Saisonale Rinnen doch kein Beweis für fließendes Wasser auf dem Mars?


Unzählige dunkle Rinnen, sog. “Recurrent Slope Lines” (RSL) kennzeichnen u.a. diesen Hang eines Marskraters.

Copyright: NASA/JPL-Caltech/UA/USGS

Flagstaff (USA) – Sie galten als eindeutiger Beweis dafür, dass auch heute noch Wasser auf dem Mars fließen kann und tatsächlich auch fließt: Saisonal wiederkehrende und sich verlängernde und sich dunkel vom sonstigen Untergrund abzeichnende fingerartige Strukturen an steilen Hängen von Marskratern – sogenannte “Recurring Slope Lineae” (SL). Jetzt präsentieren NASA-Wissenschaftler Belege dafür, dass die Rinnen durchaus auch von fließendem Sand verursacht werden könnten. Doch ganz ohne Wasser kommt auch die neue Theorie zur Entstehung der Strukturen nicht aus.

Wie das Team um Colin Dundas vom Astrogeology Science Center der U.S. Geological Survey (USGS) aktuell im Fachjournal “Nature Geoscience” (DOI: fff) berichtet, können die “dunklen Finger” auch durch den Abfluss und das Abrutschen körnigen Materials – also Sand und Staub – erzeugt werden und das auch ohne, dass der Boden durch aussickerndes Wasser dunkel verfärbt wird.

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Mit Hilfe der neusten Aufnahmen der Kameras der NASA-Marssonde “Mars Recconnaissance Orbiter” (MRO) haben die Forscher die Entstehung und Verteilung der RSL erneut untersucht und dabei festgestellt, dass diese ausschließlich an Hängen auftreten, die auch steil genug sind, um entsprechende Materialrutschungen zu ermöglichen. An 10 Orten haben die Forscher 150 RSL untersucht und dabei bemerkt, dass diese immer nur an Hängen auftreten, die steiler sind als 27 Grad. “Zudem enden alle diese Fließstrukturen auf Böschungen die Winkel aufweisen, wie sie dem dynamischen Verhalten von abrutschenden trockenen Sand auf Dünen, sowohl auf der Erde als auch auf dem Mars entsprechen. Eine Struktur die von vergleichsweise größren Wassermengen verursacht wurde, sollte sich hingegen über diese hinaus ausbreiten. Diese Übereinstimmung mit den Merkmalen von abrutschendem trockenen Sand können einfach kein Zufall sein”, erläutert der Mitautor der Studie, Alfred McEwen von der University of Arizona.

Wie die zahlreichen RSL jedoch genau entstehen und sich ausweiten bleibt weiterhin rätselhaft. Tatsächlich wollen aber auch die Autoren der aktuellen Studie nicht ausschließen, dass kleinste Mengen an Wasser die Entstehung der RSL auslösen. Auf diese Weise könnten so auch die Ablagerungen einst gelöster und wässriger Salze erklärt werden, die zuvor noch als eindeutiger Beweis für hier abfließendes Wasser präsentiert wurden (…GreWi berichtete). Um jedoch Mikroben am Leben zu erhalten, seien diese Wassermengen zu gering.

In ihrer aktuellen Studie vermuten die Autoren, dass Salze im Boden durch Wasserdampf aus der Marsatmosphäre angereichert werden könnten und auf diese Weise hier und da flüssige Tropfen aus Salzwasser entstehen, die dann jahreszeitlich bedingt das Abrutschen des Sandes auslösen könnten. Auch das Abdunkeln und Verschwinden der fingerförmigen Strukturen könnte mit der minimalen Flüssigkeitszufuhr durch den beschriebenen Prozess erklärt werden. “Sollte aber atmosphärisches Wasser der Auslöser für die Entstehung der RSL sein, dann würde sich die Frage stellen, warum die Strukturen nur an einigen und nicht allen entsprechend steilen Hängen auftreten. Die Entstehung der RSL scheint also mit speziellen Umgebungen auf dem Mars einherzugehen.”

Ein umfangreiches Verständnis dieser Strukturen bedarf wahrscheinlich einer eingehenden Untersuchung der RSL vor Ort. “Während also die neue Studie zu der Einschätzung kommt, dass es auf dem Mars vielleicht doch nicht genügend Wasser gibt, um auf diese Weise Mikroben am Leben erhalten zu können, stellen uns die Strukturen immer noch vor viele Rätsel – etwa darüber, durch welchen Prozess sie wieder verschwinden”, kommentiert der MRO-Projektwissenschaftler Rich Zurek vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) die neuen Schlussfolgrungen abschließend. “Eine Untersuchung dieser Srukturen vor Ort und zu unterschiedlich Tag- und Nachtzeiten könnten hier wichtige Informationen liefern.”

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