Seminar: Soziologen der Uni Bonn diskutieren Fragen zum Erstkontakt mit Außerirdischen

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Symbolbild: Erstkontakt. Szenenbild aus Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (1977). Copyright: Park Circus / Sony

Symbolbild: Erstkontakt. Szenenbild aus Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (1977).
Copyright: Park Circus / Sony

Bonn (Deutschland) – Im Rahmen eines Seminares erörtern Soziologiestudenten an der Universität Bonn derzeit Fragen rund um einen hypothetischen Erstkontakt mit außerirdischen Intelligenzen aus der Perspektive der Gesellschaftswissenschaften.

Die Frage, warum man angesichts aktueller weltpolitischer und gesundheitlicher Krisen Zeit, Energie und andere Ressourcen darauf verwenden sollte, sich im Rahmen einer „Exosoziologie“ mit Fragen des Erstkontaktes der Menschheit mit extraterrestrischer Intelligenz zu beschäftigen beantwortet der Dozent des Seminars mit dem Titel „Alien Attack?! – Die Gesellschaft der Außerirdischen“, Dr. Fabian Fries vom Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn mit drei Gründen:

„Erstens lassen es Forschungen im Bereich der Astrophysik und Astrobiologie (so bspw. zur Häufigkeit extrasolarer Planeten, der Widerstandsfähigkeit irdischer Organismen unter Extrembedingungen, Verbreitung von ‚Lebensbausteinen’ im All etc.) als wahrscheinlich erscheinen, dass die Menschheit irgendwann in Kontakt mit außerirdischen Zivilisationen treten wird. Eine Exosoziologie kann in diesem Zusammenhang mögliche Kontaktszenarien entwickeln sowie deren potenzielle Folgen reflektieren. Am Beispiel des ‚Alien’ als dem „maximal Fremden” (Michael Schetsche) thematisiert die Exosoziologie zweitens Probleme bei der Kommunikation über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg. Als eine Form Fremdheitsforschung stehen hier ferner grundlegende Fragen im Zentrum, so z.B. jene danach, wie fremd ein Wesen sein darf, damit es als gleichberechtigt bzw. als ‚Person’ betrachtet wird. Drittens macht die Exosoziologie in Form eines (wissenssoziologischen) Experimentierraums realitätsbezogene Fiktionen denkbar: Als eine ‚Soziologie von den Rändern’ wirft eine Beschäftigung mit dem Mensch-Alien-Problem daher immer auch die Frage auf, was in einer gegebenen Gesellschaft als real gilt und was nicht.“

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Auf diese Weise erfülle das Seminar, an dem derzeit rund 15 Studierende teilnehmen, also eine Doppelfunktion: „Einerseits ist es Einführung in dieses noch recht junge Teilgebiet der Soziologie. Andererseits vermittelt es praktisches Handlungswissen für den Fall des ‚Erstkontaktes’.“

Zugleich stellt Fries auf Anfrage von Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi) aber auch klar, dass dies nun nicht bedeutet, dass – wie bereits einschlägig behauptet – die Universität Bonn Kontakte zu Außerirdischen oder gar das sogenannte Entführungsphänomen (durch Aliens) erforsche und erläutert vielmehr: “Uns interessiert im Kern die Beschaffenheit der gesellschaftlichen Wissensordnung: Was gilt wem aus welchen Gründen als ‘wahr’ oder ‘legitim’, was als periphere ‘Spinnerei’ – und wer definiert das eigentlich?” Das Feld der Extraterrestrik, das die Studierenden explorativ erschließen, sei ein Paradebeispiel, um diese Zusammenhänge nachvollziehen zu können, so Fries weiter.

Grundlage des Seminars sei das Buch „Die Gesellschaft der Außerirdischen – Einführung in die Exosoziologie“, mit dem die Soziologen Dr. Michael Schetsche und Dr. Andreas Anton, beide am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg tätig, im Frühjahr 2018 die erste systematische Einführung in das neue Fachgebiet legten, das derzeit an der Schnittstelle zwischen Zukunftsforschung, Soziologie der Fremdheit und Interspezies-Kommunikation entsteht (…GreWi berichtete).

Zum Thema

Neben dem Seminarschwerpunkt werfen die Forscher aber auch gezielte Blicke auf einige Spezialaspekte und Randgebiete der Exosziologie, so etwa auf die Astrobiologie, die Umsetzung des Themas in der Populärkultur (Science Fiction) aber auch des Phänomens der „Entführungen durch Außerirdische“ bzw. der sogenannten Kontaktler und der dazugehörenden Szene.

– Die Webseite zum Seminar finden Sie HIER

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Bundeszentrale für politische Bildung informiert über „Exosoziologie und Szenarien für den Erstkontakt mit außerirdischer Intelligenz 13. Juli 2019
Buchneuerscheinung: „Die Gesellschaft der Außerirdischen – Einführung in die Exosoziologie“ 18. Februar 2019
GreWi-Interview zu „Kommunikation mit außerirdischer Intelligenz“ 8. Februar 2019
Forschungsprojekt zu asymmetrischen Kulturkontakten in Freiburg 30. August 2018
First Contact: Eine Lehrstunde über den Erstkontakt der anderen Art 18. November 2014
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“Royal Society”-Publikation fordert UNO-Kommission für den Kontakt mit Außerirdischen 10. Januar 2011

Quelle: Universität Bonn

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