Senatoren-Briefing zu den UFO-Abschüssen erbringt kaum Antworten

Senator Marco Rubio nach dem UFO-Abschuss-Briefing vor Journalisten und Journalistinnen. Copyright/Quelle: C-SPAN
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Senator Marco Rubio nach dem UFO-Abschuss-Briefing vor Journalisten und Journalistinnen.Copyright/Quelle: C-SPAN

Senator Marco Rubio nach dem UFO-Abschuss-Briefing vor Journalisten und Journalistinnen.
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Washington (USA) – Am gestrigen Nachmittag wurden sämtliche US-Senatoren und Senatorinnen, sowie zuständige Ausschussmitglieder über die jüngsten Abschüsse unidentifizierter Flugobjekte über Nordamerika in einem geheimen Briefing informiert. Danach standen einige den Journalisten Rede und Antwort. Das Ergebnis der Information scheint ernüchternd: Die abgeschossenen Objekte konnten immer noch nicht identifiziert werden. Zahlreiche US-Politiker fordern mehr Transparenz und eine Ansprache des US-Präsidenten.

Obwohl das Briefing hochrangig besetzt war, wisse man nach der Veranstaltung kaum mehr als zuvor, so der Tenor der befragten Senatoren und Senatorinnen. Dabei ware das Briefing hochrangig besetzt: US-Vize-Verteidigungsministerin Melissa Dalton, Operationsdirektor des US-Generalstabs Generalleutnant Douglas Sims II, der Commander des Nordamerikanischen Verteidigungskommandos (NORAD) und des U.S. Northern Command Gen. Glen D. VanHerch, der stellvertretende Direktor der US-Geheimdienste (DNI) Morgan Muir und nicht zuletzt der Leiter der UFO-Untersuchungsbehörde des Pentagon („All-domain Anomaly Resolution Office“, AARO) Sean Kirkpatrick (…GreWi berichtete).

Als einer der ersten hatte sich der Senator von Utah, Mike Lee zu dem Ergebnis der Unterrichtung geäußert und erklärt: „Nach dem heutigen geheimen Briefing haben wir im Wesentlichen immer noch keine Ahnung, was diese Objekte sind, wie viele andere es geben könnte oder ob sie die Art von Bedrohung darstellen, die das Abfangen mit Kampfflugzeugen und das den Abschuss mit Raketen rechtfertigte.“

Die Enttäuschung über das Ergebnis des Briefing scheint parteiübegreifend – ebenso wie die Forderung nach mehr Informationstransparenz gegenüber der Öffentlichkeit und eine Ansprache des US-Präsidenten:

Auch andere Senatoren zeigen sich entäuscht und fordern nicht nur mehr Informationen sondern auch eine öffentliche Ansprache des US-Präsidenten zu den Abschüssen unidentifizierter Flugobjekte.

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Das bislang ausführlichste Interview zu den Briefings gab dann Senator Marco Rubio (Florida). Übereinstimmend mit seinen Kollegen und Kolleginnen verwies er darauf, dass Sichtungen unidentifizierter Flugobjekte und Phänomene nicht neu seien. Neu sei allerdings, dass man diese als derart ernsthaftes Risiko einschätze, dass man innerhalb weniger Tage drei dieser Objekte abgeschossen habe:

„Die Regierung hat sicherlich Informationen, die uns bislang nicht zugänglich sind. 95 bis 99 Prozent der Informationen, die wir eben in diesem Raum gehört und besprochen haben, könnten veröffentlicht werden, ohne dass dadurch die Sicherheit unseres Landes zu gefährden.

Ich will nochmals unterstreichen: Wir wissen, was der Spionageballon von China war. Lassen wir diesen Vorfall also mal beiseite. Die anderen drei Ereignisse sind keine neuen Ereignisse. Wir haben die gleichen Beschreibungen in hunderten Fällen gehört. Alleine in diesem Jahr bereits dutzendfach. Die Beobachtung unidentifizierter Objekte über unserem Luftraum, und speziell über unseren sensiblen Lufträumen ist nichts Neues. Das klingt alles genau so, wie jene Schilderungen, die wir bereits kennen. Deshalb wurde ja auch eine Behörde gegründet, um all das aus wissenschaftlicher Sicht zu untersuchen.

Meine Sorge ist nun, dass das Verteidigungsministerium seine Informationen nicht mit diesen Wissenschaftlern teilt, damit man die Daten zu diesen Vorfällen mit denen vergleichen kann, die wir bereits haben und von denen einige gut erklärt werden konnten.

Ich denke, da gibt es immer noch ein Stigma, das mit diesen Dingen wegen der Vorstellungen von Weltraum-Aliens einhergeht. Abe darum geht es doch nicht. Hier geht es doch grundsätzlich um die Frage, ob ein Gegner von uns in der Lage war, Dinge zu entwickeln und zu nutzen, von denen man wusste, dass wir nicht danach suchen, weil unsere Systeme nur darauf ausgelegt waren, Raketen und Flugzeuge zu orten, und nicht um kleiner Objekte auf niedrigeren Höhen zu finden. (…)

Was neu ist, dass wir diese Dinge jetzt abschießen. Und das ist außergewöhnlich. Seit 65 Jahren haben wir überhaupt nichts über unserem eigenen Luftraum abgeschossen. Und jetzt hat man gleich drei (Objekte) alleine an einem Wochenende abgeschossen. Die größere Sorge dreht sich nun doch um die Frage, was waren das für Dinger und was haben sie hier gemacht? Aber wir kennen doch bereits hunderte solcher, ähnlicher Fälle. Der Bericht der US-Geheimdienste führt mehr als 500 solcher auf. Die Frage ist nun, warum gibt es jetzt nochmals eine neue Task Force. Warum nehmen wir nicht diese Daten und machen sie unmittelbar jenen Wissenschaftler zugänglich, damit diese mit den bisherigen Informationen und Daten abgeglichen werden können. Das wäre der einzige Weg, wie wir wirkliche Antworten auf Fragen bekommen könnten, was wir da sehen, wohin die Dinge gehören und was sie hier wollen.

Ich vermute, einige dieser Vorfälle werden sehr einfach erklärt werden können, andere werden sehr viel komplexer sein und ich denke einige dieser Objekte werden sich lediglich als Flugzeuge von Firmen und Zivilpersonen herausstellen – und in anderen Fällen wird das vielleicht nicht so sein. Vielleicht gibt es Nationen, die so etwas entwickelt haben und unseren Luftraum und Abwehrkapazitäten austesten. Aber da spekuliere ich nur. Deshalb wollen wir ja auch, dass diese Angelegenheit wissenschaftlich und datenbasiert angegangen wird und das beginnt mit jenem Prozess, den der Kongress dafür ja auch begonnen hat. Bislang, so scheint es, wird dieses Mittel aber nicht genutzt. (…) Es gibt zwar keine Anzeichen dafür, dass diese Objekte Waffen gegen uns einsetzt wollen, aber diese Dinge können andere Flugzeuge gefährden – schon größere Vögel können ein Flugzeug zu Absturz bringen. Diese Objekte werden als von der Größe von Autos beschrieben. Und wenn ein Flugzeug deshalb abstürzt, gefährdet es nicht nur die Leben der Insassen, sondern auch Menschenleben am Boden.

Wenn diese Dinge aber keine Gefahr darstellen, warum schießen wir sie dann ab? Sie wurden abgeschossen, weil man darin eine Gefahr für die zivile Luftfahrt sah. Es gibt schließlich einen Grund, warum wir einschränken, wer wann wo fliegen kann, damit Dinge nicht zusammenstoßen. Wenn es da aber Dinge in unserem Luftraum gibt, die nicht mit uns koordiniert werden, so erfüllt das die Definition einer Gefahr. (…) Bislang wurde (diese Dinge) aber noch nie abgeschossen. Das ist also auch für mich neu. (…) Es ist nicht das erste Mal, dass wir unidentifizierte Objekte über dem US-Luftraum sehen. Es ist aber das erste Mal, dass wir sie abschießen. (…)

Und ich bin nicht dagegen, dass diese Dinger abgeschossen werden. Aber die wichtigsten Fragen, die wir beantworten sollten, sind doch die: Was sind das für Dinger? Wer hat se geschickt? Was machen sie hier? Und diese Fragen werden nicht nur durch die Bergung von Trümmern beantwortet, sondern auch durch einen Vergleich mit den Hunderten früherer ähnlicher Vorfälle.

Was mir Sorge macht ist, dass derzeit jeder so tut, als würden wir diese Dinge zum ersten Mal sehen. Das stimmt nicht. Es gibt Hunderte und Hunderte derartiger Fälle, die auch von Militärpersonal gesichtet werden und die darüber bereits seit Jahren sprechen.

Und jetzt gibt es dafür einen Prozess, um diese Beobachtungen zu analysieren. Die neuen Daten sollten nun auch Teil dieses eingeleiteten Prozesses werden und das umgehend und nicht erst in einigen Monaten. Vielleicht bekommen wir dann einige Antworten, die wir anders vielleicht nicht bekommen würden. (…)

Mir ist nicht bekannt, wie eine solche Situation beim nächsten Mal gehandhabt werden wird. (…) ich wüsste nicht, was wir machen sollten, wenn diese Dinger außerirdischer Herkunft wären, aber manchmal würde ich es mir wünschen, denn wenn das die Chinesen oder die Russen sind, dann haben sie etwas entwickelt, was wir nicht überwachen und kontrollieren können. Das wäre dann schon ein ziemlich großes Problem. (…)

Ich denke, wir sollten die Öffentlichkeit unmittelbar informieren. Zunächst müssen wir mal wissen, worüber wir hier reden. Wenn man aber schon Dinge abschießt, zum ersten Mal seit 65 Jahren, zum ersten Mal seit dem Bestehen der nordamerikanischen Luftverteidigung (NORAD), dann ist man der amerikanischen Öffentlichkeit schon mehr schuldig als nur irgendwelche schnellen Pressekonferenzen während der Superbowl-Halbzeit. (…)

Ich denke aber, dass sich niemand Sorge über eine Bedrohung von Dingen am Himmel machen muss. Man sollte aber fordern, dass die Regierung jenen Prozess weiter verfolgt, der uns erlaubt, diese Dinge zu untersuchen, um zu verstehen, mit was wir es hier zu tun haben.

Was wir derzeit machen, widerstrebt dem aber: Wir haben jetzt eine neuen Einheit unter der Führung des Nationalen Sicherheitsrats eingerichtet, obwohl wir bereits einen existierenden Untersuchungsprozess und eine entsprechende Behörde dafür haben, die mit Wissenschaftlern und Experten besetzt ist, die bereits Daten zu hunderten früherer Fälle gesammelt haben. Wir sollten die Daten der aktuellen Vorfälle nutzen und diese mit den Daten früherer Ereignisse zu vergleichen, um uns so den Antworten zu nähern. (…)

Diese drei Vorfälle waren aber keine chinesischen Spionageballons. (…) Ich bin mir aber nicht sicher, dass wir nicht schon mehr Antworten haben, als jene, die wir bislang kennen. Ich denke, man sollte jene Daten, die aktuell von den Sensoren der Jets zu den abgeschossenen Objekten ermittelt wurden, an die dafür zuständige Behörde AARO geben, damit sich deren Wissenschaftler und Experten diese Daten anschauen und sie mit den hunderten früherer Vorfälle vergleichen können, damit wir ein klares Bild davon bekommen, mit was wir es hier zu tun haben. Nur so können wir wirkliche Antworten bekommen.“

Ob sich, wie von zahlreichen US-Politikern mittlerweile gefordert, Präsident Joe Biden in der Sache öffentlich erkläre wird, ist bislang (Redaktionsschluss dieser Meldung) noch nicht bekannt.

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