UPDATE: Nepal zieht einige Yeti-Statuen als Maskottchen zurück

Lesezeit: ca. 3 Minuten
Eine mit heiligen Symbolen verzierte Yeti-Figur der Tourismus-Kampagne „Visit Nepal 2020“. Copyright/Quelle: nepalitimes.com

Eine mit heiligen Symbolen verzierte Yeti-Figur der Tourismus-Kampagne „Visit Nepal 2020“.
Copyright/Quelle: nepalitimes.com

Kathmandu (Nepal) – Seit vor Kurzem die nepalesische Tourismusbehörde überlebensgroße Statuen aufstellen ließ, die den Yeti als Mascottchen für die Tourismus-Inistiative “Visit Nepal 2020” darstellen sollen, regt sich landesweit Widerstand gegen die Statuen (…GreWi berichtete). Nachdem sich nun auch religiöse Gruppen gegen einige der Skulpturen ausgesprochen haben, hat die Behörde die Initiative an einigen Orten zurückgezogen.

Wie die „Nepali Times“ berichtet, hatten sich innerhalb einer Woche nach dem erstmaligen Aufstellen der Skulpturen nicht nur nepalesische Historiker über eine „falsche Darstellung des Yeti, die nicht mit den historischen Überlieferungen des mystischen Wesens gemein habe und dieses eher wie einen Sumo-Ringer zeige“ brüskiert (…GreWi berichtete), sondern auch religiöse Aktivisten.

Mit individuell gestalteten Skulpturen wie dieser (l.) wirbt Nepal 2020 um Touristen. Sie unterscheidet sich deutlich von historischen Darstellungen (r.), die den Yeti als affenartiges Wesen zeigen. Copyright: visitnepal2020.com

Mit individuell gestalteten Skulpturen wie dieser (l.) wirbt Nepal 2020 um Touristen. Sie unterscheidet sich deutlich von historischen Darstellungen (r.), die den Yeti als affenartiges Wesen zeigen. Copyright: visitnepal2020.com

Der Grund für letzteres Ärgernis, das sogar zu vereinzelten Beschädigung einiger bereits von Künstlern verzierter Skulpturen geführt hatte, war die Platzierung der Yeti-Statuen auch an religiösen Orten, die Dekoration der Skulpturen mit religiösen Symbolen oder der Gestaltung einer Yeti-Figur als „Kumari“, einer Inkarnation einer der höchsten hinduistischen Göttin Taleju.

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„Als ich die Stauen zum ersten Mal sah, dachte ich, es handele sich um Darstellungen von Hanuman (eine hinduistische Gottheit in Affengestalt) oder des Mahavira (dem Begründer der des Jainismus)“, erläutert Deepak Prasad Shrestha, vom Organisationskomitee des jährlichen Indra Jatra, einem hinduistischen Straßenfest in Kathmandu, gegenüber den „Nepali News“. „Dann dachte ich, sie könne auch einen lächelnden Buddha zeigen. (…) Offenbar ging es auch anderen Menschen so und einige fingen sogar an, die Statuen zu verehren. Schließlich ist der Yeti ein Wesen, dass es noch nicht einmal wirklich gibt.“

Das Aufstellen der Skulpturen an heiligen Orten sei zudem ohne jegliche Absprache mit den lokalen Verantwortlichen geschehen, erklärt Shrestha enttäuscht. „Dass dann auch noch eine Figur mit dem Symbol der Kumari, einer lebenden Gottheit, verziert wurde, war sehr unsensibel. Unsere Reaktion darauf konnte also nur negativ ausfallen.“

Es seien besonders die Beschwerden und Bedenken religiöser Gruppen gewesen, die die nepalesische Regierung dazu veranlasst haben, die Statuen zumindest von derart sensiblen Orten zurückzuziehen.

Hintergrund: Der Yeti
Was in Nordamerika als „Bigfoot“ oder „Sasquatch“ bezeichnet wird, ist im Himalaya der auch als „Schneemensch“ bezeichnete Yeti. Wie die über seine Verwandten weltweit, so sind auch die Berichte und Erzählungen über den Yeti bereits Jahrhunderte, wenn nicht sogar Jahrtausende alt. In den meisten Fällen wird der Yeti als großes, affenartiges aber auf zwei Beinen aufrechtgehendes und meist aggressives Wesen beschrieben. International Aufsehen erregten die Geschichten rund um den Yeti in moderner Zeit bereits in den 1920er Jahren, als Expeditionen zum Himalaya erstmals von großen Fußspuren im Schnee berichteten. Unzählige Menschen wollen ähnliche Abdrücke aber auch den Yeti selbst seither gesehen und in einigen Fällen sogar fotografiert und gefilmt haben. Neben der Vorstellung vom Yeti als wissenschaftlich noch nicht beschriebene Art und damit als ein sogenannter Kryptid, sehen Skeptiker (allen voran die Bergsteigerlegende Reinhold Messner) in den Geschichten vom Yeti nichts anderes als eine Verwechselung mit lokalen Bären. Auch Genanalysen angeblicher Haar- und Gewebeproben von Yetis, die ebenfalls zu dem Schluss kamen, dass die Legende vom Yeti auf Verwechselungen mit Bären zurückzuführen seien, konnten die Kontroverse um die Frage nach der Existenz des Yeti nicht gänzlich beilegen und wurden von Kryptozoologen kritisiert (…GreWi berichtete).

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl der wichtigsten GreWi-Meldungen rund um den Yeti, die Suche nach ihm und die fortwährende Kontroverse:

 

Bigfoot-Experte erklärt die von der indischen Armee entdeckten „Yeti-Fußspuren“ 1. Mai 2019
Experte kritisiert neue Yeti-DNA-Studie 29. November 2017
Kryptozoologen hoffen auf DNA-Beweise in Bigfoot-Nestern 23. Juni 2017
Yeti-DNA-Studie: Forscher zweifeln an Eisbären im Himalaya 17. März 2015
Yeti-DNA-Studie veröffentlicht: Kein Nachweis unbekannter Großprimaten 2. Juli 2014
Bigfoot-DNA-Studie: Gen-Analyse legt nahe, dass kaukasische Yetis Nachfahren bislang unbekannter Frühmenschen sein könnten 2. November 2013
Anthropologe und Bigfoot-Experte Dr. Jeff Meldrum kommentiert Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Yeti-DNA-Analyse 25. Oktober 2013

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Kontroverse um Yeti-Skulpturen in Nepal 30. Januar 2020

Quelle: Nepali News

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