US-Navy veröffentlicht Pilotenberichte zu Beinahe-Kollisionen mit (un)bekannten Flugobjekten

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Symbolbild. Copyright: grewi.de

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Washington (USA) – Nur wenige Wochen nach der offiziellen Freigabe dreier UFO-Videos der US-Navy durch das US-Verteidigungsministerium hat die Navy acht sogenannte „Hazard Reports“ ihrer Piloten über Beinahe-Kollisionen von Kampfjets mit unbekannten Flugobjekten veröffentlicht. Die Brisanz dieser Berichte ist jedoch fraglich.

Veröffentlicht wurden die acht als „unklassifiziert“ und mit dem Vermerk “For Official Use Only” versehenen Berichte auf Anfrage der Rubrik „TheWarZone“ auf „TheDrive.com“ unter Berufung auf das US-Informationsfreiheitsgesetzt (FOIA). Sieben der Berichte stammen aus den Jahren 2013 und 2014, der achte von 2019.

Während „TheWarZone“ die Dokumente als für eine bessere Bewertung der drei zuvor veröffentlichten UFO-Videos (…GreWi berichtete) geeignet einstuft, zeigen sich andere Beobachter (darunter auch GreWi-Hrsg. Andreas Müller) von diesen Berichten und ihrer Bedeutung für die besagten UFO-Videos und andere ungeklärte Sichtungen durch Navy-Piloten und sonstiger US-Militärs weniger überzeugt.

Tatsächlich ist die Freigabe solcher Berichte weniger sensationell als es zunächst erscheinen mag – handelt es sich doch nicht um Meldungen zu Sichtungen von als „unidentifziert“ bewerteter Flugobjekte und Phänomene (Unidentified Flying Objects = UFOs oder Unidentified Aerial Phenomena = UAPs), sondern eigentlich um klassische „Gefahrenberichte“ von Piloten zu Beinahe-Kollisonen mit zur Flug- und Beobachtungszeit unbekannten bzw. nicht zu identifizierenden Flugobjekten und Fluegzeugen; von denen die meisten schon in den Berichten eher als konventionelle Objekte beschrieben werden, deren Aufenthalt im von den Kampfjets beanspruchten Luftraum lediglich unbekannt oder auch nicht registriert, geschweige denn genehmigt und damit unerwartet war.

– Im Fall der Begegnung einer F/A-18F Super Hornet des Strike Fighter Squadron 11 vom 27. Juni 2013 beschrieb die Crew ein “weißes Flugzeug von etwa der Größe und Form einer Drohne (Anm. GreWi: gemeint ist wohl eher eine militärische Drohne und kein Multikopter) oder einer Rakete“.

– Am 18. November 2013 begegnete die Crew einer F/A-18E Super Hornet, des Strike Fighter Squadron 143 laut Bericht einem „weißen Flugzeug mit einer Flügelspannweite von 5ft, das keine weiteren erkennbaren Merkmale aufwies“. Dieser Fall (und vermutlich das gleiche Objekt) wird von zwei der Berichte beschrieben.

– Ebenfalls eine F/A-18E Super Hornet, nun jedoch Teil des Strike Fighter Squadron 106 begegnete am 26. März 2014 einem „unbekannten kleinen, etwa Reisekoffer-großen, silberfarbenen Flugzeug“, das lediglich vom Piloten visuell, nicht aber mittels Radar registriert wurde und als „UAS“ (unmanned aerial system) also als „unbemanntes Luft(-fahrt) System“ bezeichnet wird. (Anm. GreWi: Dies ist eigentlich der einzige der acht Fälle, der aufgrund der Objektbeschreibung ansatzweise in die Kategorie UFO/UAP im engeren Sinne zu passen scheint.)

– Der fünfte Bericht beschreibt einen Vorfall am 23. April 2014, während dem eine F/A-18F Super Hornet, des Strike Fighter Squadron 11 “mehrere UADs (also unmanned aerial devices; dt. Unbemanntes Luftgerät) begegnete, die von der Crew zunächst auf dem Radar registriert wurden und sich offenbar nicht bewegten.” (Anm. GreWi: Als UAD werden, ähnlich wie UAV = ‘unmanned aerial vehicle’ für gewöhnlich technische Fluggeräte bezeichnet, deren Bauart vielleicht nicht im Detail identifiziert werden kann, grundsätzlich aber bekannt sind. Neben technischen Geräten erlaubt diese Definition auch Ballone zu beschreiben.) Die Objekte konnten dann auch mit dem Aufklärungs- und Zielerfassungssystem „Advanced Targeting Forward Looking Infrared“ (ATFLIR) getrackt und bestätigt werden. Zwei Objekte, die jedoch nur visuell gesichtet wurden, seien hingegen sehr schnell geflogen, konnten aber nicht mittels Radar bestätigt werden.

– Am 24. April 2014 orteten gleich zwei F/A-18F Super Hornets des Strike Fighter Squadron 11 ebenfalls mehrere „UADs“, die zwar mittels der Bordinstrumente nicht aber weiterführend visuell gesichtet, also auch nicht weiterführend beschrieben werden konnten.

– Drei Tage später, am 27. April 2014 kam dann eine F/A-18F Super Hornet des Strike Fighter Squadron 11 einem „ballonartigen Objekt“ zu nahe.

– Der achte und letzte Fall beschreibt dann sogar ohne Umschweife die Nahebegegnung einer EA-18G Growler des Air Test and Evaluation Squadron 23 am 13. Februar 2019 mit einem “roten Wetterballon” auf 27.000ft Höhe.

Wie sich zeigt, haben diese Berichte kaum etwas mit den bekannten Vorfällen rund um die drei vom Pentagon jüngst freigegebenen UFO-Videos und den dazugehörigen Zeugenaussagen von Piloten und weiteren Navy-Mitarbeitern über das komplexe und extreme Erscheinungsbild und Flugverhalten der Flugobjekte gemein. Und auch die „WarZone“ zeigt sich verwundert darüber, dass trotz gezielter Anfrage zur Nimitz-Sichtung (Tic-Tac) keine entsprechenden „Hazard Reports“ veröffentlicht wurden.

– Den vollständigen „TheWarZone“-Artikel mit allen acht Originaldokumenten finden Sie HIER

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Quelle: TheDrive.com

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