SETI-Initiative “Breakthrough Listen” veröffentlicht Beobachtungsdaten zu nahen Sternen und aus dem galaktischen Zentrum

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Künstlerische Darstellung der Vorstellung von der Übertragung außerirdischer Signale einer Zivilisation auf einem Planeten innerhalb der „Erd-Transit-Zone“ in Richtung Erde (Illu.). Copyright: Breakthrough Listen

Künstlerische Darstellung der Vorstellung von der Übertragung außerirdischer Signale einer Zivilisation auf einem Planeten innerhalb der „Erd-Transit-Zone“ in Richtung Erde (Illu.).
Copyright: Breakthrough Listen

Seattle (USA) – Die private SETI-Initiative „Breakthrough Listen“ hat die Daten der bislang umfangreichsten Suche nach intelligenten Radiosignalen aus der Ebene des Galaktischen Zentrums veröffentlicht – jener Region rund um das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße. Ebenfalls veröffentlicht wurden die Ergebnisse der Such nach intelligenten Signalen von 20 nahen Sternen und dem bislang zweiten Objekt interstellarer Herkunft, 2L/Borisov.

Wie der Hauptuntersucher der „Breakthrough Listen“-Inititive Andrew Siemion von der University of California in Berkeley auf dem Jahrestreffen der „American Association for the Advancement of Science“ (AAAS) begleitend zur Veröffentlichung der Daten erläuterte, handele es sich um die zweite Tranche an SETI-Beobachtungsdaten der von dem israelisch-russisch Unternehmer Yuri Milner, dem 2018 verstorbenen Astrophysiker Stephen Hawking und anderen Wissenschaftlern initiierten und von Milner mit 100 Millionen US-Dollar ausgestatteten SETI-Initiative. Zuvor hatte „Breakthrough Listen“ bereits im Juni 2019 das bis dahin umfangreichste SETI-Datenpacket veröffentlicht (…GreWi berichtete).

Die jetzt zusätzlich veröffentlichten 2 Petabyte an Rohdaten (zum Vergleich: Auf eine klassische CD-ROM passen bis zu 879 MB, also 1.000.000 Bytes; Ein Petabyte entsprechen 1.000.000.000.000.000 Bytes) die Astronomen wie der Allgemeinheit nun zur weiteren Analyse frei zur Verfügung stehen, decken ein Frequenzspektrum zwischen 1 und 12 Gigahertz (GHz) ab und stammen zur Hälfte von Beobachtungen mit dem Parkes Radioteleskop im australischen New South Wales. Der Rest des Datenpakets stammt vom Green Bank Observatory in West Virginia, dem „Automated Planet Finder“ an der Universität von Berkeley und dem kalifornischen Lick Observatory.

„Das Galaktische Zentrum ist die energetisch wohl ungewöhnlichsten Region in unserer Heimatgalaxie und liegt im Fokus aller an unserer SETI-Initiative beteiligten Einrichtungen und Instrumente“, so Siemion und führt dazu weiter aus: „Sollte es dort eine fortgeschrittene Zivilisation geben, so könnte diese vielleicht die Energie des supermassereichen Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße anzapfen, um so mittels starker Signale auf sich und ihre Existenz aufmerksam zu machen.“

“Seit Menschheitsgedenken, war die Suche nach Leben jenseits der Erde mit limitierten Datenmengen konfrontiert – wir konnten bislang also immer nur spekulieren“, erklärt Yuri Milner. „Jetzt erhalten wir immer mehr und mehr Daten und wir können damit wirkliche Wissenschaft betreiben. In dem wir alle diese Daten auch der Öffentlichkeit zugänglich machen, kann sich jeder der möchte, an der Suche nach Antworten auf die große Frage beteiligen.“ Seit der letzten Datenveröffentlichung im Juli 2019 hat „Breakthrough Listen“ die gewonnene Datenmenge mehr als verdoppelt.

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Gemeinsam mit der Veröffentlichung der optischen und Radiodaten, haben die Wissenschaftler um Siemion auch erste Analysen eines kleinen Teils dieser Daten publiziert. Diese beziehen sich auf die Radioemissionen von 20 sonnennahen Sternen, die derart gemeinsam mit der Ebene der Erdumlaufbahn um die Sonne ausgerichtet sind, dass von dortigen potentiellen Planeten die Erde während ihrer Transits, also dem Vorbeiziehen vor der Sonnenscheibe, als solche beobachtet werden könnte. Astronomen sprechen hier von der sogenannten Erd-Transit-Zone.

Hierzu nahmen die Astronomen entsprechende Sterne mit dem Green Bank Telescope im Frequenzbereich von 4 bis 8 Gigahetz (dem sog C-Band) ins Visier. Die Daten wurden dann von Sofia Sheikh an der University of California in Berkeley und aktuell an der Pennsylvania State University analysiert, die darin nach speziellen schmalbandigen Radiosignalen suchte.

„Die einzigartige Geometrie der Erd-Transit-Zone ermöglicht es uns von der Erde aus in gleicher Weise Exoplaneten zu entdecken. Es ist also durchaus vorstellbar, dass eine andere intelligente Spezies umgekehrt die Erde als Exoplanet bereits entdeckt hat.“ Insgesamt wurde das Green Bank auf jeden Stern zunächst fünf Minuten lang ausgerichtet, und das Teleskop dann wieder für fünf Minuten von dem Zielstern weggerichtet. Dieser Vorgang wurde dann zwei Mal wiederholt. In einem nächsten Schritt wurden dann all jene Signale ausgesondert, die bei der Abkehr vom Ziel noch nicht verschwunden waren. Auf diese Art konnten mehrere Millionen Signalspitzen analysiert und jene ausgesondert werden, die beispielsweise von erdgestützten Quellen stammten. Schlussendlich blieben so vier, zunächst unerklärte Signale übrig, die sich bei einer weiteren Analyse dann allerdings als Satellitensignale herausstellten.

Das Parkes Radio Telescope. Copyright: CSIRO

Das Parkes Radio Telescope.
Copyright: CSIRO

Während Sheikh und Kollegen auf diese Weise also keine “Techno-Signaturen” ferner Zivilisationen im Radiofrequenzbereich finden konnten, helfen ihre Analysen und Ergebnisse den Astronomen dabei, die Liste potentieller Heimatwelten entsprechend entwickelter und aktiver Zivilisationen innerhalb unserer Galaxie weiterhin einzugrenzen.

„Weil wir ganz gezielt nahe Ziele abgesucht haben, war unsere Suche auch empfindlich genug, um potentielle Sender auf dortigen Welten ausfindig machen zu können, wie sie den stärksten irdischen Sendeanalgen entsprechen“, erläutert Sheikh und führt dazu weiter aus: „Anhand unserer Ergebnisse können wir nun annehmen, dass es um die anvisierten Ziele keine Sender gibt, die mit Anlagen ähnlich die etwa das Arecibo-Radioteleskop Radiosignale in unsere Richtung sendet.

“Wir haben zwar noch immer keine Aliens gefunden, aber wir verfeinern fortwährend die Grenzen für die Existenz einer technologisch fortgeschrittenen Zivilisation, in dem wir zum ersten Mal überhaupt Daten im Radiofrequenzbereich zwischen 4 und 8 Gigahertz erlangen“, erläutert Siemion.

Ebenfalls veröffentlicht hat „Breakthrough Listen“ die Ergebnisse der Suche nach intelligenten Radiosignalen des interstellaren Kometen „2I/Borisov“. Wie schon angesichts des ersten, als solches erkannten Objekts interstellarer Herkunft, dem als „1I/‘Oumuamua“ bezeichneten Objekt (…GreWi berichtete), fanden die SETI-Astronomen aber auch hier keine künstlichen Radiosignale im abgesuchten Frequenzbereich.

Der interstellare Komet 2I/Borisov. Copyright: NASA, ESA and D. Jewitt, UCLA

Der interstellare Komet 2I/Borisov.
Copyright: NASA, ESA and D. Jewitt, UCLA

„Sollte eine andere Zivilisation zur interstellaren Raumfahrt in der Lage sein und interstellare Sonden nutzen, dann würde auch die Chance für derart künstliche Objekte in unserem Sonnensystem steigen“, erklärt Steve Croft vom Berkeley SETI Research Center und „Breakthrough Listen“. „Genauso, wie wir nach Sendern auf Exoplaneten suchen, genauso wollen wir auch mehr über die mögliche Anzahl solcher Sonden – so sie existieren – wissen.”

Laut Siemion sucht “Breakthrough Listen” nach elektromagnetischer Strahlung die mit Signalen übereinstimmen, wie wir sie von unserer eigenen Technologie kennen und wie sie sich von Hintergrund der Signale von natürlichen, astrophysikalischen Ereignisse unterscheiden. „Das bedeutet auch, dass bekannte Signale von Mobiltelefonen, Satelliten, GPS, WiFi und einer Unzahl anderer menschlicher Quellen ausgeschlossen werden müssen.“

Vor diesem Hintergrund wird sich natürlich auch “Breakthrough Listen” auch weiterhin an der Auswertung der nun veröffentlichten Signale systematisch und fortwährend analysiert werden – schließlich wurden bislang erst 20-30 Prozent der gewonnen Daten ausgewertet und analysiert.

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Quellen: Breakthrough Listen, UC Berkeley

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