Saarländer rätseln über mysteriöses Leuchtobjekt am Nachthimmel über Völklingen

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Starke Vergrößerung eines bislang noch immer rätselhaften Lichtschauspiels am Abend des 13. November 2018 über dem saarländischen Völklingen.
Copyright: S.T. Avenia

Völklingen (Deutschland) – Am Abend des 13. November 2018 machte Herr A. T. Avenia aus Völklingen eine merkwürdige Beobachtung am Nachthimmel und teilte diese in den sozialen Netzwerken. Seither wird gerätselt, was es gewesen sein könnte – zumal die Eigenschaften des Objekts sogar erfahrene Astronomen in Erklärungsnot bringen. Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) hat vor Ort nachgefragt.

„Es war gegen 20:00 Uhr, als ich wie gewohnt nochmals aus dem geöffneten Fenster (es handelte sich also nicht um eine Reflexion einer Lichtquelle in der Fensterscheibe) über die Stadt hinweg Richtung Frankreich geschaut habe“ berichtet Herr Avenia aus Völklingen gegenüber dem Herausgeber von Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) Andreas Müller. Zu dieser Zeit entstand auch das einzige Foto des Objekts von Herrn Avenia. Als der Zeuge um 21 Uhr erneut zum Himmel schaute, sei es immer noch da gewesen – in etwa an gleicher relativer Position zum Mond.

Was nun folgte mag zunächst etwas verwirren, lässt sich aber wie folgt erklären:
Herr Avenia nutzte das Originalfoto aus seiner Kamera (kein Handyfoto!) und vergrößerte den Bildausschnitt mit dem ihn rätselhaften Objekts sehr stark. Diese Vergrößerung fügte er mit der besten Absicht zurück in das Original, um zu verdeutlichen, was er da gesehen hatte.

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Lädt man nun aber derart bearbeitete Foto in Facebook hoch, erzeugt Facebook daraus sozusagen ein neues und zudem stark komprimiertes Bild. In diesem Bild ist die ursprünglich höhere Auflösung stark reduziert, die ursprünglichen Metadaten des Fotos selbst (EXIF) nicht mehr vorhanden, Bildebenen (wie die ins Original eingefügte Vergrößerung) werden miteinander verbunden und eine weiterführende Bildanalyse und Datenauswertung ist kaum noch möglich.

Facebook-Variante des Originalfotos.
Copyright: S. T. Avenia

Kontrastverstärkte und aufgehellte Variante der Facebook-Variante des Originalfotos. Das Objekt ist mit dem roten Pfeil markiert.
Copyright: S. T. Avenia (Bearb. grewi.de)

Als technischer wie fotografischer Laie wusste Herr Avenia dies nicht und war sich auch der verwirrenden Wirkung des vergrößerten Bildausschnittes nicht bewusst. Die Originalaufnahme aus der Kamera, mit der die Vergrößerung ursprünglich gemacht wurde, und die offenbar deutlich hochauflösender war, steht indes wohl leider nicht mehr zur Verfügung. „Nach meinen Gesprächen mit Herrn Avenia bin ich mir sicher, dass er keine verfälschenden oder gar betrügerischen Absichten hatte. Im Gegenteil: Er wollte in bester Absicht für die Betrachter in den sozialen Netzwerken zeigen, wie das von ihm beobachtete und fotografierte Phänomen im vergrößerten Original aussieht“, ist Müller überzeugt.

Die von Herrn Avenia auf der Grundlage des Originals erstellte und via Facebook geteilte „Komposition“ aus Original und eingefügter Detailvergrößerung, wie sie aufgrund der gleichen Schwarztöne ineinander verschwimmen (oben) und Ausschnittsvergrößerungen mit Kontrast- und Helligkeitsverstärkung (unten).
Copyright: S.T. Avenia

Dennoch sorgte gerade dieses „neue“ Bild in den sozialen Netzwerken natürlich schnell für Rätselraten und aufgrund von einigen Sprachbarrieren war es auch Müller zunächst nur schwer möglich, die Situation richtig zu verstehen und einzuordnen.

Zahlreiche Kommentatoren auf Facebook vermuteten nun zunächst die Leoniden, also Meteore bzw. Sternschnuppen, als Erklärung, wie sie derzeit tatsächlich aufgrund des Meteorstroms der Leoniden am Nachthimmel beobachtet werden können. Diese „Sternschnuppen“ sind jedoch meist nur von sehr kurzer Dauer und stehen nicht für längere Zeit am Himmel.

Als Experte für aktuelle astronomische Objekte stand der erfahrene Astrofotograf Sebastian Voltmer GreWi zur Verfügung: „Eine derart lange Sichtungsdauer spricht natürlich eindeutig gegen ein kurzlebiges Phänomen wie eine Sternschnuppe (Meteor) oder Weltraumschrott.“ Auch die Nachleuchtspur eines hellen Meteors (Feuerkugel) könne beschrieben Eigenschaften, besonders die lange Sichtbarkeit am Himmel, nicht wirklich erklären. “Eine solche Spur hätte sich auch in den Höhenwinden verändert und wäre max. 15-20min zu sehen gewesen.”

Auf den Bildern zeigt die „Leuchtspur“ zunächst auch Ähnlichkeiten zu einem Schweifstern, einem Kometen. „Obwohl natürlich immer irgendwelche Kometen am Himmel stehen, sind davon nur die wenigsten – wenn überhaupt – für den Laien als solche erkennbar oder hell genug, um sie sehen, geschweige denn mit normalen Kameras überhaupt ablichten zu können. Derzeit gibt es aber keine derart sichtbaren Kometen, die so hell und groß am Himmel zu sehen wären. Der interessanteste bekannte und für Astrokenner auszumachende Komet am aktuellen Nachthimmel ist 46P/Wirtanen. Der aber steht derzeit noch zu weit südlich und ist noch nicht gut sichtbar. Der Komet ist derzeit noch lichtschwächer als sonstige freisichtige Sterne und schafft es erst gegen Mitternacht gerade so über den Horizont. Wer nicht genau weiß, wann und wo er nach 46P suchen muss, wird diesen mit bloßem Auge kaum finden und ganz sicher nicht ohne weitere astrofotografische Ausrüstung und Sachkenntnis in dieser Weise fotografieren können. Zudem zeigt der Komet derzeit noch keinen derartigen Schweif. Erst in den kommenden Wochen wird 46P dann auch für den Laien zu einem Himmelsschauspiel, wenn er höher am Himmel stehen und erwartungsgemäß einen größeren und deutlicheren Schweif ausbilden wird. Der Komet könnte dann also tatsächlich am dunklen Landhimmel zu einem schon mit Feldstechern gut beobachtbaren ‚Weihnachtsstern‘ werden.“

Auch wenn das Objekt am Nachthimmel bei Weitem also nicht so groß war, wie auf den in den sozialen Netzwerken zunächst verbreiteten Versionen, bleibt dennoch weiterhin rätselhaft, was Herr Avenia also über Völklingen tatsächlich beobachtet und fotografiert hat.

Tatsächlich fanden sich mittlerweile weitere Zeugen, die das Phänomen am Himmel über Völklingen unabhängig von Avenia gesehen haben wollen.

Herr Avenia selbst verwies gegenüber Grenzwissenschaft-Aktuell auf die Aussagen eines Freundes aus dem nahegelegenen Besseringen, der schon „seit drei Nächten etwas ähnliches oder das gleiche Objekt (?) am Abend und Nachthimmel gesehen und auch fotografiert“ hatte.

Aufnahme eines ähnlichen (oder gleichen?) Objekts Mitte November 2018 über Besseringen. Quelle: S. T. Avenia

Auch hier ist ein kometenähnliches Gebilde zu sehen. Ob es sich aber um das gleiche Objekt wie über Völklingen handelt, ist nicht klar. Für derartige Momentaufnahmen gibt es schließlich zahlreiche Erklärungsansätze wie hochfliegende Flugzeuge, die noch in der späteren Dämmerung das restliche gestreute Sonnenlicht in großer Höhe reflektieren oder tatsächlich auch eine spontan fotografierte Sternschnuppe.

Abschließend hat auch Sebastian Voltmer derzeit noch keine wirkliche Erklärung und Aufrufe in verschiedenen Online-Foren erbrachten auch keine weiteren Ansätze. “Vielleicht könnte es sich um einen in großer Höhe geplatzten Wetterballon gehandelt haben, der gestreutes Restlicht der Sonne reflektierte“. Ähnliches haben er und Astrofotografie-Kollegen tatsächlich schon öfter beobachten können: „Die geplatzte und sich verteilende Hülle, sowie die austretenden Gase des Ballons können hierbei ganz erstaunliche Ausformungen annehmen und dann wirklich merkwürdig aussehen.“ Doch auch hier spreche die auch die Sichtungsdauer eher gegen dieser Erklärung.

Ebenfalls gegen diese Vermutung spricht, dass zumindest anhand verfügbarer Daten zu offiziellen deutschen Wetterballonstarts in der Region laut CalSky.com keine potentiell in Frage kommenden Wetterballons am 13. November in der Region von Idar-Oberstein gestartet wurden. Die abendlichen Aufnahmen aus Völklingen kann also auch dieser Wetterballon nicht erklären.

Was also am vergangenen Dienstagabend am Himmel über Völklingen stand, bleibt bis auf weiteres im besten Sinne rätselhaft – ein “unidentifiziertes Flug-Objekt”, ein “UFO” also im weiteren und vielleicht auch engeren Sinn. Vielleicht erlauben günstigere Witterungsbedingungen in den kommenden Tagen weitere Beobachtungen. GreWi wird berichten, sobald es Neues in der Sache gibt…

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