US-Kampfpiloten widersprechen Drohnen-Erklärung für „Navy-UFOs“

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Die „USS Theodore Roosevelt“ im Atlantik, 2015. Copyright: Public Domain

Die „USS Theodore Roosevelt“ im Atlantik, 2015.
Copyright: Public Domain

Washington (USA) – Seit im Dezember 2017 die „New York Times“ nicht nur ein bis dahin geheimes UFO-Forschungsprogramm des US-Verteidigungsministeriums sondern auch Sichtungen und Abfangversuche unidentifizierter Flugbobjekte (UFOs) durch Piloten der US-Navy enthüllte (…GreWi berichtete, s. Links u.), fragen sich nicht nur UFO-Enthusiasten, was oder wem die erfahrenen Piloten da begegnet sind. Gegenüber der New York Times (NYT) haben sich nun erneut betroffene Piloten geäußert und wiedersprechen den Versuchen von Skeptikern, die beobachteten und mittels Bordkameras und Radar dokumentierten Phänomene als Drohnen zu erklären.

KORREKTUR, 24. Juni 2019: In der ursprünglichen Version dieser Meldung wurde die Form eines der gesichteten Objekte als “in einem Würfel eingeschriebene Kugel” übersetzt. Tatsächlich beschrieb der Zeuge jedoch die umgekehrte Form, also ein “von einer Kugel eingeschlossener Würfel”. Dies wurde im folgenden Text korrigiert.

Zu den von den Piloten und anhand der Aufklärungstechnologien an Bord der Navy-Kampfjets beschriebenen und dokumentierten Eigenschaften der etwa vor der US-Ostküste von 2014 bis März 2015 georteten Objekte gehören unter anderem das Fehlen klassischer Merkmale konventioneller Flugzeuge wie Flügel, Steuer- und Höhenruder, sowie sichtbarer Antriebstechnologien (Propeller, Triebwerke), Hitzesignaturen im Infrarotbereich und Abgasfahnen, bis hin zur Fähigkeit sich – teilweise rotierend – auf bis zu 10.000 Metern Höhe mit Überschallgeschwindigkeiten gegen den Wind zu bewegen, plötzlich zu stoppen und abrupte Kehrtwendungen zu vollziehen.

Dem seit den Enthüllungen von Seiten der UFO-Skeptiker immer wieder hervorgebrachten Behauptung – bei den Objekten handele es sich um eigene fortgeschrittene Drohnen der US-Streitkräfte, die den Piloten – bewusst oder unbewusst – zu Trainingszwecken vorgesetzt wurden – wiedersprach unter anderem der Navy-Super-Hornet-Pilot Lieutenant Ryan Graves sowohl bereits gegenüber dem Pentagon, dem US-Kongress als auch aktuell gegenüber der “New York Times“:

„Diese Dinger waren da draußen (am Himmel) den ganzen Tag. (…) Und um ein Fluggerät in der Luft zu halten, bedarf es größeren Mengen an Energie. Angesichts der von uns beobachteten Geschwindigkeiten sind 12 Stunden in der Luft 11 Stunden länger, als wir erwarten würden.“

Zwar behauptet (bislang) niemand beim US-Verteidigungsministerium, dass es sich bei diesen Objekten um außerirdische Flugkörper handelt, doch waren die beobachteten Eigenschaften der Objekte ungewöhnlich genug, um die US-Navy zum Umdenken im Umgang mit derartigen Sichtungen durch die eigenen Piloten zu bewegen.

„In den vergangenen Jahren gab es eine ganze Anzahl von Berichten über unautorisierte und/oder unidentifizierter Fluggeräte in den Luftraum verschiedener militärisch kontrollierter Bereiche und militärisch ausgewiesener Flugzonen. (…) Aus Sicherheits- und geheimdienstlichen Gründen nimmt die U.S, Navy (aber auch die U.S. Air Force) diese Berichte sehr ernst und untersucht jeden einzelnen dieser Berichte.“ Im Rahmen dieser Bemühungen werde nun auch der Meldeprozess für derart verdächtige Vorfälle überarbeitet, um diese den jeweils sachverständigen Stellen zukommen zu lassen. Derzeit sei „eine neue Vorgabe an die Flotte in Arbeit, die die einzelnen Schritte einer solchen Meldung erläutert“.

Zugleich unterstreicht die Navy in ihrem Statement an „Politico“ aber auch, dass man „mit diesem Schritt nicht die Vorstellung stütze, dass die Soldaten außerirdischer Raumschiffe gesehen hätten.“ Aber man gestehe ein, „dass es genug merkwürdiger Sichtungen im Luftraum durch glaubwürdiges und hochqualifiziert ausgebildetes Militärpersonal gegeben habe und gebe, anhand derer die Notwendigkeit einer offiziellen Dokumentation und Untersuchung (der Vorfälle) hervorgehe, statt diese einfach nur als irgendwelche ‚spinnerten Phänomene‘ aus dem Bereich der Science-Fiction abzutun.“ (…GreWi berichtete).

Gemeinsam mit Lieutenant Danny Accoin war Graves im Sommer 2014 Teil des Kampfgeschwaders VFA-11 „Red Rippers“ an Bord des Flugzeugträgers „USS Theodore Roosevelt“ (CVN-71) in einem Trainingseinsatz vor der Naval Air Station Oceana an der Küste von Virginia. Die beiden Piloten gehören zu den wenigen Zeugen, die namentlich u.a. gegenüber der NYT von ihren Sichtungen berichteten. Drei weitere Piloten des Geschwaders haben gegenüber der Times anonym von den Vorfällen berichtet.

Die drei bislang veröffentlichten UFO-Videos, erstellt von Bordkameras und Aufklärungssystemen an Bord von Kampfjets der US-Navy. Quelle: New York Times / ToTheStarsAcademy / U.S. Department of Defense

Wie die NYt aktuell unter Berufung auf die Pilotenzeugen berichtet, begannen die Sichtungen und Nahebegegnungen mit unidentifizierten Flugobjekten durch Navy-Piloten, nachdem die Radarsysteme der Maschinen, die noch auf Technologien aus den 1980er Jahren basierten – nach und nach mit fortschrittlicherer Technologie ausgestattet wurden: „Je mehr Maschinen mit dem neuen Radar ausgerüstet wurden, umso mehr Piloten begannen, diese Objekte zu orten. Zunächst dachten sie jedoch, es handele sich um falsche Radarziele.“

„Unsere Leute beobachten schon seit Jahrzehnten merkwürdige Dinge“, zitiert die NYT Lt. Graves. „Bei unseren Übungen handelt es sich um ein komplexes Manöver, bei dem wir auf 10.000 Meter (30.000 ft) ansteigen und dann nach unten abtauchen. Es wäre schon wirklich sehr seltsam dort oben auf etwas (unbekanntes) zu treffen. (…) Dennoch zeigten sich die beschriebenen Objekte sowohl auf 30.000, auf 20.000 Fuß aber ebenso auf Meeresniveau. Sie könnten beschleunigen, abbremsen und dann wieder mit plötzlicher Überschallgeschwindigkeit davonschießen.“

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Lt. Accoin will gleich zweimal mit den unbekannten Flugobjekten interagiert haben. Beimersten Mal habe er das Objekt zwar auf dem Radar, nicht aber durch seine Helmkamera sehen können. Wenige Tage später war er erneut auf einer Trainingsmission, während derer es ihm sogar gelungen sei, das Objekt nicht nur mittels Radar, sondern auch mit der Bord-Infrarotkamera zu orten: „Ich weiß, dass ich es erfolgreich anvisiert hatte und ich weiß, dass das kein ‚falscher Treffer‘ war. Allerdings konnte ich es nicht visuell wahrnehmen.“

Tatsächlich spekulierten damals selbst die Navy-Piloten darüber, ob es sich bei den Objekten um ein geheimes Drohnen-Programm handeln könnte, berichtet die NYT weiter. „Dann aber, begannen die Piloten die Objekte auch zu sehen. Ende 2014 war Lt. Graves auf der Navy-Basis Virginia Beach stationiert, als ein Geschwader-Pilot „völlig schockiert“ von einem Einsatz zurückgekommen sei. Dieser habe berichtet, fast mit einem der Objekte zusammengestoßen zu sein.

„Der Pilot und sein Wingman (ein Begleitpilot in einem zweiten Flugzeug) flogen in einer Tandemformation etwa 100 Meter voneinander entfernt über dem Atlantik als sich plötzlich etwas zwischen die beiden Maschinen setzte. Der Pilot beschrieb dieses Objekt wie „ein von einer Kugel umschlossener Würfel“. Der Pilot, so berichtete Graves, war von dem Vorfall derart entsetzt, dass ein Luftsicherheitsbericht angefertigt wurde.

In Folge dieses und anderer, ähnlicher Vorfälle waren die Navy-Piloten fortan überzeugt, dass es sich nicht um Objekte eines geheimen Drohnen-Programms handele: „Regierungsvertreter hätten schließlich gewusst, dass die Piloten zu dieser Zeit und an diesem Ort trainierten und hätten folglich keine Drohnen steigen lassen, die beinahe Zusammenstöße mit den Maschinen provoziert hätten. (…) Diese Vorfälle wurden plötzlich zu einem Sicherheitsrisiko. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis es zu einem Zusammenstoß in der Luft gekommen wäre.“

Laut den Piloten sei das Merkwürdigste an den Vorfällen die Fähigkeit der Objekte gewesen, auf Überschallgeschwindigkeiten zu beschleunigen, dann aber plötzlich anzuhalten und unmittelbare Kehrwendungen zu vollziehen. Tatsächlich liegen derartige Manöver deutlich jenseits der physikalischen Grenzen einer bemannten Crew: „Die Geschwindigkeit selbst, tötet keinen Pilot“, so Graves, „Was einen töten würde, ist ein plötzlicher Stopp oder derartige Beschleunigungen.“

Auf Anfrage durch die NYT-Journalisten, was sie selbst glaube, um was es sich bei den beobachteten und georteten Objekten handele, verweigerten die befragten Piloten jegliche Spekulation erklärten aber weiter: „Wir haben Helikopter, die schweben können. Wir haben Flugzeuge die ebenso auf 10.000 Meter Höhe wie auf Bodenniveau fliegen können. „Jetzt müssen Sie diese Eigenschaften aber noch in einem Gerät miteinander kombinieren, dass zudem weder über konventionelle Antriebe noch Abgasstrahlung verfügt. (…) Wir waren damals vor Ort, um unseren Job zu erledigen, nicht um uns irgendwelche Märchen auszudenken.“

Nach den Trainingseinsätzen vor der US-Ostküste wurde die Roosevelt im Rahmen des Einsatzeng gen den sog. Islamischen Staat im Irak und Syrien 2015 an den Persischen Golf verlegt, wo die UFO-Zeugen nun Angriffe flogen. Von dieser Zeit an, so schließt der Artikel der New York Times, gingen die unidentifizierten Sichtungen durch die zitierten Navy-Piloten zurück.

…Lesen Sie den vollständigen Original-Artikel der „New York Times“ HIER

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