Weitere chemische Anomalien in der Venusatmosphäre wecken Hoffnung Leben

Eine Ansicht der Venus im ultravioletten Licht, aufgenommen von der europäischen Sonde „Venus Exress“. Dunkle Streifen markieren UV-absorbierende Strukturen in der Venusatmosphäre, die Forscher bislang noch vor ein Rätsel stellen. Einige glauben, es könnten Bakterien sein. Copyright: ESA/MPS/DLR/IDA
Lesezeit: ca. 3 Minuten
Eine Ansicht der Venus im ultravioletten Licht, aufgenommen von der europäischen Sonde „Venus Exress“. Dunkle Streifen markieren UV-absorbierende Strukturen in der Venusatmosphäre, die Forscher bislang noch vor ein Rätsel stellen. Einige glauben, es könnten Bakterien sein.Copyright: ESA/MPS/DLR/IDA

Eine Ansicht der Venus im ultravioletten Licht, aufgenommen von der europäischen Sonde „Venus Exress“. Dunkle Streifen markieren UV-absorbierende Strukturen in der Venusatmosphäre, die Forscher bislang noch vor ein Rätsel stellen. Einige glauben, es könnten Bakterien sein.
Copyright: ESA/MPS/DLR/IDA

Cambridge (USA) – Die Entdeckung von Phosphin in den gemäßigten Schichten der Venusatmosphäre hat Hoffnungen auf dortiges einfaches Leben, zugleich aber auch Kritik an dieser Lesart der Daten geweckt. Allerdings offenbart die Venus neben dem Biomarker Phosphin noch weitere chemische Anomalien, die auf Leben auf der Venus hindeuten könnten. Einige Wissenschaftler fordern nun endlich eine astrobiologische Mission zur „höllischen Schwester unserer Erde“.

Tatsächlich spekulieren Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen schon länger über die Möglichkeit von mikrobischem Leben in den mittleren Atmosphärenschichten der Venus, innerhalb derer auf Höhen zwischen 48–60 Kilometern gemäßigte „irdische“ Temperaturen und Druckverhältnisse vorherrschen, während es auf der Venusoberfläche bis zu 464 Grad Celsius heiß ist. Zum Vergleich: Die mittlere Temperatur auf der Erde liegt bei 15 Grad Celsius.

In einem bislang erst vorab via ArXiv.org veröffentlichten Artikel berichtet das Team um den Planetenwissenschaftler Janusz Petkowski vom Department of Earth, Atmospheric and Planetary am Massachussetts Institute of Techgnology (MIT) über das „astrobiologische Potenzial chemischer Anomalien in der Venusatmosphäre und anderer bislang unerklärter [Venus]-Wolkeneigenschaften“.

Während es auf der Venusoberfläche also kein flüssiges Wasser geben kann, wäre dies in den milden Atmosphärenschichten also durchaus möglich. Tatsächlich wurden schon immer in der Venusatmosphäre chemische Bedingungen gemessen, die Forschenden bis heute Rätsel aufgeben.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ HIER können Sie den täglichen kostenlosen GreWi-Newsletter bestellen +

So werden bereits seit Jahrzehnten ungewöhnlich hochkontrastreiche Strukturen in der Venusatmosphäre im ultravioletten Lichtspektrum beobachtet (s. Titelabbildung), die sich übereinstimmend mit der Bewegung der oberen Wolkendecke der Venus einmal alle vier Tage den Planeten umkreisen. Bis heute konnten diese „dunklen Streifen“ nicht befriedigend erklärt werden, weshalb bis heute von einem „unbekannten UV-Absorbierer“ gesprochen wird.

„Trotz jahrzehntelanger Beobachtung dieser Strukturen konnten keine der bislang vorgeschlagenen Moleküle die Beobachtungsdaten umfänglich erklären“, erläutert der aktuelle Artikel. „Umso wichtiger ist es, dass wir mit einer zukünftigen Mission herausfinden, um was es sich bei diesem UV-Absorbierer handelt: „Der Absorbierer ist erstaunlich effizient und fängt 50 Prozent der Sonnenergie ein, die die Venus erreicht, was wiederum direkte Auswirkungen auf die atmosphärischen Strukturen und Dynamik der Venusatmosphäre.“

Einige Forscher haben bereits darüber spekuliert, ob es sich bei diesen Strukturen um das Ergebnis biologischer Aktivität in der Atmosphäre der Venus handelt (…GreWi berichtete). „Tatsächlich stimmen die spektralen Eigenschaften dieser Venusatmosphären-Strukturen mit dem Spektrum einiger irdischer Bakterienarten überein”, berichten Petkowski, Kollegen und Kolleginnen.

Auch in den niedrigeren Wolkenschichten finden sich Partikelformen (Mode 3), die nicht alleine flüssiger Natur sein können. Um was genau es sich handelt, ist bislang noch unklar. Doch einige Forscherinnen und Forscher spekulieren über die Möglichkeit, dass es sich etwa um Leben selbst oder die Auswirkungen davon handelt. Auch hierzu brauche es eigenen Missionen, um dieses Rätsel vor Ort zu überprüfen.

Auch einige bereits gemessenen Spurengase stellen Wissenschaftler vor ein Rätsel, ebenso wie von den MissionenVenera“ und „Pioneer“ gemessene Werte von Sauerstoff. Woher dieser auf der Venus stammen könnte, ist weiterhin unklar.

„Da die meisten Venus-Rätsel bislang sowohl eine biologische, aber auch nicht-biologische Erklärung haben könnten, braucht es endlich eine eigene astrobiologische Mission, die diesen Fragen vor-Ort auf den Grund geht“, so Petkowski abschließend.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Studie: Leben in Säurewolken der Venus möglich – Private Mission will 2025 danach suchen 8. Januar 2024
Studie legt nahe: Auch die Venus hatte vor Milliarden vermutlich erdähnliche Plattentektonik 29. Oktober 2023
Erneute Detektion von Phosphin: Gibt es Leben in der Venus-Atmosphäre? 11. Juli 2023
Wissenschaftler hoffen auf Leben in der Venus-Atmosphäre 17. Januar 2017

Recherchequelle: ArXiv.org

© grenzwissenschaft-aktuell.de