Wegen COVID-19: Kirche zeigt “Turiner Grabtuch” während Online-Ostermesse

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Das Turiner Grabtuch im Negativ mit Vergrößerung der Gesichtspartie. Copyright: Kollage: grewi.de mit Materialien von: 1978 Barrie M. Schwortz Collection, STERA, Inc.

Das Turiner Grabtuch im Negativ mit Vergrößerung der Gesichtspartie.
Copyright: Kollage: grewi.de mit Materialien von: 1978 Barrie M. Schwortz Collection, STERA, Inc.

Turin (Italien) – Während die Kirchen zu Ostern für die Öffentlichkeit gesperrt sind, planen zahlreiche Gemeinden, Bistümer und Diözesen ihre Oster-Gottesdienste via Livestream und über die sog. sozialen Netzwerke zu übertragen. Die Erzdiözese Turin wird während ihrer Übertragung des Oster-Gottesdienstes das von Gläubigen als heiligste Reliquie verehrte, von Kritikern hingegen als mittelalterliche Fälschung bezeichnete „Grabtuch von Turin“ live zeigen. In dem Leinen sehen nicht nur viele Gläubige sondern auch einige Forscher und Wissenschaftler ein bis heute rätselhaftes Körperabbild des Gekreuzigten.

Wie der Erzbishof von Turin Cesare Nosiglia erklärte, will er die live übertragene Ostermesse in diesem Jahr vor dem „Turiner Grabtuch“ zelebrieren, das sonst für gewöhnlich nur selten öffentlich gezeigt wird.

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Die Liturgie wird am Ostersonntag um 17 Uhr Ortszeit über die offizielle Webseite der Diözese zum Grabtuch www.sindone.org und über die Facebookseite übertragen, berichtet „VaticanNews.va“.

Tatsächlich steht die Geschichte des Grabtuchs in Turin in einer direkten Pandemie-Tradition: Nach dem Ausbruch der Pest in Mailand im Jahre 1578 wollte der damalige Erzbischof, der Heilige Charles Borromeo eine Pilgerreise zum Grabtuch antreten, welches damals noch am Hofe des Herzogs von Savoyen in Frankreich aufbewahrt wurde. Angeblich aus Sorge um die damals schon angegriffene Gesundheit des Erzbischofs, brachte es Herzog Emanuel Philibert von Savoyen, in dessen Besitz sich das Leinen damals befand, nach Turin. Tatsächlich wurde das Leinen wohl aber nicht zuletzt auch deshalb nach Turin überführt, weil der Herzog Turin zur neuen Residenzstadt des Hauses Savoyen ernannt hatte. Hier wird es seither aufbewahrt und zu seltenen Anlässen auch der Öffentlichkeit gezeigt.

Hintergrund
Das sogenannte “Grabtuch von Turin” gilt den einen als das wahrhafte Grabtuch Christi und damit als einen der heiligsten Reliquien des Christentums, den anderen lediglich als eine clevere mittelalterliche Fälschung. Wie das Körperbild eines Gekreuzigten Mannes auf das Leinen gekommen ist, kann keine Seite bislang zufriedenstellend erklären.

Die nächste direkte öffentliche Ausstellung des Grabtuchs ist für Dezember 2020 geplant (…GreWi berichtete).

Seit der ersten und bislang einzigen wissenschaftlichen Untersuchung des Grabtuchs in den 1970er Jahren steht die Reliquie im Mittelpunkt einer intensiven wissenschaftlichen Kontroverse um die damaligen Ergebnisse, die dessen Entstehung ins Mittelalter datierten. Seither wurden aber nicht nur die Ergebnisse selbst von einigen der beteiligten Wissenschaftler in Frage gestellt, sondern auch weitere Indizien für ein Herkunft des Tuchs im antiken Galiläa und damit zu Lebzeiten des Mannes zu Tage gefördert, dessen Grabtuch Gläubige in dem Leinen sehen.

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02349

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Quelle: Vatican News

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