UFO-Forscher Robert M. Powell kommentiert jüngsten Meinungsartikel des ehemaligen AARO-Direktor Kirkpatrick

Robert M. Powell (l.) und Sean Kirkpatrick (r.).
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Robert M. Powell (l.) und Sean Kirkpatrick (r.).

Robert M. Powell (l.) und Sean Kirkpatrick (r.).

Austin (USA) – Zum zweiten Mal hat der ehemalige Direktor der US-UFO-Untersuchungsbehörde AARO in einem Meinungsartikel im „Scientifc American“ seine Positionen und Haltung zu dem von seiner ehemaligen Behörde untersuchten unidentifizierten Flugobjekten und Phänomenen (UFOs/UAP) und dem öffentlichen und politischen Umgang damit mehr als kritisch geäußert. Im folgenden Beitrag kommentiert der Physiker und UFO-Forscher Robert M. Powell von der „Scientific Coalition für UAP Studies“ (SCU) die Aussagen von Dr. Sean Kirkpatrick.

Zuvor hatte Dr. Sean Kirkpatrick sich bereits zum zweiten Mal im „Scientific American“ zu seiner und der Arbeit der AARO geäußert und den Umgang damit durch eine UFO-interessierte Öffentlichkeit, einige Medien und Teile der Politik kritisiert. Konkret hatte Kirkpatrick in seinem ersten Meinungsartikel die Lesart des AARO-Programms im Sinne einer Beweissuche nach Außerirdischen ebenso heftig kritisiert, wie deren Protagonisten aus der populären US-UFO-Forschung und Politik. Dabei widerspricht Kirkpatrick teilweise den Aussagen von US-Kongressabgeordneten und nicht zuletzt des „UFO-Whistleblowers“ David Grusch deutlich (…GreWi berichtete).

Auch in seinem neuen Artikel im „Scientific American“ setzt Kirkpatrick diese Kritik fort und fordert schon im Titel eine Untersuchung des UFO-Phänomens, „aber ohne die Ablenkung durch Verschwörungstheorien“.

– Bei dem folgenden Text handelt es sich um eine vom Autor genehmigte deutschsprachige Übersetzung eines Posts durch Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWi), den Robert M. Powell im Original am 6. März 2024 via „X“ veröffentlicht hat. Die darin gemachten Aussagen sind die des Autors.

„Wir müssen UFOs untersuchen. Aber ohne die Ablenkung durch Verschwörungstheorien“ Dies ist der Titel eines von dem ehemaligen Leiter von AARO, Sean Kirkpatrick, verfassten Artikels. Dem Anliegen des Titels widerspreche ich sicher nicht, obwohl mein Englischlehrer wohl einige Einwände gegen die Verwendung einer Konjunktion gehabt hätte.

Der Artikel selbst liefert nicht viel außer Kirkpatricks Klagen über den Behandlung, den er für seine Rolle bei der angemessenen Verteidigung der Sicherheitsinteressen der USA im Zusammenhang mit UAP über ich habe ergehen lassen müssen. Er gibt dem Kongress die Schuld; er gibt denen die Schuld, die zu UFOs ausgesagt haben; er gibt seinen Kritikern die Schuld; und er gibt der Öffentlichkeit die Schuld. Wie die meisten von uns sieht er aber selten eine Schuld in seinen eigenen Handlungen.

Im Namen der Wissenschaft…
Kirkpatricks Artikel plädiert für die Wissenschaft. Er erklärt, dass er das getan hat, was jeder gute Wissenschaftler tun würde, wenn er sagt: „Die Physik kann nicht neu erfunden werden, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen…,“ oder wenn er mit den Worten abschließt: „Dies ist ein ernsthaftes, nationales, auf Fakten basierendes wissenschaftliches Bemühen, um das Potenzial für ein schwerwiegendes Versagen der Geheimdienste zu vermeiden, das zu einer verheerenden strategischen Überraschung für unser Land führen könnte. Nur Wissenschaft und objektive evidenzbasierte Untersuchungen werden das verhindern.“

Kirkpatrick versucht, an die Gefühle aller guten Wissenschaftler da draußen zu appellieren. Er argumentiert, dass er wissenschaftliche Arbeit geleistet habe und die Nicht-Wissenschaftler es einfach nicht verstehen würden.

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Die Arbeit, die Kirkpatrick bei AARO geleistet hat, war jedoch keine Wissenschaft. Wissenschaft funktioniert in einer offenen Umgebung. Informationen werden geteilt. Kirkpatrick kristallisiert das Problem, wenn er sagt: „Dies sind keine Themen für öffentliche Debatten.“ Diese Haltung wurde dadurch unterstützt, dass er Schlussfolgerungen auf Diagrammen präsentierte, ohne anderen Wissenschaftlern jemals die Rohdaten dafür zu zeigen, auf denen seine Schlussfolgerungen beruhen. So funktioniert Wissenschaft nicht. Der offene Austausch von Informationen ist grundlegend für den wissenschaftlichen Prozess. Wissenschaft basiert auf Transparenz, Peer-Review und dem Austausch von Ergebnissen, um auf vorhandenes Wissen aufzubauen, Ergebnisse zu überprüfen und Zusammenarbeit zu fördern. Dies ist jedoch nicht das, was Kirkpatrick in seiner Rolle als AARO-Direktor bereitgestellt hat ­– ganz gleich, was er behaupten mag.

…oder im Namen der Geheimdienste
Kirkpatricks Einsatz bei AARO war die Arbeit eines Mammes aus dem Kreis der Geheimdienste, das zeigt Kirkpatricks Lebenslauf. Er begann seine Karriere in Verteidigung und Geheimdienst. Sein Lebenslauf des Verteidigungsministeriums besagt, dass er vor seinem Eintritt zur AARO „von 2016 bis zu seiner aktuellen Aufgabe, Dr. Kirkpatrick, in einer Vielzahl von Rollen tätig war, darunter stellvertretender Direktor für Nachrichtendienste, beim US Strategic Command; Direktor f. Nationale Sicherheitsstrategie, Nationaler Sicherheitsrat; Stellvertretender Direktor für Nachrichtendienste und Vertreter des DNI für USSPACECOM.“ In der Welt der Verteidigung und Geheimdienste müssen Informationen klassifiziert, gesichert und geschützt werden. Das ist die Welt der Geheimdienste, nicht die Welt der Wissenschaft.

Es ist nichts falsch am Bereich der Geheimdienste. Er ist ein wichtiger Bestandteil unserer nationalen Sicherheit. Das Problem tritt auf, wenn jemand behauptet, dass die Durchführung von Geheimdiensttätigkeiten Wissenschaft sei. Das ist sie nicht. Das eine ist eine Arbeit arbeitet im Verborgenen, während das andere offen vorgeht.

Ein Weg nach vorn
Wenn wir das Rätsel der UFOs, UAP oder wie auch immer wir sie nennen wollen, je lösen wollen, dann muss es die Wissenschaft sein, die dies tut. Wir werden das Problem niemals lösen, indem wir hoffen, dass unsere Militärs und Geheimdienste das Problem lösen werden. Alles, was ihre Geheimhaltung bieten wird, sind nur noch mehr Verschwörungstheorien. Die Lösung muss aus der akademischen Kreisen und der wissenschaftlichen Gemeinschaft kommen. Der Kongress muss die Mittel bereitstellen, die es diesen Gemeinschaften ermöglichen, die Rätsel der UFOs zu lösen. So kann der Kongress Mittel für die „National Science Foundation“ bereitstellen, die speziell für die Erforschung dieses Themas vorgesehen sind. Und diese Mittel werden gut angelegt sein.

Ob UFOs außerirdische Intelligenz repräsentieren oder nicht, eines Tages werden wir Kontakt aufnehmen, sei es durch SETI, UFOs oder auf eine Weise, wie wir sie vielleicht nie zuvor erwartet haben. Es wird ein bedeutsames Ereignis für die gesamte Menschheit sein. Es wird eine Gelegenheit und Erfahrung sein, die von der Wissenschaft geführt werden sollte und nicht von unseren Geheimdiensten oder Militärs.

© Robert M. Powell, (dt. Übersetzung: grenzwissenschaft-aktuell.de)

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