Sensationsfunde in Südafrika: Schon Frühmensch Homi naledi begrub seine Toten und verzierte Wände der Grabhöhle mit Symbolen

Anatomische Gesichtsrekonstruktion des Homo naledi vor dem Hintergrund einer verzierten Wand der Rising-Star-Höhle. Copyright: Homo naledi: Cicero Moraes (Arc-Team) et all.; Höhle: Lee Berger, Berger et al. / BioRxiv 2023
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Anatomische Gesichtsrekonstruktion des Homo naledi vor dem Hintergrund einer verzierten Wand der Rising-Star-Höhle.Copyright: Homo naledi: Cicero Moraes (Arc-Team) et all.; Höhle: Lee Berger, Berger et al. / BioRxiv 2023

Anatomische Gesichtsrekonstruktion des Homo naledi vor dem Hintergrund einer verzierten Wand der Rising-Star-Höhle.
Copyright: Homo naledi: Cicero Moraes (Arc-Team) et all.; Höhle: Lee Berger, Berger et al. / BioRxiv 2023

Johannesburg (Südafrika) – Schon 100.000 Jahre vor dem sog. modernen Menschen (Homo sapiens) nutzte Homo naledi, eine Frühmenschenart, deren Knochen erstmals 2013/15 in der sog. „Wiege der Menschheit“ nordwestlich von Johannesburg entdeckt wurden, die Rising-Star-Höhle, um hier gezielt ihre Toten zu bestatten. Doch nicht nur das: Eingeritzt in die Wände der Höhle fanden Wissenschaftler nun auch zahlreiche Muster und Symbole. Es handelt sich um die frühesten Belege für eine Bestattungskultur und Kunst einer Menschenart überhaupt.

Obwohl Homo naledi nur über ein relativ kleines Gehirn verfügte, das gerade einmal ein Drittel des Volumens des Homo sapiens verfügte, präsentierten Forscher und Forscherinnen um den Paläoanthropologen Lee Berger von der University of the Witwatersrand schon im vergangenen Jahr Beweise dafür, dass schon diese Frühmenschen Werkzeuge und Feuer benutzten. Schon einhergehend mit diesen Veröffentlichungen kündigte Berger noch viel bedeutendere Entdeckungen in der Fundhöhle an (…GreWi berichtete) – eine Ankündigung, die nun erfüllt wurde.

Wie das Team um Berger von vorab via BioRxiv und in einer zukünftigen Ausgabe des Fachjournals „eLife“ berichtete, könnten die jüngsten Funde unser bisheriges Bild von der menschlichen Evolutionsgeschichte revolutionieren. Zudem zeige sich nun, dass Verhaltensweisen und Fähigkeiten, die bislang aufgrund entsprechender Hirngrößen einzig und allein dem modernen Menschen und den Neandertalern zugesprochen wurden, schon Tausende von Jahren zuvor anderen Menschenarten zu eigen waren.

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In dem teilweise nur schwer zugänglichen Höhlensystem haben die Forschenden die Überreste von Erwachsenen und Kindern in fötaler Haltung und mit Erde bedeckt entdeckt und mindestens 100.000 Jahre vor den ersten Bestattungen des Homo sapiens datiert. Knochenfunde moderner Menschen wurden bislang in dem labyrinthartigen Höhlensystem nicht gefunden.

Detailansicht der eingeritzten Symbole in der Rising-Star-Höhle.Copyright/Quelle: Lee Berger, Berge et al. / BioRxiv 2023

Detailansicht der eingeritzten Symbole in der Rising-Star-Höhle.
Copyright/Quelle: Lee Berger, Berge et al. / BioRxiv 2023

An den Wänden der Höhle fanden sich zudem in den Stein geritzte Symbole, deren Alter die Wissenschaftler auf 241.000 und 335.000 Jahre datieren – weitere Untersuchungen sollen jedoch folgen. Unter diesen teilweise nur schwer zugänglichen, – also auch mit Absicht dort platzierten Symbolen finden sich kreuzartige Rotzungen und andere geometrische Formen. Die ältesten ähnlichen Symbole moderner Menschen datieren hingegen auf 80.000, die von Neandertalern auf 60.000 Jahre vor der modernen Zeitrechnung.

Fundsituation eines Homo naledi in fötaler Haltung.Copyright/Quelle: Lee Berger, Berge et al. / BioRxiv 2023

Fundsituation eines Homo naledi in fötaler Haltung.
Copyright/Quelle: Lee Berger, Berge et al. / BioRxiv 2023

„Unsere Entdeckungen legen absichtliche Bestattungen und die Verwendung von Symbolen, also auch bedeutsame Handlungen des Homo naledi nahe“, erläutert Berger. „Die Kombination dieser Entdeckungen macht die Schlussfolgerung unausweichlich, dass die kleinhirnige frühzeitliche Menschenart bereits komplexe Handlungen in Verbindung mit dem Tod praktizierte. Das wiederum würde bedeuten, dass nicht nur moderne Menschen [und Neandertaler] symbolische Handlungen durchführten und diese Handlungen nicht einzigartig für die Entwicklung des Menschen sind und noch nicht einmal von diesen erfunden wurden.“

Auch die Vorstellung, nur große Gehirne könnten zur Entwicklung komplexer Glaubensvorstellungen und Verhaltensweisen führen, werden durch die Funde in der Rising-Star-Höhle in Frage gestellt.

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Recherchequelle: BioRxiv.org

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