US-Verteidigungskomitee offenbart US-Geheimdienstinformationen zur Kalten Fusion

Lesezeit: ca. 3 Minuten

02646
Titelblatt des Fiskalberichts für 2017 des House United States House Committee on Armed Services.

Copyright: US Gov.

Washington (USA) – Das “House United States House Committee on Armed Services” entscheidet alljährlich über die Verwendung des Verteidigungsbudgets und kontrolliert die Aktivitäten der Streitkräfte der USA. In seinem aktuellen Bericht zum kommenden Fiskaljahr 2017 fordert der einflussreiche ständige Ausschuss des Repräsentantenhauses bis Ende September 2016 vom Verteidigungsministerium einen Bericht über den Stand der Erforschung sogenannter Kalter Fusion – also von Kernfusion bei mehr oder weniger Raumtemperatur – durch militärische und Regierungslabors in den USA und verweist auf zahlreiche Experimente in anderen Ländern. Zugleich gibt der Bericht einen einzigartigen Einblick in das Interesse des US-Militärs und seines Geheimdienstes auf diesem Gebiet.

UPDATE 15. Mai 2016, 19:00 Uhr: Wie der Kollege Ralf Bülow ermitteln konnte, handelt es sich bei dem Text um einen Entwurf eines einzigen Congressmans, Walter B. Jones. Dass der Textentwurf von Jones 1:1 für den Bericht übernommen wurde, nimmt dies den darin gemachten Aussagen und genannten Quellen (DIA und DARPA) zwar nicht die Bedeutung. Allerdings vermutet Bülow, dass sich Jones dabei “hauptsächlich auf bereits zuvor schon öffentliche Informationen und Medienberichte” beruft. Dennoch bleibt die Anweisung des Komittees zur Erstellung des Briefings durch das US-Verteidigungsministerium: Es dürfte also in jedem Fall spannend bleiben, ob auch diese dann veröffentlicht werden wird und – wenn ja – welche Aussagen und Informationen diese beinhalten wird.

In seinem Bericht zum “National Defense Authorization Act For Fiscal Year 2017” erläutert das Komitee seine Forderung nach einem Briefing über die sogenannte “Low Energy Nuclear Reaction”, kurz LENR-Technologie, wie folgt:

“Dem Komitee sind kürzliche positive Entwicklungen bei der Entwicklung von Kernreaktionen bei niedriger Energie (LENR) bekannt geworden, die ultrareine, kostengünstige und erneuerbare Energie produzieren, die schwerwiegende Auswirkungen für die nationale Sicherheit haben.

So handele es sich laut der ‘Defense Intelligence Agency’ (DIA = der US-Verteidigungsgeheimdienst), bei der LENR-Technologie, so sie funktioniert, um eine ‘zerstörerische Technologie, die sowohl die Energieproduktion als auch Energiespeicherung revolutionieren könnte’.

02645
Die LENR-Passage aus dem Bericht des House United States House Committee on Armed Services

Copyright: US Gov.

Dem Komitee ist ebenso bekannt, dass die Untersuchungsergebnisse der ‘Defense Advanced Research Project Agency’ (DARPA = Forschungsbehörde der US-Streitkräfte) belegen, dass andere Länder – darunter China und Indien – Fortschritte bei ihren LENR-Programmen machen und dass Japan sogar einen eigenen Investmentfond zur Förderung dieser Technologie eingerichtet hat.

Die DIA kommt zudem zu der Einschätzung, dass Japan und Italien auf diesem Forschungsfeld führend sind und dass Russland, China, Israel und Indien mittlerweile bedeutende Ressourcen für die Entwicklung der LENR-Technologie aufbringen.

Um die Auswirkungen dieser Entwicklungen für die nationale Sicherheit besser zu verstehen, weist dieses Komitee das Verteidigungsministerium an, bis zum 22. September 2016 einen Informationsbericht über die militärischen Nutzwerte jüngster LENR-Entwicklungen der US-Industrie, vorzulegen.

Dieses Briefing soll den derzeitigen Stand der (LENR-)Forschung in den USA untersuchen und aufzeigen, wie sich dieser von den internationalen Bemühungen unterscheidet, und hinzu eine Einschätzung darüber abgeben, welche Arten militärischer Anwendungen und potentiellen Nutzen diese Technologie haben könnte.”

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen GreWi-Newsletter bestellen +

Während die Vertreter der Kalten Fusion davon überzeugt sind, dass Wege existieren, bei denen unter es auch unter niedrigen Temperaturen zu einer Fusion von Atomkernen unter Entstehung großer Energiemengen kommen kann, erklären Kritiker die Kalte Fusion schon von jeher zu einer Pseudowissenschaft und stellen angebliche Erfolge in Frage. Im Gegensatz zur Kalten Fusion sind wissenschaftliche Großprojekte weltweit darum bemüht, die Kernfusion nach dem Vorbild unserer Sonne durch gewaltige Temperaturen kontrolliert nicht nur in Gang zu bringen sondern auch zur Energiegewinnung zu nutzen (…GreWi berichtete).

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
E-Cat-Reaktor: Ergebnisse dritter unabhängiger Testreihe zu Kalter Kernfusion veröffentlicht 10. Oktober 2014
Fusionsreaktor Wendelstein 7-X zündet erstes Wasserstoff-Plasma 4. Februar 2016

© grenzwissenschaft-aktuell.de