweise Sauerstoff)?“

Wenn ja, so stellen sich auch Fragen danach, wie lange diese lebensfreundlichen Bedingungen schon auf dem Planeten andauern – Fragen, wie sie etwa mit den Nachfolge-Spektrografen „RISTRETTO“ und „HIRES“ beantwortet werden sollen, die am derzeitig in Bau befindlichen ESO-Riesenteleskop „ELT“ in Chile in Betrieb gehen sollen.

Bis dahin könnten die ESPRESSO-Messungen aber auch eine weitere Überraschung beinhalten: Hinweise und auf einen weiteren Planeten in dem System: „Sollte dieses Signal tatsächlich planetaren Ursprungs sein, so hätte dieser Planet deutlich weniger als ein Drittel der Erdmasse. Das wäre dann der kleinste Exoplanet überhaupt, der mit der Radialgeschwindigkeitsmethode (die nach kleinsten, von Planeten verursachten Schwankungen eines Sterns sucht) bislang entdeckt wurde. Erst kürzlich diskutierte zudem ein anderes Team die möglicherweise direkte Ablichtung einer Super-Erde um Proxima Centauri (…GreWi berichtete).

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