Wahrscheinlich saisonal flüssiges Schmelzwasser auf dem Mars

Schon 2003 entdeckten Wissenschaftler helle Ablagerungen, die sie für Wassereislager und deren Schmelze im Mars-Sommer für die Ursache der darunterliegenden Abflussrinnen-Strukturen hielten (l.). Auf neueren Aufnahmen entdeckten die Forschenden dann hellere Ablagerungen, die sie für seither freigelegte Teile des besagten Eises halten (r.). Copyright: NASA/JPL/University of Arizona
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Schon 2003 entdeckten Wissenschaftler helle Ablagerungen, die sie für Wassereislager und deren Schmelze im Mars-Sommer für die Ursache der darunterliegenden Abflussrinnen-Strukturen hielten (l.). Auf neueren Aufnahmen entdeckten die Forschenden dann hellere Ablagerungen, die sie für seither freigelegte Teile des besagten Eises halten (r.). Copyright: NASA/JPL/University of Arizona

Schon 2003 entdeckten Wissenschaftler helle Ablagerungen, die sie für Wassereislager und deren Schmelze im Mars-Sommer für die Ursache der darunterliegenden Abflussrinnen-Strukturen hielten (l.). Auf neueren Aufnahmen entdeckten die Forschenden dann hellere Ablagerungen, die sie für seither freigelegte Teile des besagten Eises halten (r.).
Copyright: NASA/JPL/University of Arizona

Tucson (USA) – US-Planetenwissenschaftler haben auf dem Mars bis in niedrige Breitengrade staubiges Wassereis ausfindig gemacht. Schmilzt dieses Eis im Mars-Sommer, könnte es nicht nur für die viel diskutierten Abflussstrukturen verantwortlich sein, sondern auch jene Orte aufzeigen, an denen heute noch Leben auf dem Mars existieren könnte.

Wie das Team um Aditya Khuller und Philip Christensen von der Arizona State University aktuell im „Journal of Geophysical Research: Planets“ (DOI: 10.1029/2020JE006539) berichtet, war zwar schon zuvor bekannt, dass es auf dem Mars neben Trockeneis auch große Wassereislager gibt, doch zeige die Studie erstmals auch jene Eislager auf, die sich nahe genug zum Äquator finden, dass dieses Eis saisonal schmelzen könne.

Bereits vor zwei Jahrzehnten hatte Professor Christensen auf Satellitenaufnahmen des Mars an Abhängen mit Abflussrinnen-artige Strukturen glatte Ablagerungen entdeckt, die wie mit Staub bedeckte, schmutzige Schneelager aussahen. Schon damals führt die Entdeckung dazu, dass Christensen und Kollegen vermuteten, dass die Abflussrinnen durch das Aufschmelzen dieses „schmutzigen Eises“ verursacht werden und stützen ihre Theorie mit Computersimulationen, die aufzeigten, dass entsprechende Eislager auf dem Mars tatsächlich auch nur dann schmelzen, wen das Eis verschmutzt und staubig ist.

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Als Aditya Khuller jüngst dann neuere und hochauflösendere Aufnahmen jener Strukturen, die Christensen zwanzig Jahre zuvor entdeckt hatte, analysierte, entdeckte er deutliche Veränderungen: „Es gab da nun diese helleren Ablagerungen auf den neueren Aufnahmen, die in den ursprünglich Bildern nicht vorhanden waren. Diese helleren Ablagerungen waren genau dort zu finden, wo Christensen sie schon vor 20 Jahren vorhergesagt hatte.”

Auf der Grundlage dieser Beobachtungen fand Khuller dann weitere, bislang unbekannte Orte mit entsprechenden Ablagerungen. Anhand der Helligkeit dieser Ablagerungen konnten die Forscher nun bestimmen, dass es sich auch hier und tatsächlich um schmutziges Wassereis handelt – Eislager also, die die Farbe schmutzigen Schnees auf der Erde haben.

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Die Entdeckung könnte Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zukünftig dabei behilflich sein, Orte ausfindig zu machen, an denen der Mars selbst heute noch Leben beherbergen kann, weil dort in den Sommermonaten immer wieder kleine Mengen flüssigen Wassers entstehen.

Während es an den Mars-Polen reichlich Wasser in gefrorener Form gibt, lagert es hier jedoch zu hoch, um es ohne größere Aufwände abbauen zu können. Zudem liegen die Pole derart, dass sich dort nur schwer mit Hilfe etwa von Sonnenkollektoren Energie zum Abbau gewinnen lässt. Wassereislager in der Nähe des Äquators könnten hingegen in sehr viel bequemere Reichweite zukünftiger Mars-Astronauten liegen, „so nahe an der Oberfläche, dass sie vielleicht sogar schon mit Schaufeln geborgen werden könnten“, so die Autoren der Studie.

„Wir glauben, dass diese Eislager die besten Kandidaten für jene Orte sind, um nach kleinen Mengen flüssigen Wassers in den Sommermonaten und damit auch nach Orten zu suchen, wo es heute noch Leben auf dem Mars geben könnte.“




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Quelle: Arizona State University

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