Urzeit-Mikroben in 2,4 Kilometern Tiefe entdeckt

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Satellitenaufnahme der Kidd Mine in Onatrio, Kanada. Copyright: GoogleEarth

Satellitenaufnahme der Kidd Mine in Onatrio, Kanada.
Copyright: GoogleEarth

Kidd Creek (Kanada) – In der Kidd Mine im kanadischen Ontario haben Wissenschaftler nicht nur das älteste bislang entdeckte Wasser auf unserem Planeten, sondern darin auch mikrobisches Leben entdeckt, das hier vermutlich schon seit Jahrmillionen oder sogar Jahrmilliarden isoliert von der Oberfläche verborgen lagerte.

Im “Geomicrobiology Journal” (DOI: 10.1080/01490451.2019.1641770) berichten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen von der University of Toronto, dass mikrobische Zellen in den Sedimentproben aus der Mine auf eine Biosphäre innerhalb der Erdkruste und damit innerhalb einem Tiefengebiet hindeuten, die bislang als lebensfeindlich galt, da es zu kaum bis gar keinem Austausch mit der Oberfläche komme. Eine Analyse der vorgefundenen Mikroben legt nun nahe, dass diese sich von Sulfaten ernähren, die sie zu Schwefelwasserstoffen (H2S) reduzieren.

Hintergrund
Schon im Dezember 2018 hatten Wissenschaftler eine tief unter der Oberfläche existierende Biosphäre entdeckt, die mehrere Milliarden Mikroben (darunter Bakterien, Archen und mehrzellige Eukaryoten) beheimatet und kilometertief unter der Oberfläche existiert. Aus dieser Beobachtung schlussfolgerten die Forscher, dass bis zu 70 Prozent aller irdischen Mikroben in Tiefen existieren könnten, die bislang als für uns bekanntes Leben zu heiß, dunkel und nährstoffarm galten. Im Gegensatz zu ihren oberirdischen Gegenstücken, weisen diese Mikroben auch eine enorme Langlebigkeit auf. Auch die genetische Vielfalt dieser Mikroben scheint jener ihrer Gegenstücke an der Oberfläche in nichts nach zu stehen – könnte diese sogar übertreffen.

„Der Nachweis dieser sulfatreduzierenden Organismen in derartigen Tiefengewässern, sowohl in früher Vorzeit als auch heute noch, ist eine wichtige Entdeckung, die unser Wissen über tief unter der Oberfläche existierende Biosphären enorm erweitert“, schreiben die Autoren der aktuellen Studie. Die Entdeckung werfe zugleich Fragen darüber auf, wie lange mikrobische Ökosysteme – und damit auch Biomarker vergangenen Lebens – überdauern können.

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Die Wissenschaftler hoffen nun, anhand weiterer Untersuchungen mehr über in den Erdtiefen verborgene Biosphären und damit vielleicht auch über mögliches Leben auf dem Mars und im sonstigen Sonnensystem lernen zu können.

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Dunkle Biosphäre: Forscher finden Leben, wo es keines geben sollte 4. Oktober 2018

Quelle: University of Toronto

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