Stammte das „Wow!”-Signal 1977 von einem außerirdischen Raumschiff?

Symbolbild: Energiestrahl (Illu.) Quelle: Pixabay.com
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Quelle: Pixabay.com

Mobile (USA) – Seit am 15. August 1977 Astronomen ein rätselhaftes Radiosignal aufgefangen wurde, rätseln Astronomen wie Laien über die Herkunft und Natur der als „Wow!“-Signal bekannten Detektion. Der Mikrowellenphysiker James Benford hat nun eine neue Theorie veröffentlicht, wonach die Vorstellung, dass das Signal von einem außerirdischen Raumschiff stammen könnte, gar nicht so abwegig erscheint.

Während eine frühere Studie das Signal selbst in der Umgebung des rund 1.800 Lichtjahre entfernten Stern „2MASS 19281982-2640123“ verortete (…GreWi berichtete), erläutert Dr. James Benford von „Microwave Sciences“ in einer Zusammenfassung vorab auf “Centauri-Dreams.org” und in einer kommenden Ausgabe des Fachjournals „Astrobiology“, wie die bekannten Eigenschaften des Wow!-Signals auch dazu passen, dass es sich um das Ergebnis einer Energie-Leckage eines hypothetischen außerirdischen Raumschiffs handeln könnte.

Hintergrund
Es war der 15. August 1977 als Radioastronomen am Big-Ear-Teleskop an der Ohio State University (s. Abb.) ein starkes Radiosignal aus dem all empfingen. Das Signal auf 1420 Megahertz war derart stark, dass der Astronom Jerry Ehman auf dem Ausdruck der Daten schriftlich den Hinweis „Wow!“ vermerkte (s. Abb. o.).

1420 Megahertz entspricht dabei der Wellenlänge von Wasserstoffatomen von 21 Zentimetern und damit genau jener Hauptfrequenz, die von Astronomen bei der Suche nach intelligenten außerirdischen Signalen (Search for Extraterrestrial Intelligence, SETI) bevorzugt absuchen, da es sich bei Wasserstoff um das im Universum am häufigsten vorkommende Element handelt, das Energie sowohl absorbiert und aussendet und diese Frequenz zudem erdähnliche Atmosphären am einfachsten durchdringen kann.

Trotz intensiver Bemühungen blieb seither die Suche nach wiederholten Signalen der gleichen Quelle ergebnislos. Während Analysen des Signals Satelliten und eine Reflektion von der Erdoberfläche ausschließen, hoben Kritiker einer irdischen Deutung schon immer hervor, dass die Intensität des Signals während der Beobachtungsdauer von 72 Sekunden anstieg und wieder abfiel. Diese 72 Sekunden entsprechen genau der Zeitspanne, über die das „Big Ear“ aufgrund seines Sichtfeldes und der Erdrotation ein Objekt verfolgen konnte. Das Signal scheint also tatsächlich aus dem Weltraum gekommen zu sein.

Konkret vermutet Benford mit seiner Hypothese, dass das Signal von einem Energiestrahl stammen könnte, mit dem eine ferne Zivilisation ein Raumschiff antreibt. Tatsächlich verfolgen auch irdische Wissenschaftler und Raumfahrtingenieure bereits ähnliche Konzepte, wenn sie von Lichtsegeln gezogenen Miniatursonden etwa zum sonnennächsten Planetensystem um den Zwergstern Proxima Centauri lenken wollen, deren Segel mit gewaltigen Lasern von der Erde aus auf einen Bruchteil der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und so das Proxima-System innerhalb von rund 20 Jahren erreicht werden soll (…GreWi berichtete).

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Zwar konnte auch das „Wow!“-Signal kein weiteres Mal geortet und damit weitergehend untersucht und verfolgt werden, dennoch liefern laut Benford auch die alten Daten, ausreichend Grundlage, um die Merkmale des Signals einer technologischen Quelle zuzuordnen.

Hierbei beruft sich der Forscher zunächst auf die drei bekannten Parameter des Signals: Die empfange Leistungsdichte, die Signaldauer und dessen Frequenz.

– Tatsächlich sei das Wow!-Signal eines der stärksten bislang aufgefangenen spezifischen Signale überhaupt und habe in seinem Höhepunkt das Hintergrundrauschen um das 32-Fache übertroffen.

– Zum Zeitpunkt der Ortung war das verwendete Big Ear Telescope mit der Erdrotation gekoppelt. Die Dauer, während derer das Signal rund 38 Sekunden lang mit dem Antennenstrahl geortet werden konnte, entsprach dabei der zu erwartenden Bewegung himmlischer bzw. astronomischer Quellen. Die Beobachtung zeigt aber auch, dass nicht bekannt ist, wie lange das Signal tatsächlich gedauert hatte.

– Schlussendlich wurde das Signal mit einer Frequenz von 1.42 GHz innerhalb einer international offiziell geschützten Bandbreite von 1.4-1.427 GHz gesendet, innerhalb derer irdische Emissionen eigentlich verboten sind. Das wiederum lasse die Vermutung, dass das „Wow!“-Signal irdisch-menschlichen Ursprungs war, als sehr unwahrscheinlich erscheinen, so Benford.

Der Datenausdruck des Astronoms Jerry R. Ehman mit dessen handschriftlicher und für das Signal namensgebender „WOW“-Notiz vom 15. August 1977. Copyright: Big Ear Radio Observatory and North American AstroPhysical Observatory (NAAPO)

Der Datenausdruck des Astronoms Jerry R. Ehman mit dessen handschriftlicher und für das Signal namensgebender „WOW“-Notiz vom 15. August 1977.
Copyright: Big Ear Radio Observatory and North American AstroPhysical Observatory (NAAPO)

Hinzu bezieht der Autor auch einen potenziellen vierten Faktor mit ein: Die im fernen All verortete Quelle des Signals und deutet hinzu, dass der Umstand, dass das Signal seither kein weiteres Mal geortet werden konnte, als deutlichen Beleg für dessen tatsächliche Herkunft: „Sollte das Signal tatsächlich einem Energiestrahl entstammen, der eine Sonde von einem Planeten zu einem fernen Stern beschleunigte, so befand sich der Ursprungsplanet zu dieser Zeit vermutlich bereits weit von der Sonde selbst entfernt.“ Auf die Weise könnte die Erde zufällig ein Energieleck dieses Strahls abbekommen haben, da sich Sterne schließlich relativ zueinander bewegen.“ Tatsächlich sei von einem solchen Energieleck nicht zu erwarten, dass es ein weiteres Mal (von der Erde aus) aufgefangen werde. Das Szenario stimme also mit dem Umstand der einmaligen Detektion von Wow! überein.

Aus der Hypothese lasse sich zudem ein neuer Ansatz für die Suche nach außerirdischen Intelligenzen ableiten, schließlich wäre ein Energiestrahl, der eine interstellare Sonde oder gar ein Raumschiff antreibt, auch über große interstellare Entfernungen hinweg sichtbar und Benford erläutert abschließend: Durchmusterungen des gesamten Sternenhimmels im Mikrowellen- und Laser-Bereich könnten – so vorhanden – weitere Energielecks finden.“

– Bennfords vollständigen Artikel auf Centauri-Dreams.org finden Sie HIER




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Quelle: Centauri-Dreams.org

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