SETI empfängt potenziell intelligentes Signal aus Richtung Proxima Centauri

Blick auf die Antennen des australischen Parkes Radioteleskops. Copyright: CSIRO
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Blick auf die Antennen des australischen Parkes Radioteleskops. Copyright: CSIRO

Blick auf die Antennen des australischen Parkes Radioteleskops.
Copyright: CSIRO

Berkeley (USA) – Mit dem Parkes Radioteleskop haben Astronomen der SETI-Initiative „Breakthrough Listen“ ein potenziell intelligentes Radiosignal aus Richtung des der Sonne nächstgelegenen Sterns Proxima Centauri empfangen, der von mindestens einem erdartigen Planeten umkreist wird. Derzeit untersuchen die Astronomen das Signal, um irdische und astrophysikalische Quellen ausschließen zu können.

Wie der britische TheGuardian berichtet, handelt es sich um schmalbandige Radiowellen im Frequenzbereich von 980MHz, die während einer 30-stündigen Beobachtung mit dem australischen Radioteleskop im April und Mai 2019 aufgefangen wurden.

Während die Analyse des Signals noch läuft, um irdische Quellen wie Sendeanlagen, Satelliten aber auch natürlich-astrophysikalische Erklärungen auszuschließen, scheint es so, als stamme das Signal aus Richtung des nächsten Sonnennachbarn, dem roten Zwergstern Proxima Centauri. Zudem stimmen leichte Verschiebungen des Signals mit der Bewegung eines Planeten überein. Wie der Guardian berichtet, sei derzeit ein Fachartikel über das als “BLC1” bezeichnete Signal in Arbeit. BLC steht dabei für “Breakthrough Listen Candidate 1”

Hintergrund
Bei Proxima Centauri handelt es sich um einen roten Zwergstern in 4,2 Lichtjahren Entfernung zur Sonne.

Künstlerische Darstellung des erdartigen Planeten um Proxima Centauri (Illu.). Copyright: ESO/M. Kornmesser

Künstlerische Darstellung des erdartigen Planeten um Proxima Centauri (Illu.).
Copyright: ESO/M. Kornmesser

Proxima Centauri wird von zwei Planeten umkreist, von denen mindestens einer erdartig ist seinen Stern innerhalb dessen habitablen Zone umrundet. Bei dieser lebensfreundlichen Zone handelt es sich um jene Abstandsregion, innerhalb derer ein Planet seinen Stern umkreisen muss, damit aufgrund gemäßigter Temperaturen Wasser in flüssiger Form – und damit zumindest die Grundlage des irdischen Lebens – auf seiner Oberfläche existieren kann. Allerdings weist der Rote Zwerg eine erhöhte stellare Aktivität auf, weswegen einige Planetenwissenschaftler und Astrobiologen vermuten, dass die Planeten starker schädlicher Strahlung, Ausbrüchen und dem Sonnenwind ihres aktiven Sterns ausgesetzt sind, wie sie Leben auf der Oberfläche der Planeten unmöglich machen und mögliche Atmosphären ins All reißen würden (…GreWi berichtete). Allerdings könnte es auch sein, dass die Planeten im Proxima-System – wie unsere Erde auch – von starken planetaren Magnetfeldern vor der stellaren Strahlung ihres Sterns geschützt werden.

Wie ein an den Analysen beteiligter Breakthrough-Astronom gegenüber der Zeitung bestätigte, handele es sich um den ersten ernsthaften Kandidaten für ein intelligentes Signal seit der Ortung des bis heute kontrovers diskutierten sogenannten „WOW!“-Signal im Jahre 1977 (…GreWi berichtete 1, 2, 3). Der Astronom wolle derzeit noch nicht namentlich genannt werden, da die Analysen des Signals noch nicht abgeschlossen sind und der Artikel noch vor der Veröffentlichung stehe.

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Allerdings kommentiert Pete Worden, Executive Director der Breakthrough Initiatives die Entdeckung wie folgt: „Das Breakthrough-Listen-Team hat mehrere ungewöhnliche Signale aufgefangen, die derzeit gewissenhaft untersucht werden. Bei diesen Signalen handelt es sich vielleicht um Interferenzen, wie wir sie derzeit noch nicht erklären können. Weitere Analysen müssen abgewartet werden.




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Quelle: The Guardian

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