Weiterer Planet hat Sternentod überdauert: Auch Leben um Weiße Zwerge möglich?

Blick von der Oberfläche eines Planeten auf seinen Weißen Zwergstern (Illu.). Copyright: Jack Madden/Carl Sagan Institute
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Blick von der Oberfläche eines Planeten auf seinen Weißen Zwergstern (Illu.). Copyright: Jack Madden/Carl Sagan Institute

Blick von der Oberfläche eines Planeten auf seinen Weißen Zwergstern (Illu.).
Copyright: Jack Madden/Carl Sagan Institute

Hobart (Australien) – Erneut haben Astronomen und Astronominnen einen Planeten entdeckt, der weiterhin einen Weißen Zwerg, also die Reste seines einstigen sonnenähnlichen Zentralgestirns umkreist. Die Entdeckung erlaubt uns nicht nur einen Blick in die mögliche ferne Zukunft unseres eigenen Sonnensystems, sondern wirft auch die Frage auf, ob es auf solchen Planeten auch weiterhin Leben geben könnte.

Wie das Team um Joshua W. Blackman von der University of Tasmania aktuell im Fachjournal „Nature“ (DOI: 10.1038/s41586-021-03869-6) berichtet, handelt es sich bei dem nun entdeckt Planeten um einen in etwa Jupiter-großen Planeten, der den rund 6.500 Lichtjahre entfernten Weißen ZwergMOA-2010-BLG-477Lumkreist.

Es handelt sich damit schon um die zweite Entdeckung eines Planeten, der offenbar den Tod seines einstigen sonnenähnlichen Zentralgestirns überdauert hat und nun dessen freiliegenden Kern, einen sogenannten Weißen Zwerg, umkreist. Der erste derartige Planet wurde 2020 unter anderem von Andrew Vandenberg von der University of Wisconsin-Madison um den Weißen Zwerg entdeckt wurde (…GreWi berichtete).

Einhergehend mit der damaligen Entdeckung erläuterten Prof. Lisa Kaltenegger Professorin für Astronomie am College of Arts and Sciences und Direktorin des Carl Sagan Institute an der Cornell University und Ryan MacDonald, wie schon das kommende James Webb-Weltraumteleskop (JWST) der NASA und ESA Lebensspuren auf erdähnlichen Planeten um Weiße Zwerge finden könnte.

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„Ein Planet, der einen kleinen Stern umkreist, erzeugt starke atmosphärische Signale, wenn er vor seinem Stern vorbeizieht und einen sogenannten Transit erzeugt“, erläutert die Pressemitteilung des Instituts. „Weiße Zwerge treiben dies auf das Äußerste: Sie sind 100-mal kleiner als unsere Sonne, fast so klein wie die Erde, und bieten Astronomen die seltene Gelegenheit, felsige Planeten zu charakterisieren. (…) Wenn felsige Planeten mit Leben um Weiße Zwerge existieren, könnten wir in den nächsten Jahren Lebenszeichen auf ihnen aufspüren“, erläutert Lisa Kaltenegger, die an der Entdeckung des ersten Planeten beteiligt war. Der Start des JWST ist derzeit für den kommenden Dezember (2021) geplant. „Bei der Beobachtung erdähnlicher Planeten, die Weiße Zwerge umkreisen, kann das James Webb-Weltraumteleskop innerhalb weniger Stunden Wasser und Kohlendioxid nachweisen“, führt MacDonald weiter aus. „Zwei Tage Beobachtungszeit mit diesem leistungsstarken Teleskop würden die Entdeckung von Biosignaturgasen wie Ozon in Kombination mit Methan ermöglichen.“ (…GreWi berichtete).

Hintergrund
Auch unsere Sonne wird, etwa in sechs Milliarden Jahren, nachdem sie sich noch einmal bis über die Erdumlaufbahn hinweg zu einem Roten Riesen aufgebläht hat, zu einem Weißen Zwerg schrumpfen. Dabei wird sie die drei innersten Planeten vermutlich zerstören. Gerade die jüngsten Entdeckungen von intakten Planeten um Weiße Zwerge zeigen aber, dass Planeten außerhalb des vom Roten Riesen beanspruchten Raumes, diesen Todeskampf überdauern und weiterhin die Sternenleiche ihrer einstigen „Sonne“ umkreisen können.

Zwar war Kaltenegger an der aktuellen Entdeckung des zweiten Planeten um einen Weißen Zwerg selbst nicht direkt beteiligt, dennoch zeigt sie sich erneut fasziniert von der neuen Entdeckung: „Die Entdeckung eines weiteren Planeten belegt, dass Planeten um Weiße Zwerge keine Seltenheit zu sein scheinen. Wenn Planeten den Tod ihres Sterns überleben könnten, stellt sich die Frage, ob Leben auf diesen Planeten auch überdauern kann?“

Abschließend stellt Kaltenegger fest: „Wenn Leben selbst auf Planeten überdauern könnte, die Sternenreste umkreisen, würde dies eine faszinierende Perspektive für die Zukunft des Kosmos darstellen.“




WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Erster Planet um Weißen Zwerg entdeckt – Astronomen hoffen auf Leben um tote sonnenähnliche Sterne 19. September 2020
Weiße Zwerge: So könnten nächste Teleskope Leben um tote Sterne finden 2. Juni 2020

Recherchequelle: Nature, Cornell University

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