Seit Jahrzehnten unerkannt vor aller Augen: Gewaltiger Vulkan auf dem Mars entdeckt

Seit Jahrzehnten vor aller Augen – jetzt erst als Vulkan erkannt: Der Mars-Vulkan „Noctis“ (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.) Copyright: Background image: NASA/USGS Mars globe. Geologic interpretation and annotations by Pascal Lee and Sourabh Shubham 2024
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Seit Jahrzehnten vor aller Augen – jetzt erst als Vulkan erkannt: Der Mars-Vulkan „Noctis“ (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.)Copyright: Background image: NASA/USGS Mars globe. Geologic interpretation and annotations by Pascal Lee and Sourabh Shubham 2024

Seit Jahrzehnten vor aller Augen – jetzt erst als Vulkan erkannt: Der Mars-Vulkan „Noctis“ (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.)
Copyright: Background image: NASA/USGS Mars globe. Geologic interpretation and annotations by Pascal Lee and Sourabh Shubham 2024

Mountain View (USA) – Zumindest die größten und großen Strukturen auf der Marsoberfläche sollten aufgrund der umfangreichen Erforschung des Roten Planeten eigentlich hinlänglich bekannt sein – möchte man meinen. Jetzt aber berichten US-Planetenwissenschaftler davon, einen gewaltigen Vulkan auf dem Roten Planeten entdeckt zu haben. Und nicht nur das: Der Vulkan könnte sogar noch bis in jüngere Vergangenheit aktiv gewesen sein und heute noch Reste von Gletschereis zu seinen Füßen beherbergen. Vor diesem Hintergrund könnte der „Noctis-Vulkan“ auch ein interessantes Ziel für zukünftige Missionen bei der Suche nach Leben auf dem Mars werden.

Wie das Team um Dr. Pascal Lee vom SETI Institute aktuell auf der 55th Lunar and Planetary Science Conference in The Woodlands in Texas berichtet, befindet sich der gewaltige Vulkan unmittelbar bei den Koordinaten 7° 35′ S, 93° 55′ W, südlich des Äquators im sogenannten östlichen Noctis Labyrinthus, westlich des gewaltigen Canyonsystems Valles Marineris. Der Vulkan sitzt dabei auf dem östlichen Rand der breiten regionalen topografischen Erhöhung, die als Tharsis bekannt ist und die drei bereits bekannten großen Marsvulkane Ascraeus Mons, Pavonis Mons, and Arsia Mons beherbergt.

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Wie Lee, Kolleginnen und Kollegen weiter berichten, deuten einige Hinweise daraufhin, dass sich zu Füßen des Vulkankegels heute noch Gletscher unter den geologisch vergleichsweise jungen jüngsten Vulkanablagerungen der Oberfläche befinden.

Direktansicht des „Noctis-Vulkans“ (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.)Copyright: Background images: NASA Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) Context Camera (CTX) mosaic and Mars Global Surveyor (MGS) Mars Orbiter Laser Altimeter (MOLA) digital elevation model. Geologic interpretation & annotations by Pascal Lee & Sourabh Shubham 2024

Direktansicht des „Noctis-Vulkans“ (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.)
Copyright: Background images: NASA Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) Context Camera (CTX) mosaic and Mars Global Surveyor (MGS) Mars Orbiter Laser Altimeter (MOLA) digital elevation model. Geologic interpretation & annotations by Pascal Lee & Sourabh Shubham 2024

Mit „nur“ 9022 Metern ist der bereits stark erodierte Vulkankegel zwar nicht mehr so hoch wie seine drei Begleiter, übertrifft diese aber dennoch deutlich in seiner Ausdehnung von rund 450 Kilometern Durchmesser. Die enorme Ausdehnung der geologischen Struktur spricht dafür, dass der Vulkan noch bis in geologisch vergleichsweise jüngere Zeiten aktiv war. Das wiederum könnte bedeuten, dass der Vulkan selbst die Region über sehr lange Zeitperioden warm genug gehalten haben könnte, um Wasser flüssig zu halten, das so später die heute noch als Reste vorhandenen Gletscher speiste. Auf diese Weise könnte die Region auch für die Suche nach Leben interessant sein, da dieses bzw. dessen Spuren ebenfalls durch vulkanische Aktivität begraben und damit vielleicht bis heute erhalten werden konnte.

Geologische Erläuterungen zum Noxtis-Vulkan. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.)Copyright: Links: Mars Express HRSC color mosaic ESA/DLR/FU Berlin CC BY-SA 3.0 IGO; Rechts: Background image: NASA MGS MOLA digital elevation model. Geologic interpretation and annotations by Pascal Lee and Sourabh Shubham 2024

Geologische Erläuterungen zum Noxtis-Vulkan. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.)
Copyright: Links: Mars Express HRSC color mosaic ESA/DLR/FU Berlin CC BY-SA 3.0 IGO; Rechts: Background image: NASA MGS MOLA digital elevation model. Geologic interpretation and annotations by Pascal Lee and Sourabh Shubham 2024

Entdeckt wurde der Vulkan auf Aufnahmen des Mars, die seit der NASA-Mission „Mariner 9“ 1971 den Mars umkreisten. Aufgrund der stark fortgeschrittenen Erosion war der Vulkan als solcher den Planetenwissenschaftlern bislang entgangen.

Zusätzlich zum Vulkan selbst hat das Team eine 5000 Quadratkilometer großes Gebiet von vulkanischen Ablagerungen identifiziert, innerhalb dessen immer wieder abgerundete und längliche Hügel hervorstechen. Diese identifizieren die Mars-Geologen als die Überreste einstiger vulkanische Auswerfungen und Ausgasungen.

„Wir sehen hier wirklich eine sehr interessante Kombination von Dingen, die den Noctis-Vulkanort außergewöhnlich aufregend macht: Es ist ein alter und langlebiger Vulkan, der so tief erodiert ist, dass man durch ihn hindurchwandern, fahren oder fliegen könnte, um verschiedene Teile seines Inneren zu untersuchen, zu beproben und zu datieren, um so die Entwicklung des Mars im Laufe der Zeit zu studieren. Er blickt auch auf eine lange Geschichte von Hitze, die auf Wasser und Eis trifft, was ihn zu einem Hauptstandort für Astrobiologie und unsere Suche nach Lebenszeichen macht. Schließlich, mit wahrscheinlich immer noch erhaltenem Gletschereis in der Nähe der Oberfläche in einer relativ warmen äquatorialen Region auf dem Mars, erscheint der Ort sehr attraktiv für die robotische und menschliche Exploration“, erläutert Lee abschließend.




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Recherchequelle: SETI Institute, NASA

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