Sonderbarer Fund unter Notre-Dame de Paris: Menschenförmiger Bleisarkophag verblüfft Archäologen und soll bald geöffnet werden

Der ungewöhnlich geformte Bleisarkophag im Untergrund von Notre-Dame de Paris. Copyright: Denis Gliksman, Inrap
Lesezeit: ca. 2 Minuten
Der ungewöhnlich geformte Bleisarkophag im Untergrund von Notre-Dame de Paris. Copyright: Denis Gliksman, Inrap

Der ungewöhnlich geformte Bleisarkophag im Untergrund von Notre-Dame de Paris.
Copyright: Denis Gliksman, Inrap

Paris (Frankreich) – Drei Jahre nach dem Großbrand in der in der Kathedrale Notre-Dame de Paris berichten Archäologen, die durch die Brandschäden unerwarteten Zugang zum Untergrund des Kirchbaus erhalten hatten, von der Entdeckung eines ungewöhnlichen Blei-Sarges in Form eines menschlichen Körperumrisses. Erste endoskopische Aufnahmen aus dem Innern zeigen, dass der Sarkophag neben einem Skelett auch weitere Objekte beinhaltet. Schon bald soll er nun vollständig geöffnet werden.

UPDATE 13.12.2022, 11:45h: Mittlerweile liegen neue Informationen zu Untersuchung des Bleisarkophags vor. Wie sich zeigt, wurden insgesamt zwei Sarkophage gefunden. Ein Sarg konnte aufgrund einer Inschrift (einem sog. Epitaph ein hochrangigen Gönner des Kirchenbaus und der Sanierung des Chors, dem Herren Antoine de la Porte (1627-1710) zugeschrieben werden. Die Identität des zweiten Toten im Bleisarkophag böeint weiterhin unbekannt. Falsch ist hingegen eine Webmeldung, wonach es sich bei einem der Toten um einen „mittelalterlichen Ritter mit einem künstlich herbeigeführten Langschädel“ handelt. Während es tatsächlich Spuren einer Schädelveränderung im Kleinkindalter gibt, ist eine zeitliche Einordnung noch nicht möglich. Weitere Ergebnisse werden 2023 erwartet.

  • – Einen Bericht zu den Untersuchungsergebnissen an der L’Université Toulouse III – Paul Sabatier mit weiteren Abbildungen finden Sie HIER
    Den Bericht des archäologisch-forsensichen Instituts  INRAP finden Sie HIER

Wie das französische „Institut national de recherches archéologiques préventives“ (Inrap) berichtet, entdeckten die Archäologen den ungewöhnlichen anthropomorphen Sarg in rund 20 Meter Tiefe gemeinsam mit durch Rauchgase stark beschädigten Gipssärgen. Das genaue Alter des menschenförmigen Bleisarkophags ist bislang noch unbekannt, die Fundtiefe deutet jedoch darauf hin, dass er aus dem Mittel- bis Spätmittelalter stammen könnte. Während Blei-Särge an sich nicht ungewöhnlich sind und in Notre-Dame in ihnen meist Erzbischöfe beigesetzt wurden, ist die anthropomorphe Form des nun im westlichen Teil der Vorfahrt gefundenen Beisarkophages (s. Abb.) ungewöhnlich.

Detailansicht des anthropomorphen Bleisarkophags. Copyright: Denis Gliksman, Inrap

Detailansicht des anthropomorphen Bleisarkophags.
Copyright: Denis Gliksman, Inrap

Trotz einiger Löcher sei der Sarkophag in gutem Zustand, berichtet das Inrap. Er misst 1,95 m Länge bzw. Höhe und ist 48 cm breit. „Eine endoskopische Kamera ermöglichte den Nachweis von Pflanzenresten unter dem Kopf des Verstorbenen – vielleicht ein Kissen aus Laub – von Haaren, Textilien sowie trockene organische Stoffe.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

Umstand, dass der Sarkophag unter einem Erdhaufen gefunden wurde, in dem die Archäologen Möbelteile aus dem 14. Jahrhundert entdeckt hatten, deutet auf ein noch höheres Alter des Sarkophags hin. „Sollte sich das bestätigen und der Sarkophag aus dem Mittelalter stammen, so hätten wir es hier mit einer wirklich extrem seltenen Form einer Bestattungspraxis zu tun”, erläutert der leitende Archäologe Christophe Besnier gegenüber Journalisten. Eine C-14-Datierung soll Klarheit über das genaue Alter bringen.

Diese wird schon bald möglich sein, da der Sarkophag – der sich derzeit im forensischen Institut in Toulouse befindet, dort vielleicht schon kommende Woche geöffnet und untersucht werden soll.




WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
DNA-Analyse der „Frau mit Schwert“ zeigt: In nordisch-mittelalterlichem Grab lag ein Zwitter 3. August 2021
Archäologen rätseln über „Das Mädchen mit dem Finkenkopf im Mund“ 16. Juni 2021
Mumie sollte mit goldener Zunge zu Osiris sprechen 2. Februar 2021
Archäologen finden Kinderskelette mit “Helmen” aus Schädeln älterer Kinder 20. November 2019
Archäologen finden spätrömisches Grab eines ‚Kinder-Vampirs’ 13. Oktober 2018

Recherchequelle: Inrap

© grenzwissenschaft-aktuell.de