UPDATE: Künstlicher Einschlagskrater auf dem Mond erklärt – ein Rätsel bleibt

Aufnahmen der Mondoberfläche vor (l.) und nach dem Einschlag am 4. März 2022. Copyright: NASA
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Aufnahmen der Mondoberfläche vor (l.) und nach dem Einschlag am 4. März 2022.Copyright: NASA

Aufnahmen der Mondoberfläche vor (l.) und nach dem Einschlag am 4. März 2022.
Copyright: NASA

Pasadena (USA) – Am 4. März 2022 hinterließ eine „Rakete“ auf dem Mond einen Krater, von der lange Zeit völlig rätselhaft blieb, woher sie stammte – Zumindest stritten alle bekannten raumfahrenden Nationen ab, dass es sich um ein Teil einer ihrer Missionen gehandelt habe. Eine neue Studie zeigt nun, dass es sich um einen Teil einer chinesischen Booster-Rakete gehandelt hat, an der sich jedoch ein weiterhin unbekanntes Objekt befunden habe.

Hintergrund

Detailvergrößerung des Doppelkraters. Copyright: NASA/Goddard/Arizona State University

Detailvergrößerung des Doppelkraters.
Copyright: NASA/Goddard/Arizona State University

Entdeckt wurde die “Rakete” im Mitte Februar 2022 und schnell konnte ihr weiterer Kurs bis hin zum Einschlag am 4. März 2022 genau vorherberechnet werden. Es war das erste Mal, dass ein ungeplanter Einschlag auf unserem Trabanten vorhergesagt werden konnte. Während zunächst eine Rakete des von Elon Musks “SpaceX” vermutet wurde, korrigierte der Astronom Bill Gray schon kurze Zeit später diese Annahme und erklärte, es handele sich um ein Booster-Triebwerk der chinesischen Mondmission „Chang’e5-T1“. Einziges Problem an dieser Deutung: Die chinesische Raumfahrtbehörde verneinte ebenfalls, dass es besagte Rakete gewesen sei und erklärte am 21. Februar 2022 auf einer Pressekonferenz, dass besagte obere Raketenstufe schon kurz nach dem Start vollständig in der Atmosphäre verglüht sei. Im Juli 2022 verdichtete sich das Rätsel um den Einschlag, als erste Aufnahmen zeigten, dass das Objekt nicht nur einen, sondern gleich einen Doppelkrater auf dem Mond hinterlassen hatte. Einen Doppelkrater hatten selbst die Experten nicht nur nicht erwartet, diese Kraterform verriet schon damals auch, dass das „Raketenteil“ an seinen beiden Enden ziemlich massereich gewesen sein muss. „Für gewöhnlich konzentriert sich die Masse einer ausgedienten Rakete am Antriebsende, da der Rest der Rakete hauptsächlich aus dem mittlerweile leeren Treibstofftank besteht“, so die NASA damals. „Da bislang aber die Herkunft dieses Raketenkörpers unbekannt ist, könnte der Doppelkrater also einen Hinweis auf die Herkunft des Objekts geben.“ (…GreWi berichtete)

Aktuell berichtet ein Team der University of Arizona, vom California Institute of Technology (Caltech), dem Project Pluto und dem Planetary Science Institute in einem Fachartikel im “The Planetary Journal” (DOI: 10.3847/PSJ/acffb8) es sich bei dem Einschlagsobjekt vom 4. März 2022 (WE0913A) um eine Booster-Rakete der chinesischen Mission “Chang’e 5-T1” gehandelt hatte, mit der China damals erste Machbarkeitstest ihrer folgenden Mondmissionen durchgeführt hatten.

Wie sich zeigte, wurde diese Stufe schon ganze sieben Jahre vor ihrem Einschlag auf dem Mond geortet, weshalb ihre Identität nun relativ eindeutig nachgewiesen werden kann.

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Auch die neue Studie bestätigt die bisherigen Vermutungen, dass die Stufe über ein bislang unbekanntes Zusatzteil verfügt haben muss. Für gewöhnlich handelt es sich bei solchen Booster-Stufen nur noch um eine mehr oder weniger leere Hülle mit einerm schweren Antrieb an einer Seite. Es ist diese Asymmetrie, die für gewöhnlich zum Schlingern der Stufe führt. Der Umstand, dass dieses Schlingern nicht zu beobachten war, deutet für die Autoren der aktuellen Studie daraufhin, dass sich an der gegenüberliegenden Seite irgendeine Form von Gegengewicht befunden haben musste, das das Schlingern ausglich.

Wie schon zuvor also richtig vermutet, sorgte dieses „Gegengewicht“ auch für den nicht minder ungewöhnlichen doppelten Einschlagskrater. Um was es sich bei diesem Gegengewicht handelte, ist bislang aber weiterhin unklar. Ein Kommentar der chinesischen Raumfahrtbehörde steht derweil noch aus.

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Recherchequelle: The Planetary Journal

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