Schottisches “Hexenbuch” jetzt online einsehbar

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Einblicke in “Names of Witches (in Scotland)” von 1658.

Copyright: Welcome Library

London (Großbritannien) – Vor 350 Jahren trugen Amtsträger in Schottland die Namen aller damals als Hexen und Hexer bezichtigen Personen in einem Buch zusammen. Die Ausgabe des Buches mit dem Titel “The Names of Witches (in Scotland)” aus dem Jahr 1658 wurde nun digitalisiert und ist von nun ab auch online einsehbar.

Wie die BBC berichtet, trägt das Buch Namen und Kurzinformationen über Beruf und Konfession all derer zusammen, die damals – zur Hochzeit des Hexenwahns auf den britischen Inseln – als Hexen, Hexer und Zauberer in Schottland angeklagt und größtenteils auch verurteilt worden waren.

Forscher gehen davon aus, das ein Großteil der so angeklagten eigentlich Heiler waren, die noch immer traditionelle Medizin anwandten, um damit vornehmlich gesundheitliche Leiden in armen Gemeinden zu behandeln – jedoch schnell auch als Hexe und Hexer verschrien wurden, wenn die Behandlung nicht den gewünschten Heilerfolg erbrachte, berichtet die BBC.

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Mit dem “Scottisch Witchcraft Act” von 1563 wurde die sogenannte Hexerei und auch das Ratsuchen bei Hexen als Kapitalverbrechen unter Strafe gestellt. Historiker schätzen, dass auf diese Weise im 16. und 17. Jahrhundert zwischen 3.000 und 5.000 Menschen in Schottland öffentlich der Hexerei bezichtigt wurden. Damit liege die Zahl deutlich höher als im sonstigen britischen Königreich.

Hintergrund
Hexenverfolgung in Schottland
Bis 1563 wurden Beschuldigungen wegen Hexerei und ähnlicher okkulter Vergehen von der Kirche angehört und behandelt. Es sei denn, die Vergehen waren schwerwiegend genug, sie den säkularen Behörden zu übergeben. Aber 1563 verabschiedete die Regierung Maria Stuarts ein Gesetz gegen Hexerei. Dies wurde unter politisch hochexplosiven Umständen getan, mit einer katholischen Königin, einer calvinistischen Kirche und einem gespaltenen Parlament, die um die Kontrolle der innerlichen und äußerlichen Leben der Menschen kämpften. Das Gesetz schrieb die Todesstrafe vor für jeden jeglichen sozialen Rangs, der entweder jegliche Art Magie oder Wahrsagung praktizierte bzw. behauptete, dazu in der Lage zu sein, oder der irgendeine Person konsultierte, die Magie praktizierte oder behauptete, dazu in der Lage zu sein. Diese drakonischen Maßnahmen blieben bis 1736 in Kraft, als ein anderes Parlament das Gesetz aufhob.
Quelle: historicum.net

Das schottische Hexenbuch, das in der Welcome Library aufbewahrt wird, wurde von dieser in Zusammenarbeit mit dem Genealogie-Anbieter Ancestry digitalisiert und veröffentlicht.

Zum Thema

Für den leitenden Archivar der Wellcome Library, Dr. Christopher Hilton erlaubt das Buch einen “Einblick in eine Welt, die zu oft undokumentiert verloren ging: Es zeigt, wie normale Menschen jenseits von Wissenschaft und Medizin versucht haben, Ordnung in ihr Leben zu bringen und die Welt um sich herum zu kontrollieren. (…) Was in den einzelnen Fällen diesen Personen genau vorgeworfen wurde, werden wir aber dennoch wohl nie erfahren.”

– Das “Names of the Witches (in Scotland)” können Sie HIER einsehen

– Eine gute kurze Zusammenfassung der Hexenverfolgung in Europa findet sich HIER

GreWi-Kommentar
Ein Blick (nicht nur) in das schottische Hexenbuch offenbart einen beklemmenden Eindruck in das ebenso tragische wie unvorstellbare Schicksal derer, die als Hexen und Zauberer verschrien, angeklagt und verurteilt wurden. Wie andere Hexenbücher auch – etwa das “Daemonolatria” des herzoglich-lothringischen Oberrichters und Hexenverfolgers Nicolas Rémy von 1595 – sollte es uns daran erinnern, auf welchen unmenschlichen historischen Vorstellungen das heute gerne romantisierte Bild der mittel- und spätmittelalterlichen und früh-neuzeitlichen Hexen beruht, wenn wir ihr Andenken sogar zu den einst von diesen Menschen gefeierten Jahresfesten (u.a.Walpurgisnacht) und an ihren alten Orten, verharmlosen und teils sogar verspotten.

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