Sagittarius A* – Schwarzes Loch im Zentrum der Milchstraße zeigt unerwartete Aktivität

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Aufnahmen vom 13. Mai 2019 zeigen zunächst das für gewöhnlich wenig aktive Schwarze Loch Sagittarius A* im Zentrum der Milchstraße (l.) und dann plötzlich einen deutlichen Helligkeitsanstieg (r.). Copyright/Quelle: Do et al. 2019 (UCLA)

Aufnahmen vom 13. Mai 2019 zeigen zunächst das für gewöhnlich wenig aktive Schwarze Loch Sagittarius A* im Zentrum der Milchstraße (l.) und dann plötzlich einen deutlichen Helligkeitsanstieg (r.).
Copyright/Quelle: Do et al. 2019 (UCLA)

Los Angeles (USA) – Auch im Zentrum unserer Milchstraße herrscht ein gewaltiges Schwarzes Loch, das jedoch aufgrund seiner vergleichsweise geringen Aktivität gerne als derzeit „schlafendes Monster“ beschrieben wird. Aktuell rätseln Astrophysiker jedoch über einen ungewöhnlich Anstieg der Helligkeit des als Sagittarius A* bezeichneten Schwarzen Lochs im vergangenen Mai um das 75-fache.

Sagittarius A* ist 4,6 Millionen mal schwerer als unsere Sonne, deren Masse die unseres eigenen Heimatplaneten selbst um das 332.946-fache überwiegt. Wie das Team um Tuan Do von der University of California in Los Angeles vorab via ArXiv.org und aktuell im Fachjournal „Astrophysical Journal Letters“ (DOI: berichtete), beobachteten sie am 13. Mai 2019 mit dem Keck-Teleskop einen 75-fachen Anstieg der Helligkeit im nahen Infrarotbereich des Schwarzen Lochs innerhalb von nur wenigen Stunden.

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Tatsächlich beobachten Astronomen und Astrophysiker das als „Sgr. A*” abgekürzte Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße schon seit rund 20 Jahren und habe dabei immer wieder eine gewisse Variabilität in dessen Helligkeit beobachten können. Doch so hell wie aktuell Mitte Mai 2019 hatte sich die Aktivität noch nie abgezeichnet, lag sie doch um das Doppelte über dem bisherigen Rekord.


Die Helligkeitszunahme war derart stark, dass die Astronomen um Do zunächst glaubten, einen das Schwarze Loch eng umkreisenden Stern (SO-2) zu beobachten, dessen Umrundung des Schwarzen Lochs schon seit Jahren mit Interesse verfolgt wird (…GreWi berichtete).

Was zum Helligkeits- und damit Aktivitätsausbruch von Sgr. A* geführt hat, darüber rätseln Astrophysiker nun:

– Zum einen könnte es sein, dass irgendetwas das sonst eher ruhige direkte Umfeld des Schwarzen Loch gestörte hatte. Das könnte dann darauf hindeuten, dass unsere bisherigen Modelle des Schwarzen Lochs und seiner Umgebung falsch sind oder zumindest aktualisiert werden müssten.

– Zum anderen könnte sich etwas im direkten Umfeld des Schwarzen Lochs selbst dramatisch verändert haben – etwa der bereits genannte Stern SO-2. Dieser nähert sich dem Schwarzen Loch alle 16 Jahre bis auf weniger als 20 Lichtsunden. Aktuell könnte also diese Annäherung den Materiefluss vom Stern in Richtung des Schwarzen Loch gestört haben. Da SO-2 aber kein besonders großer Stern ist, zweifeln die Forscher selbst an dieser Erklärung. Da es sich bei SO-2 aber zugleich um den größten aller das Schwarze Loch dicht umkreisenden Sterne handelt, glauben die Forscher auch nicht, dass einer der anderen dieser Sterne als Erklärung in Frage kommt.

– Alternativ könnte eine Gaswolke den Helligkeitsanstieg Sgr. A* erklären. Erst 2002 hatten Astronomen ein Objekt entdeckt, das sie 2011/12 dann als eine Wasserstoffwolke identifizierten, die sich sozusagen im Anflug an das Schwarze Loch befand und nannten diese Wolke „G2“ (…GreWi berichtete 1, 2).

Simulation der beobachteten Gaswolke auf ihrem Weg in Richtung des Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße (Illu.). Copyright: Marc Schartmann u. L. Calcada/ European Southern Observatory und Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik

Simulation der beobachteten Gaswolke auf ihrem Weg in Richtung des Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße (Illu.).
Copyright: Marc Schartmann u. L. Calcada/ European Southern Observatory und Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik

Während Astronomen damals erwartet hatten, dass das Gas aus G2 in die Akkretionsscheibe um das Schwarze Loch gezogen und dabei hell aufleuchten würde, konnte dieses Aufleuchten nicht wie vorherberechnet beobachtet werden. Tatsächlich könnte es sich beim Aufleuchten von Sgr. A* Mitte Mai nun um eben dieses verspätete Aufleuchten handeln.

Zuletzt könnte es sich aber auch um eine ganz natürliche Variabilität in der normalen Aktivität, also des Materieflusses in das Schwarze Loch handeln, dessen Zusammensetzung selbst von Astrophysikern immer wieder als möglicherweise auch klumpig beschrieben wurde.

Weitere Beobachtungen werden also nötig sein, um das Rätsel um das plötzliche Aufflackern unseres Schwarzen Lochs erklären zu können…

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