Astronomen vermuten weitere und wandernde supermassereiche Schwarze Löcher in der Milchstraße


Künstlerische Darstellung eines supermassereichen Schwarzen Lochs im Zentrum einer Spiralgalaxie (Illu.).

Copyright: Yale University

New Haven (USA) – Das Zentrum aller hellen elliptischen Galaxien und im Bulge aller Spiralgalaxien bildet jeweils ein supermassereiches Schwarzes Loch. Dieses Szenario ist mittlerweile sogar durch populärwissenschaftliche Literatur allseits bekannt. In einer neuen Studie zeigen Astronomen nun jedoch, dass Spiralgalaxien wie unsere Milchstraße nicht nur eines, sondern gleich mehrere supermassereiche Schwarze Löcher beheimaten und diese ihre Galaxien sogar weiträumig durchwandern. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches, wanderndes Schwarzes Loch unserem Sonnensystem zu nahe kommen könnte, haben die Forscher berechnet.

Supermassereiche Schwarze Löcher können die millionen- bis milliardenfache Sonnenmasse besitzen und markieren – so dachten Astrophysiker bislang – hauptsächlich mehr oder weniger das Zentrum von Galaxien wie unserer Milchstraße.

Wie das Team um Michael Tremmel von der Yale University nun aber aktuell im Fachjournal „Astrophysical Journal Letters“ (DOI: 10.3847/2041-8213/aabc0a) berichtet, können diese Schwarzen Löcher aber Geschwister haben, die ihre Galaxien bis weit hinaus in die sogenannten galaktischen Halos – Gasregionen also, die Galaxien kugelförmig umgeben – durchstreifen.

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In ihrer Studie sagen die Astronomen um Tremmel nun mit Hilfe der neusten kosmologischen Simulation (Romulus) voraus, dass Galaxien wie unsere Milchstraße sogar gleich mehrere supermassereiche Schwarze Löcher beheimaten.

Allerdings sei es „extrem unwahrscheinlich, dass eines dieser wandernden Schwarzen Löcher der Sonne so nahe kommt, als dass es einen Einfluss auf unser Sonnensystem haben könnte. (…) Wir schätzen, dass eine entsprechende Annäherung eines solchen Wanderers an unsere Sonne nur einmal alle 100 Milliarden Jahre passiert – also dem zehnfachen Alter des Universums überhaupt.“

Da wandernde supermassereiche Schwarze Löcher weit entfernt vom Zentrum von Galaxien, sogar außerhalb der galaktischen Scheiben vorhergesagt werden, sei es zudem eher unwahrscheinlich, dass sie auch noch zusätzlich Gase aufnehmen. Aus diesem Grund seien sie nahezu unsichtbar. „Derzeit arbeiten wir an der Frage, ob wir die Anwesenheit dieser Schwarzen Löcher indirekt anhand von Beobachtungen ableiten können“, berichtet Tremmel abschließend.

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