SETI findet keine starken technologischen Signale aus Richtung von TESS-Exoplaneten-Kandidaten

Künstlerische Darstellung der Suche nach nahen Exoplaneten mit dem NASA-Weltraumteleskop TESS (Illu.). Copyright: NASA
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Künstlerische Darstellung der Suche nach nahen Exoplaneten mit dem NASA-Weltraumteleskop TESS (Illu.). Copyright: NASA

Künstlerische Darstellung der Suche nach nahen Exoplaneten mit dem NASA-Weltraumteleskop TESS (Illu.).
Copyright: NASA

Berkeley (USA) – US-Astronomen haben anhand von Beobachtungen des TESS-Weltraumteleskops, mit dem die NASA nach vergleichsweise nahen Exoplaneten sucht, nach Hinweisen auch sogenannte Techno-Signaturen, also für Signale technologisch entwickelter Zivilisationen gesucht – vergeblich. Das Ergebnis ist aber weniger aussagekräftig für die Frage nach dortigem intelligentem Leben, als es zunächst klingt.

Wie schon sein Vorgänger, das Weltraumteleskop „Keppler“, so sucht auch der „Transiting Exoplanet Survey Satellite“ (TESS) nach minimalen Lichtabschwächungen des Lichts ferner Sterne, die durch sogenannte Transits, also dem Vorbeiziehen von Planeten vor der „Sonnenscheibe“ ihres Muttergestirns. Während „Kepler“ jedoch im fernen All nach Exoplaneten fahndete, sucht TESS rund um sog. sonnennahe helle Sterne nach dortigen Planeten. Für gewöhnlich ist es also einfacher, mit dieser Methode größere Planeten zu finden, da diese während einer solchen Passage auch einen größeren Anteil des Lichts ihres Sterns verdecken. Aus Sicht der Suche nach Hinweisen auf außerirdische Intelligenz (Search for Extraterrestrial Intelligence, SETI) bedeutet dies, dass während eines Planetentransits, jedes potenzielle intelligente Signal, das von einem Transit-Planeten (beabsichtigt oder unbeabsichtigt) in Richtung Erde gesendet wird, auch während dieses Transits einem Beobachter auf der Erde heller bzw. stärker erscheinen würde.

Astronomen auf den TESS-Planeten könnten umgekehrt auch Intelligenz auf der Erde finden
Die von TESS bereits gefundenen Planeten und Planetenkandidaten (Signale für einen Planeten, die jedoch durch Folgebeobachtungen noch als solche bestätigt werden müssen) sind für SETI auch deshalb so interessant, weil die Tatsache, dass diese Planeten während eines Transits von der Erde bzw. dem erdnahen Raum entdeckt wurden zugleich bedeuten würde, dass auch potenzielle intelligente Bewohner eben diesen Planeten umgekehrt auch unsere Erde bei einem Transit vor der Sonne beobachten und – entsprechende fortgeschrittene Technologien vorausgesetzt – bestenfalls unsere eigene Techno-Signale entdecken könnten.

Vor diesem Hintergrund haben kürzlich Astronomen und Astronominnen im Rahmen der SETI-Initiative „Breakthrough Listen“ 28 von TESS als interessante Ziele (Target of Interest, TOI) identifizierte Systeme mit vier Instrumenten am Green Bank Telescope in einem Frequenzspektrum von 1 – 11 GHz nach möglichen SETI-Signalen abgesucht. Im Ergebnis bislang allerdings erfolglos.

„Schlussendlich haben wir keine Hin- oder gar Beweise für intelligentes Leben in den beobachteten Systemen gefunden“, erläutern die SETI-Forschenden um Noah Franz von der University of California und dem Siena College vorab via ArXiv.org und in einer kommenden Ausgabe des „The Astronomical Journal“.

„Anhand dieses Null-Ergebnisses folgern wir, dass es auf keinem Planeten der beobachteten Ziele außerirdische Transmitter in den Frequenzbereichen L, S, C und X (also Funk, Radar, Mikrowellen) mit einer Sendeleistung von mehr als einigen hundert Terawatt (TW) existieren“, erläutert Noah.

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Null-Ergebnis schließt dortiges Leben und Intelligenz nicht aus
Auf Anfrage von GrenzWissenschaft-Aktuell.de (GreWi) erläuterte Franz Noah den Grund, warum die untere Grenze für die Leistungsfähigkeit der gesuchten potenziellen außerirdischen Sendevorrichtungen auf den TESS-Zielen mit „einigen hundert Terawatt“ im Vergleich zu irdischer Technologie so auffallend hoch angesetzt wurde:

„Wir haben diese Grenze auf besagte einige hundert TW gesetzt, weil dies jener Grenze entspricht, ab der wir mit dem Green Bank Telescope (GBT) entsprechende Signale auf den angepeilten Zielen erst feststellen könnten. Dieses Minimum (EIRP) hängt sowohl von der Distanz des am weitesten entfernten Ziels, als auch von der Empfindlichkeit des Teleskops ab. Bei Zielen, die der Erde näher sind, ist dieser Grenzwert entsprechend niedriger.“

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Dass das beschriebene Null-Ergebnis aber nicht gleichbedeutend mit der definitiven Nicht-Existenz von intelligentem Leben auf einem oder mehreren der anvisierten und abgesuchten Planeten ist, zeigt Noahs Antwort auf die GreWi-Frage, welche irdischen Sendeanlagen entsprechende Leistungen erbringen können und so dann umgekehrt von einem der TESS-TOIs aus als Hinweise auf intelligentes und technologisch geprägtes Leben auf der Erde detektiert und erkannt werden könnten:

„Auf der Erde gab es erreichte das Radioteleskop von Arecibo beispielsweise eine EIRP-Leistung von rund 10 Terawatt. Bei unserer Suche gehen wir von der Annahme aus, dass eine dortige außerirdische Intelligenz technologisch mindestens genau so weit fortgeschritten ist wie wir – vermutlich sogar noch weiter. Dann sollten sie auch in der Lage sein, Transmitter zu konstruieren, die einige hundert TW und mehr Leistung erbringen können.“

Damit bestätigt der Astronom, dass das beschriebe Null-Ergebnis die Existenz weniger leistungsstarker Transmitter auf den untersuchten TESS-TOIs nicht ausschließen kann: „Angesichts unserer Beobachtungsziele und der Leistungsfähigkeit des GBT können wir also tatsächlich keine Aussagen darüber machen, ob es auf den TESS-TOIs nicht doch auch weniger leistungsstarke Transmitter von weniger als einigen hundert TW gibt.“




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Recherchequellen: SETI Berkeley, eigene Recherchen grenzwissenschaft-aktuell.de

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