Sah der Megalodon anders aus?

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Symbolbild: Megalodon Copyright: SarahRichterArt (via Pixabay.com) / Pixabay License

Symbolbild: Megalodon
Copyright: SarahRichterArt (via Pixabay.com) / Pixabay License

Riverside (USA) – Unsere Vorstellung davon, wie ausgestorbene Tiere eins aussahen, basiert meist ausschließlich auf Fossilienfunden und deren Rekonstruktionen. Dennoch prägen diese – oft unvollständigen – Vorstellungen unser Bild von besagten Arten. Das trifft auch auf unsere Vorstellungen vom urzeitlichen Riesenhai Megalodon zu. Eine neue Studie zeigt nun aber, dass diese Vorstellung nicht auf wissenschaftlichen Grundlagen beruht.

Wie Phillipe Sternes von der University of California – Riverside, Jake J. Wood und Kenshu Shimanda von der DePaul University aktuell im Fachjournal „Historical Biology“ (DOI: 10.1080/08912963.2021.2025228) berichten, liegen für eine genaue Rekonstruktion des Aussehens des Megalodon (Otodus megaldon) ausschließlich fossile Zahn- und Wirbelfunde vor – viel zu wenig um jenes Bild zu stützen, was wir vom „Meg“ allgemein haben, wenn wir uns einfach nur einen überdimensionierten Weißen Hai vorstellen.

Hintergrund
Während die größten heute lebenden Haie in Form des berühmten Weißen Hai eine Länge von etwas mehr als 6 Metern und eine Beißkraft von zweit Tonnen erreichen können, kann die tatsächliche Größe Megalodon (Otodus megalodon) nur noch geschätzt werden. Der Grund hierfür liegt in dem Umstand, dass bislang nur versteinerte Zähne und wenige Wirbel des Megalodon gefunden wurden, da Haie zu den Knorpelfischen gehören und Knorpel sich nur schlecht erhält. Doch allein diese Funde belegen, dass der Megalodon selbst seine heute noch lebenden größten Verwandten an Größe, Körpermasse und damit einhergehender Beißkraft um ein Vielfaches übertraf. Bisherige Rekonstruktionen des Megalodon auf der Grundlage der Zahnfunde (s. Abb.; Copyright: janeb13/pixabay.com) deuten daraufhin, dass der Urzeithai die Körperlänge eines heutigen Weißen Hais um mehr als das Doppelte übertraf – man schätzt seine Körperlänge auf 16-20 Meter – und eine Bisskraft von über 10 Tonnen besaß. Zwar gibt es immer wieder Berichte über Sichtungen ungewöhnlich größer Haie, sowie bizarre Vorfälle, die selbst einige Forscher skeptisch machen, doch gilt der Megalodon allgemein als spätestens seit drei Millionen Jahren ausgestorben.

 

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Der heute aller Wahrscheinlichkeit nach ausgestorbene Megalodon lebte vor 15 bis 3,6 Millionen Jahren und erreiche eine Länge von 16 bis 20 Metern. Außer Funden fossilierter Zähne und Wirbel liegen von dem Riesenhai bislang kaum fossile Funde vor – geschweige denn ein auch nur ansatzweise vollständiges Skelett. Grund hierfür ist der Umstand, dass es sich bei Haien um Knorpelfische handelt, deren Skelette sich nur schwer und selten erhalten.

Vor diesem Hintergrund gebe es bis heute „keine wissenschaftliche Grundlade, auf der frühere Studien zur Körperform des Megalodon gestützt oder widerlegt werden könnten“, so die Autoren der aktuellen Studie.

Typische Rekonstruktion eines 16 Meter großen Megalodon im Museo de la Evolución, in Puebla, México, auf der Grundlage von Zahn- und Wirbelfunden. Copyright: Sergiodlarosa

Typische Rekonstruktion eines 16 Meter großen Megalodon im Museo de la Evolución, in Puebla, México, auf der Grundlage von Zahn- und Wirbelfunden.
Copyright: Sergiodlarosa

Bislang basierten die Rekonstruktionen des Megalodon meist auf dem Aussehen heute lebender großer Weißer Haie. Diese sind teilweise warmblütig und gehören zu den Makrelenhaiartigen sog. Lamniformen, zu denen auch der Megalodon zählte, von dem Wissenschaftler ebenfalls ausgehen, dass er teilweise warmblütg war. Während Forschende früher davon ausgingen, dass diese Warmblütigkeit der Ausdehnung des Bewegungsradius diente, geht die Wissenschaft heute davon aus, dass sie die Schwimmgeschwindigkeit der Tiere erhöhte.

„Große Weiße Haie gehören zu den schnellsten Haien überhaupt“, stellt Sternes fest und führt dazu weiter aus: „Megalodons waren vermutlich ebenfalls große und sehr schnelle Haie, denen man im offenen Meer lieber nicht begegnet wäre.“

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Obwohl es insgesamt acht Familien und 15 Arten lamniformer Haie gibt, nutzten frühere Studien hauptsächlich die fünf bekannten teils warmblütigen Formen dieser Arten und schlussfolgerten so auf durchschnittliche Flossen- und Körperform als grundlegendes Modell für das Aussehen des Megalodon.

Um nun aber zu überprüfen, ob sich diese warmblütigen Arten in irgendeiner speziellen Form vom Rest der Gattung unterscheiden, zu denen schließlich auch kaltblütige Haie gehören, nutzten die Wissenschaftler detaillierte Abbildungen aus wissenschaftlichen Bestimmungsbüchern für quantitative Vergleiche der Flossen-, Kopf- und Körperformen.

Hierbei fanden die Forscher kein allgemeingültiges Muster, dass es erlauben würde, bestimmte Körperformenunterschiede abzuleiten.

„Warmblütigkeit bedeutet keine Unterschiede in der Körperform von Haien“, attestiert Sternes. „Wir ermutigen deshalb auch alle anderen Haiforscher, die bisherigen Ideen über die Körperform des Megalodon zu überprüfen und weiterhin nach dem ultimativen Schatz, einem möglichst vollständig erhaltenen Megalodon-Fossil zu suchen.“

„Unsere Studie kann dem einen oder anderen vielleicht als eine Art wissenschaftlicher Rückschritt erscheinen“, kommentiert Sjimada abschließend. „Tatsächlich sind es aber Rätsel genau dieser Art, wie sie die Paläonthologie – also die Studie prähistorischen Lebens – zu einem so faszinierenden und spannenden Forschungsfeld macht.“




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Recherchequelle: University of Califonia – Riverside

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