Studie: Wie sterben Menschen heute in der Schweiz?

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Symbolbild: Patient.

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Zürich (Schweiz) – Eine aktuelle Studie zeigt: Angesichts des Todes verhalten sich Schweizerinnen und Schweizer je nach Sprachregion unterschiedlich. Die Untersuchung zeigt, wie der kulturelle Kontext die medizinische Praxis am Lebensende prägt.

Wie die Forscher um Matthias Bopp von der Universität Zürich und Samia Hurst von der Universität Genf aktuell im Fachjournal „BMC Medicine“ (DOI: 10.1186/s12916-018-1043-5) berichten, sind heute fast zwei Drittel der Todesfälle in der Schweiz aufgrund fortgeschrittenen Alters oder unheilbarer Krankheit vorhersehbar. Aus diesem Grund müssen am Lebensende schwierige Entscheidungen getroffen werden.

„Wir haben untersucht, wie kulturelle Unterschiede in einem mehrsprachigen Land wie der Schweiz trotz eines gemeinsamen föderalen Rechtsrahmens die Entscheidungen am Lebensende beeinflussen“ Hurst.

Die als Teil des vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Nationalen Forschungs-programms „End of Life“ durchgeführte Studie zeige, dass zwar erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen bestehen, diese aber teilweise weniger bedeutsam sind als die Unterscheide zwischen den jeweiligen Sprachregionen und deren Nachbarländern in gleicher Muttersprache. Die Studie basiert auf den Daten einer unter 9.000 Schweizer Ärztinnen und Ärzten anonym durchgeführten Befragung.

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„In allen Regionen gingen mehr als drei Viertel der Todesfälle eine oder mehrere End-of-life Entscheidungen voraus, vor allem Entscheide, lebenserhaltende Behandlungen nicht anzuwenden oder abzusetzen (70,0% in der Deutschschweiz, 59,8% in der Romandie und 57,4% in der italienischen Schweiz).“

Obwohl in der Schweiz indirekte Beihilfe zum Suizid dann erlaubt ist, wenn die sterbewilligen Personen von einem Arzt eine tödliche Dosis eines Medikaments erhält, diese aber selber einnehmen müssen (nicht erlaubt ist hingegen aktive Sterbehilfe, bei der eine andere Person das tödliche Mittel verabreicht), wurde diese Möglichkeit in nur 1,5% aller zu erwartenden Todesfälle in der West- und Deutschschweiz diese Option gewählt. In der italienischen Schweiz wurde laut dem Studienergebnis sogar überhaupt kein Fall gemeldet.

Die Beteiligung der Patientinnen und Patienten am Entscheidungsprozess war im Tessin deutlich geringer als im Rest des Landes. Dieses Ergebnis lasse sich nicht mit objektiven klinischen Unterschieden erklären, sagt Bopp: „Zu vermuten ist, dass im Tessin Entscheidungen eher im Kreise der Familie gefällt werden.“

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Ähnliche Studien, die einen internationalen Vergleich ermöglichen, wurden bereits in Italien und Frankreich durchgeführt. „Auch wenn wir nicht in allen Landesregionen gleich sterben, sind unsere Herangehensweisen doch ähnlicher als diejenigen unserer Nachbarn. Die Westschweiz gleicht in mancher Hinsicht mehr der Deutschschweiz als Frankreich, was der größeren Rolle der Patientenautonomie in der Schweiz entspricht“, erläutert Samia Hurst. „Die Unterschiede zwischen den einzelnen Schweizer Sprachregionen ähneln jedoch den Unterschieden zwischen Italien und Frankreich, was ebenfalls auf kulturelle Besonderheiten aufgrund der Sprache hindeute. Leider fehlen entsprechende Studien in Deutschland und Österreich, ein wichtiger limitierender Faktor in dieser transnationalen Analyse.“

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer sind sich der Möglichkeit bewusst, vorab detaillierte Verfügungen zu ihrem Lebensende zu verfassen. Aber nur wenige tun es. „Es ist wichtig, darüber nachzudenken, welche Prioritäten wir am Ende des Lebens setzen. Worauf hoffen wir? Was fürchten wir? Was ist das Wichtigste für uns? Solche Entscheidungen für das Lebensende sollten frühzeitig mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, damit die medizinischen und technischen Aspekte sowie ihre Konsequenzen richtig verstanden werden“, betont Matthias Bopp.

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