So könnte man ein Wurmloch finden

Lesezeit: ca. 2 Minuten
Künstlerische Darstellung des Inneren eines Wurmlochs (Illu.). Copyright: Grenzwissenschaft-Aktuell.de

Künstlerische Darstellung des Inneren eines Wurmlochs (Illu.).
Copyright: Grenzwissenschaft-Aktuell.de

 

Buffalo (USA) – Nicht nur in der Science Fiction gelten „Wurmlöcher“ als willkommene Abkürzungen über gewaltige Dimensionen durch das Universum – auch in der theoretischen Astrophysik gelten sie als durchaus möglich. Entdeckt und damit direkt nachgewiesen wurde bislang jedoch noch kein Wurmloch. Eine aktuelle Studie zeigt nun, wie wir Wurmlöcher finden könnten – sollten sie existieren.

Erstmals beschrieben wurde das Konzept 1935 von Albert Einstein und Nathan Rosen, weshalb es ursprünglich auch als „Einstein-Rosen-Brücke“ bezeichnet wurde wird. Rein theoretisch kann man sich ein „Wurmloch“ als Verbindung zwischen zwei entfernten Regionen im Uni- oder vielleicht auch Multiversum, also als eine Art Abkürzung durch die Raum-Zeit vorstellen.

Im Fachjournal „Physical Review D” (DOI: 10.1103/PhysRevD.100.083513) hat das Team um Dr. De-Chang Dai von der Yangzhou University und den Kosmologen Dr. Dejan Stojkovic von der University at Buffalo nun eine Methode beschrieben, wie ein angenommenes Wurmloch in der Nähe des supermassereichen Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße (SagittariusA*) entdeckt werden könnte. Obwohl es bislang zwar keine Hinweise dafür gibt, dass es genau dort ein Wurmloch gibt, wäre diese Region jedoch ein guter Ort, um hier mit der Suche nach einem Wurmloch zu suchen, da Wurmlöcher extreme Schwerkraftbedingungen erfordern, wie sie rund um supermassereiche Schwarze Löcher vermutet werden.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

Sollte also ein Wurmloch in der Nähe von Sagittarium A* exististeren, so würden nahe Sterne von der Schwerkraft der Sterne am anderen Ende des Wurmlochs beeinflusst werden, erläutern die Wissenschaftler. Das Ergebnis dieses Wechselspiels würde sich in kleinen Abweichungen der für dieser Sterne unter gewöhnlichen Bedingungen zu erwartenden Umlaufbahnen um das Schwarze Loch abzeichnen und könnte somit beobachtet und entdeckt werden.

„Wenn es an beiden Enden des Wurmlochs jeweils einen Stern gibt, so könnten diese Sterne den Schwerkrafteinfluss des jeweils anderen auf der gegenüberliegenden Seite des Wurmlochs spüren, da sich die Gravitation durch das Wurmloch fortsetzten würde“, so Stojkovic und führt dazu weiter aus: „Wenn man also die Umlaufbahnen der Sterne um Sagittarius A* kartiert und in deren vorherberechneten und zu erwartenden Bahnen Abweichungen feststellt, so könnte dies auf den dortigen Eingang eines Wurmlochs hindeuten.“ Allerdings seien die bisherigen Beobachtungstechnologien noch nicht präzise genug, um die von den Wissenschaftlern beschriebenen kleinsten Abweichungen heute schon zu entdecken. Doch schon Instrumente der nächsten Generation könnten diese Leistungsfähigkeit erreichen.

Die Autoren der Studie weisen zugleich darauf hin, dass wirkliche Wurmlöcher, sollten sie eines Tages tatsächlich entdeckt werden, wahrscheinlich nicht so aussehen werden, wie wir das aus Science-Fiction-Filmen kennen: „Selbst wenn man ein Wurmloch tatsächlich durchfliegen könnte, bräuchte es eine Quelle negativer Energie, um das Ende des Wurmlochs offen zu halten. Und wie das erreicht werden könnte, wissen wir (derzeit noch) nicht.”

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Anstatt Schwarzer Löcher könnten auch Wurmlöcher Gravitationswellen erklären und Astrophysik revolutionieren 13. Juni 2018
Astronomen: Wurmlöcher anhand ihrer „Schatten“ von Schwarzen Löchern unterscheiden 23. April 2018

Quelle: University at Buffalo

© grenzwissenschaft-aktuell.de