Tatooine-Planeten: Astronomen finden fünf potenziell lebensfreundliche Doppelsternsysteme

Symbolbild: Wasserwelt unter zwei Sonnen
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Symbolbild: Wasserwelt unter zwei Sonnen. Copyright: Pexels (via Pixabay.com) / Pixabay License

Symbolbild: Wasserwelt unter zwei Sonnen. Copyright: Pexels (via Pixabay.com) / Pixabay License (bearb. durch GreWi.de)

Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) – 44 Jahre nachdem George Lucas in „Star Wars“ den Wüstenplanet Tatooine erdachte, an dessen Himmel zwei Sonnen stehen, haben Astronomen fünf tatsächlich existierende Doppelsternsysteme identifiziert, die lebensfreundliche Planeten besitzen könnten.

Wie das Team um Dr. Nikolaos Georgakarakos von der New York University in Abu Dhabi und Dr. Siegfried Eggl von der University of Washington aktuell im Fachjournal „Frontiers in Astronomy and Space Sciences“ (DOI: 10.3389/fspas.2021.640830) zeigt, könnten die zwischen 2764 und 5933 Lichtjahre entfernten Systeme Kepler-34, -35, -38, -64 (…hier sind es sogar vier Sterne, die einander umkreisen) und Kepler-413 dauerhaft stabile „habitable Zonen“ aufweisen, innerhalb derer dann erdähnliche und damit lebensfreundliche Planeten existieren könnten.

„Leben entsteht vermutlich am ehesten auf Planeten, die ihre Sterne innerhalb habitabler Zonen umkreisen, so wie die Erde unsere Sonne“, erläutert Georgakarakos. „In unserer Studie untersuchten wir, ob derart lebensfreundliche Zonen auch um neun bekannte Doppel- und Mehrfachsternsysteme existieren können.“

Das Ergebnis zeigt erstmals, dass die Systeme Kepler-34, -35, -64, -413 und ganz besonders das System kepler-38 durchaus erdähnliche Planeten mit Ozeanen beherbergen könnten.

Hintergrund
Während in Planetensystemen mit nur einem Zentralgestirn wie unserem Sonnensystem die Gezeitenkräfte relativ einfach wirken und zu berechnen sind, ist dies in Systemen mit zwei oder mehreren „Sonnen“ wesentlich komplexer – und lange Zeit stritten sich Wissenschaftler darüber, ob es in derartigen Systemen überhaupt stabile „habitable Zonen“ geben kann, ist das Risiko hier doch umso höher, dass die Gezeitenkräfte innerhalb dieser Systeme Körper aus ihren Bahnen auf Kollisionskurs mit Nachbarplaneten zwingen.

„Tatsächlich ist schon länger bekannt, dass Doppelsternsysteme ohne Gasriesen das Potenzial lebensfreundlicher Planeten haben“, erklärt der Hauptautor Professor Ian Dobbs-Dixon ebenfalls von der New York University Abu Dhabi. „Wir zeigen, dass tatsächlich ein Großteil dieser Systeme erdartige Planeten innerhalb habitabler Zonen um ihre Doppel- oder Mehrfachsterne haben können – und das selbst in Anwesenheit großer Gasplaneten.“

In ihrer Studie zeigen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, dass die habitablen Zonen der Systeme Kepler-34, -35, -38, -64 und -413 zwischen 0,4 und 1,5 Astronomischen Einheiten (AE = Abstand Erde-Sonne) breit sind und in Distanzen ab 0,6 bis 2 AU von ihren Sternen, bzw. deren gemeinsamen Massemittelpunkten entfernt beginnen.

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In zwei weiteren Systemen, Kepler-453 und Kepler-1661, sind die zunächst erwarteten habitablen Zonen nur halb so groß wie gedacht. “Das liegt daran, dass hier Gasriesen die Umlaufbahnen zusätzlicher potenziell lebensfreundlicher Felsplaneten destabilisieren würden.“ Aus demselben Grund können auch die ebenfalls analysierten Systeme Kepler-16 und Kepler-1647 keine weiteren potenziell lebensfreundlichen Planeten beherbergen.

Dennoch geben es jenseits der „klassischen“ aber natürlich immer noch alternative „habitable Zonen“, etwa lebensfreundliche Monde um Gasriesen außerhalb der klassischen „grünen Zone“.

Der anhand der Studie „beste Kandidat für potenziell lebensfreundliche Welten“ sei das System Kepler-38. 3970 Lichtjahre von der Erde entfernt, werden hier zwei Sterne von mindestens einem Neptun-großen Planeten umkreist.




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Quelle: Frontiers

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