Studie: Spiritueller Glaube kann vor Depression schützten

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Symbolbild. Copyright: Pexels (via Pixaby.com) / Pixabay License

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New York (USA) – Spirituelle Glaubensvorstellungen könnten – das zeigt eine u.a. auf früheren Untersuchungsergebnisse aufbauende aktuelle Studie – das menschliche Gehirn vor Depressionen schützen, zeigt sie doch eine sonderbare Verbindung zwischen religiösen Vorstellungen und der Dichte der sog. Weißen Substanz im Gehirn.

Schon frühere Studie (1, 2) legen nahe, dass die Tendenz zu Depressionen zu einem bestimmten Grad auf unsere Gene zurückgeführt werden kann: So zeigen Studien, dass sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch später einmal unter Depressionen leidet, verdoppeln oder gar vervierfachen kann, wenn beide Elternteile selbst auch schon depressiv waren. Zugleich zeigen die Studien aber auch, dass selbst bei genetischer Vorbelastung nicht jeder auch tatsächlich Depressionen entwickelt und sich Depressionen auch bei Menschen entwickeln können, die familiär überhaupt nicht vorbelastet sind. Es muss also noch weitere Faktoren geben, zu denen – das zeigt die aktuelle Studie – vielleicht auch die religiös-spirituellen Ansichten einer Person zählen.

Schon 2005 zeigte eine Studie, dass Religion offenbar wie eine Art Puffer gegenüber Depressionen wirken kann. Zudem zeigte eine andere Studie von 2013, dass Depressionspatienten mit einem festen Gottesglauben, deutlich bessere Behandlungsergebnisse erzielten, als andere.

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Mit auf MRT basierenden neuralen Bildgebungsverfahren haben die Forscher um Dongrong Xu vom Department of Psychiatry an der Columbia University nun die Weiße Hirnsubstanz von 99 Studienteilnehmern mit jeweils unterschiedlichen Graden familiären Risikos für Depressionen visuell quantifiziert.

Hintergrund
Die Weiße Substanz (Substantia alba) bezeichnet jene Anteile des zentralen Nervensystems, die überwiegend aus Leitungsbahnen bzw. Nervenfasern bestehen und somit vornehmlich Nervenzellfortsätze enthalten. Diese werden der sog. Grauen Substanz als jenen Anteilen  gegenübergestellt, die vornehmlich Nervenzellkörper enthalten und beispielsweise aus Kernen bzw. Kerngebieten bestehen. Die schon makroskopisch sichtbare weiße Färbung entsteht durch umhüllende Gliazellen bzw. die Myelinscheiden der Nervenfasern.

In früheren Studien konnte bereits gezeigt werden, dass eine Ausdünnung diese Weißen Substanz ein Biomarker für Depressionen im Hirn sein kann. Zugleich zeigte eine Studie von 2014, dass ein religiöser oder spiritueller Glaube bei Menschen mit dichterer Hirnrinde in verschiedenen, auch mit Depression assoziierten Hirnregionen einherzugehen scheint.

Die Ergebnisse der aktuell im Fachjournal „Brain and Behaviour“ (DOI: 10.1002/brb3.1209) veröffentlichten Studie stützen diese früheren Beobachtungen, zeigen sie doch, dass die Gehirne von Menschen mit einem erhöhten familiären Depressionsrisiko zugleich aber mit innigen spirituellen Glaubensvorstellungen viel eher jenen Gehirnen von Menschen mit einem niedrigen Risiko gleichen.

„Wir haben entdeckt, dass der Glaube an die Wichtigkeit von Religion oder Spiritualität mit einer dickeren Hirnrinde in bilateralen parietal (Scheitellappen) und okzipitalen (Hinterkopf) Regionen einhergehen“, so die Wissenschaftler und führen dazu weiter aus: „Wie wir schon zuvor zeigen konnten, ist die Ausdünnung dieser Substanz ein stabiler Biomarker für ein Depressionsrisiko, weshalb wir vermuten, dass die dickere Hirnrinde bei jenen Personen mit einem verstärkten spirituell-religiösen Glauben, als eine Art ausgleichenden Schutzmechanismus darstellen kann.“

Wie und warum sich ein inniger Glaube als Schutzmechanismus auswirken soll, können die Autoren der Studie derweil noch nicht sagen. Es sind also noch weitere Untersuchungen und replizierende Studien notwendig, um eine über die zumindest interessanten vergleichenden Beobachtungen hinaus belastbare direkte Verbindung zwischen Glaube und dem beschriebenen neurophysiologischen Mechanismus zu untermauern.

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