US-Pentagon bestätigt laufende UFO-Untersuchungen

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Symbolbild: Air-Force-Jet über dem Pentagon. Copyright: Gemeinfrei

Symbolbild: Air-Force-Jet über dem Pentagon.
Copyright: Gemeinfrei

Washington (USA) – Im Dezember 2017 enthüllte die “New York Times” mit dem “Advanced Aerospace Threat Identification Program” (AATIP) ein von 2007-2012 laufendes Erforschungs- und Untersuchungsprogramm des US-Verteidigungsministeriums u.a. über unidentifizierte Flugobjekte. Aus jüngsten Stellungsnahmen des Pentagon gegenüber Journalisten, UFO-Forschern und zur offiziellen Freigabe dreier UFO-Videos der US-Navy ergeben sich deutliche Hinweise darauf, dass die Untersuchung von „unidentifizierten Phänomenen im Luftraum“ (unidentified aerial phenomena = UAPs) mit Beendingung von AATIP aber nicht abgeschlossen wurden, sondern bis heute ressortübergreifend von US-Geheimdiensten und -Militärs fortgeführt wird.

Schon im Statement des Pentagon zur Freigabe dreier von Navy-Kampfjets erstellten Mitschnitten der Bordsysteme, die bis heute vom Pentagon als „unidentifiziert“ eingestufte Flugobjekte bzw. UAPs zeigen, heißt es:

„(…) Nach einer eingehenden Prüfung hat das Ministerium entschieden, dass eine autorisierte Veröffentlichung/Freigabe dieser unklassifizierten Videos keine sensiblen Fähigkeiten oder Systeme preisgibt und auch nicht mit anschließenden militärischen Untersuchungen der Verletzung des militärischen Luftraumes (der USA) durch unidentifizierte Phänomene im Luftraum kollidiert.“

Schon hier könnte man also ableiten, dass solche Untersuchungen auch heute noch durchgeführt werden. Tatsächlich – das zeigen jüngste Veröffentlichungen sogenannter “Hazard Reports”– werden zumindest Vorfälle mit anderen Flugobjekten (bekannter oder unbekannter Natur und Herkunft) standardmäßig in derartigen “Gefahrenberichten“ dokumentiert. Da hierbei aber nicht nur UFOs im eigentlichen oder gar exotischen Sinne, sondern jegliche Flugobjekte aufgeführt werden, die Flugzeugend es US-Militärs zu nahe kommen und so ein Risiko von Beinahekollisionen darstellen, sollten derartige Berichte nicht als UFO-Sichtungen im engeren Sinn gewertet werden (…GreWi berichtete, siehe dazu auch den folgenden „Hintergrund“).

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Eindeutiger sind da hingegen die jüngsten Antworten und Ausführungen der Pentagon-Sprecherin Susan Gough auf Anfragen des schwedischen UFO-Forschers Roger Glassel von UFO-Sveden.

Auf die Frage Glassels, ob es innerhalb der Navy (US Marine) Bemühungen gibt, Sichtungen „unidentifizierter Phänomene im Luftraum“ (UAPs) zu untersuchen und ob es dafür ein Zentralbüro, -Programm oder -Rat gibt, das/der solche Sichtungen untersucht, antwortete Susan Gough:

„Unter der Kenntnis des Unterstaatssekretärs für Geheimdienste (USD (I)) gibt es ein Behörden- und Resort-übergreifendes Team (interagency team), das mit der Erfassung von Daten und der Durchführung von Untersuchungen zu einer ganzen Reihe von Verletzungen des Luftraumes beauftragt ist. Da die meisten der kürzlich gemeldeten Sichtungen von Marinefliegern stammen, führt die Navy einen Großteil dieser Bemühungen an. Alle Berichte über solche Verletzungen werden zur Einbeziehung in den Gesamtaufwand an dieses Team gesendet, wodurch sie für die Analyse verfügbaren Daten maximiert werden.“

(Original: Under the cognizance of the Undersecretary of Defense for Intelligence (USD(I)), there is an interagency team charged with gathering data and conducting investigations into range incursions. As the preponderance of recent/reported sightings are from naval aviators, the Navy is leading much of the effort. All reports of range incursions are sent to this team for inclusion in the overall effort, thus maximizing the data available for analysis.)

Auf die Frage, wie viele solcher Untersuchungen derzeit durchgeführt werden, heißt es:

„Da die Untersuchung von Sichtungen unidentifizierter Phänomene im Luftraum (UAP) weiterhin andauern, werden wir keine Aspekte individueller Sichtungsberichte oder Beobachtungen öffentlich diskutieren, auch nicht die Anzahl und Frequenz solcher Sichtungen.

(Original: As the investigation of unidentified aerial phenomena (UAP) sightings is ongoing, we will not discuss any aspect of individual sighting reports / observations, including frequency of sightings.)

Hintergrund
Auch zur innerhalb der US-Navy (und vermutlich auch der restlichen US-Streikräfte und Dienste) verwendeten Terminologie finden sich in Goughs Antworten an Glassel aufschlussreiche und präzise Aussagen und Antworten.

So erklärt sie auf die Frage, ob die Navy den Begriff „Anomalous Aerial Vehicles“ (AAV) im Rahmen der UAP-Untersuchungen verwendet, folgendes:

„Wenn ein beobachtetes Objekte NICHT unmittelbar identifiziert werden kann, so bezeichnen die Navy und/oder das Department of Defense (DOD) dieses als UAP (unidentified aerial phenomena). Der allgemeine Begriff UAP wird zur (internen) Kommunikation verwendet, um Vorurteile gegenüber den Ergebnissen jeglicher Untersuchung zu vermeiden. Wenn wir das Objekt dann identifizieren können, nutzen wir auch den angemessenen Begriff. Ein Quadkopter würde beispielsweise als Unmanned Aerial Vehicle (UAV) or Unmanned Aerial System (UAS), also als „unbemanntes Fluggerät/System“, bezeichnet. Den Begriff ‘Anomalous Aerial Vehicles” (AVV) benutzen weder die US-Navy noch das DoD. Das DoD nutzt das Kürzel AVV für “Amphibious Assault Vehicles” (dt.: amphibische Angriffsfahrzeuge).“

Zudem sei der AAV-Begriff (im Sinne von „Anomalous Aerial Vehicles“, also „anormales Fluggerät“) hier und da innerhalb der für AATIP erstellten „technischen Artikel“ von Vertragspartnern verwendet worden (…GreWi berichtete). Dennoch handele es sich nicht um einen vom DoD als solchen verwendeten Begriff.

Auf Glassels Anfrage, ob die Bemühungen der US-Navy zu Untersuchungen von Luftraumverletzungen durch UAPs Teil einer gemeinsamen Anstrengung zur „Abwehr von unbemannten Flugzeug-Systemen“ (Counter Unmanned Aircraft Systems = C-UAS) sind, schreibt Gough:

„Die US-Navy und das Verteidigungsministerium (Department of Defense = DoD) nehmen diese Berichte sehr ernst und untersuchen wirkliche jeden Bericht. Jede Verletzung unserer Hoheitslufträume durch jegliche Flugzeuge und Fluggeräte – identifizierbar oder nicht – stellen ein Problem für deren Sicherung und Sicherheit dar. Die Sicherheit unserer Flugzeugbesatzungen ist von größer Bedeutung. Unautorisierte und unidentifizierte Flugzeuge stellen ein Risiko für die Flugsicherheit dar. Hinzu ist es für unserer Operationen überlebensnotwendig, deren Sicherheit zu gewährleisten. Unsere Piloten trainieren ebenso wie sie kämpfen. Jegliche Verletzung (dieses Luftraumes), der die Sicherheit unserer Operationen, Einsätze, Taktiken und Prozedere kompromittiert, ist für uns von großer Bedeutung.“

(Original: The U.S. Navy and the Department of Defense take these reports very seriously and investigate each and every report. Any incursion into our ranges by any aircraft, identified or not identified, is problematic from both a safety and security concern. Safety of our aircrews is paramount. Unauthorized and unidentified aircraft pose a risk to flight safety. Additionally, it is vital we maintain security on our operations. Our aviators train as they fight. Any intrusions that may compromise the security of our operations, tactics, or procedures is of great concern.)

Auf die Frage, ob die US-Navy UAPs proaktiv untersucht oder ob entsprechende Untersuchungen erst anlaufen, wenn es zu einer berichteten Sichtung kam bzw. kommt, erläutert Susan Gough zwar ausweichend aber dennoch vielsagend:

„Die US-Navy und das Verteidigungsministerium (Department of Defense = DoD) nehmen diese Berichte sehr ernst und untersuchen wirkliche jeden Bericht. Dokumentierte Berichte von Sichtungen durch US-Militärpersonal bilden die Grundlage für den Untersuchungsvorgang. Die Untersuchungen von UAp-Sichtungen durch eine Behörden- und Resort-übergreifende Einsatztruppe (multi-agency task force) dauern bis heute an.

(Original: The U.S. Navy and the Department of Defense take these reports very seriously and investigate each and every report. Documented reports of sightings by military personnel form the basis for the investigation process. The investigation of UAP sightings by the multi-agency task force is ongoing.)

Schon zuvor hatte Roger Glassel einen umfangreichen Fragekatalog zu AATIP beim Pentagon eingereicht und gemeinsam mit den Antworten neue Einblicke in das Forschungsprogramm ermöglicht (…GreWi berichtete).

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Quelle: Roger Glassel, DoD

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