Vorwurf Zauberei: Katholische Schule verbannt Harry Potter aus Schulbibliothek

Lesezeit: ca. 3 Minuten
Symbolbild zur Harry-Potter-Romanwelt (Illu.) Copyright/Quelle: inspiredbythemuse (via Pixabay.com) / Pixabay License

Symbolbild zur Harry-Potter-Romanwelt (Illu.)
Copyright/Quelle: inspiredbythemuse (via Pixabay.com) / Pixabay License

Nashville (USA) – Erneut macht eine katholische Schule in den USA durch die Entfernung der Harry-Potter-Bücherserie aus den Regalen der Schulbibliothek von sich reden. Die Begründung des Schulpastors: Die Geschichten rund um den Zauberlehrling seien gespickt mit „echter Magie“. Doch nicht nur in den USA sind Kinderbücher mit magischen Inhalten selbsternannten Sittenwächtern ein Dorn im Auge – und die Kritik kommt erstaunlicherweise nicht nur aus religiösen Kreisen.

Wie die Lokalzeitung „The Tenessean“ berichtet, habe Pastor Rev. Dan Reehil der örtlichen „Roman Catholic Parish School“ in einer E-Mail erklärt, die siebenteilige Bücherreihe der britischen Autorin J. K. Rowling sei aus den Regalen entfernt worden, weil darin „Magie sowohl als gut und böse dargestellt“ werde. Dies sei jedoch nicht richtig, sondern „in Wirklichkeit eine clevere Täuschung (…) Die Flüche und Zaubersprüche in den Büchern sind wirkliche Flüche und Zaubersprüche, die, wenn sie von menschlichen Wesen gelesen werden, das Risiko bergen, damit im Umfeld dieser Menschen böse Geister zu heraufzubeschwören.“

Grundlage für seine Entscheidung, die Bücher aus dem Angebot der Schulbücherei zu entfernen, sei eine Rücksprache mit „mehreren Exorzisten in den USA und in Rom“ gewesen, die eine Empfehlung zur Entfernung der Bücher ausgesprochen hätten.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

Auf den Vorgang angesprochen erklärte die Verantwortliche der Diözese in Nashville in schulischen Angelegenheiten, Rebecca Hammel, dass es keine allgemeine Vorgabe von Seiten der Kirche für den Umgang mit entsprechenden Büchern gebe, dass aber jeder Pastor die „kanonische Authorität, solche Entscheidungen für seine Schule zu treffen“, habe. Zugleiche verwies Hammel auf den Umstand, dass die Bücher an einigen anderen Schulen der Diözese weiterhin in den Büchereien zu finden seien. Man sehe aber in erster Linie die Eltern der Kinder in der Pflicht zu entscheiden, welche Medieninhalte ihre Kinder nutzen sollen oder nicht: „Zensur ist bei solchen Auswahlen nicht unser Ziel. Wir wollen nur sicherstellen, dass unserer Schulbüchereien auch altersgerechte und hochwertige Inhalte für die Klassen anbieten.“

Hintergrund
Tatsächlich sind die Harry-Potter-Romane schon lange Inhalt zahlreicher Kontroversen. Innerhalb der katholischen Kirche machte besonders der ehemalige Chef-Exorzist des Vatikan, der 2016 verstorbene Pater Gabriele Amorth von sich Reden, wenn er wiederholt nicht nur Yoga sondern auch die Abenteuer von Rowlings Zauberlehrling als „Teufelswerk“ bezeichnete und ebenfalls unterstellte, diese Inhalte seien „nur auf den ersten Blick harmlos“. In Wirklichkeit hätten „sowohl Yoga als auch Potter etwas mit Magie zu tun und führen zum Teufel” (…GreWi berichtete).

Tatsächlich sind es aber nicht nur religiöse Kreise, die in Romanen, Märchen und modernen Erzählungen mit magischen Inhalten eine Gefahr wittern: 2008 warnte der sonst gerade für seine Kritik an den Religionen ebenso bekannte wie umstrittene Atheist, Skeptiker und Erfolgsautor Professor Richard Dawkins vor dem angeblich schädlichen Einfluss von Märchen und Erzählungen rund um Hexen und Zauberei und nannte etwa das Märchen vom „Froschkönig“ und Harry Potter als Beispiele. Derartige Inhalte, so Dawkins gegenüber dem „Daily Telegraph“ verführten die jugendlichen Leser zu antiwissenschaftlichem Denken. Ein damals geplantes Buch Dawkins‘ stelle den Versuch dar, den Jugendlichen beizubringen, wie man über die Welt denken soll: “Wissenschaft als Kontrast zu mythischem Gedankengut”. Laut Dawkins gehe es darum, den Kindern eigenes Denken beizubringen und immer Aussagen und Beweise selbst zu überprüfen. (…GreWi berichtete).

Den Unterstellungen sowohl durch Kirchengläubige als auch durch selbsternannte wissenschaftliche Aufklärer widersprach hingegen schon 2007 eine Untersuchung des (interessanterweise ebenfalls katholisch geführten) Saint Joseph College im US-Bundesstaat Connecticut: Entgegen der Befürchtung magische Märchen und Erzählungen würden Kinder und Jugendliche zu Aberglauben oder gar Okkultismus verleiten, kam die Studie zu dem Schluss, dass die Potter-Bücher hingegen sogar positive Botschaften vermitteln, da es darin um „moralische Werte wie Mut und Freundschaft“ gehe, erklärte die an der Studie beteiligte Psychologin Dr. Mary Whitney im „Journal of Research in Character Education“. Eine Auswertung spezifischer Fragestellungen über Magie und Okkultismus nach der Potter-Lektüre ergab denn auch, dass sowohl bei Kindern, Jugendlichen wie auch bei Erwachsenen kein gesteigertes Interesse oder gar Wissen an diesen Themen festgestellt werden konnte. Selbst Kinder bibeltreuer Christen hätten nach dem Lesen keine derartigen Anzeichen aufgezeigt. Stattdessen blieben vielmehr die Kernaussagen über die Wichtigkeit von Freundschaft, Mut und der Wert gesellschaftlicher Regeln bei den Lesern hängen, so die Studie (…GreWi berichtete).

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Kontroverse um Okkultes und Magie in Kinderbüchern 2. Dezember 2008
Dawkins contra Harry Potter und Froschkönig 29. Oktober 2008
Studie: Potter verführt Jugend nicht zu Okkultismus 16. August 2007

Quellen: The Tenessean

© grenzwissenschaft-aktuell.de