Unsichtbare Texte auf Qumran-Schriftrollen deuten auf unbekanntes Manuskript


Eines der neuentdeckten Fragmente unter infrarotem (l.) und normalem Licht (r.).

Copyright: Israel Antiquity Authority

Jerusalem (Israel) – Bei neusten Analysen von bislang leer erscheinenden Fragmenten der berühmten Schriftrollen vom Toten Meer, haben Archäologen bislang unsichtbare hebräische Textpassagen sichtbar gemacht. Der Text deutet daraufhin, dass es noch eine bislang nicht bekannte Schriftrolle geben könnte.

Wie Vertreter der israelischen Antikenbehörde auf einer Konferenz vergangen Woche berichteten, handelt es sich bei den analysierten, teils nur schnipselgroßen Pergamentfragmenten um Teile der sog. Großen Psalm-Rolle (11G5), die bislang in Zigarrenkisten in klimatisierten Lagerräumen der israelischen Antikenbehörde eingelagert, dort vergessen und bislang nicht weiterführend untersucht worden waren.

Hintergrund
Von 1947 stießen Beduinen in 11 der zahlreichen Höhen nahe Qumran am Toten Meer auf zahlreiche Tonkrüge, in deren Innern sich Pergamentschriftrollen fanden.

Copyright: Osama Shukir Muhammed Amin FRCP(Glasg) (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 4.0

Schon die ersten Analysen offenbarten eine wissenschaftliche Sensation, zeigte sich doch, dass die Schriftrollen in Zeiten bis zu 250-40 n.Chr. zurückreichen und kommentierte Texte des Alten Testaments beinhalten. Historiker und Wissenschaftler vermuten, dass es sich um Schriften der ersten Christen handeln könnte. Zumindest aber erlauben die Funde Einblicke in das Glaubensleben zur Zeit des frühen Urchristentums. Weitere Informationen finden Sie HIER

Mit modernster Technologie, die eigens für die Analyse der Schriftrollen von Qumran entwickelt wurden, wurden die Fragmente unter anderem einer Multispektral-Analyse unterzogen, wobei unter der dunklen Oberschicht der vermeintlich unbeschrifteten Fragmente bislang unentdeckte hebräische Buchstaben zutage traten.

Während auf einigen Fragmenten nur einzelne Buchstaben entdeckt wurden, fanden sich auf anderen ganze Wörter und Textpassagen, unter anderem aus dem 3. und 5. Buch Mose. Durch eine Handschriftenanalyse gelang es den Forschern zudem, viele Fragmente bereits bekannten Schriftrollen, etwa der Großen Psalmen-Schriftrolle, zuzuordnen.

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Die Große Psalmen-Schriftrolle neben einem der neu entdeckten Fragmente mit dem Psalm 147:1.
Copyright: Shai Halevi/The Leon Levy Dead Sea Scrolls Digital Library

Auf einem Fragment entdeckten die Archäologen jedoch auch Buchstaben in einer sehr alten hebräischen Sprachform, die bislang keiner bekannten Schriftrolle und keinem bekannten Text zugeordnet werden konnten. Für die Forscher ist diese Entdeckung besonders interessant, da sie die Möglichkeit der Existenz eines bislang noch gänzlich unbekannten Manuskripts nahelegt.

Aus diesem Grund sollen nun auch die weiteren etwa 20 Zigarrenkästen aus dem Archiv untersucht werden. Auch sie sind mit teilweise bis zu 100 Pergamentfragmenten angefüllt.

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