Weltweit größte Schlangenart ist in Wirklichkeit zwei Arten

Archivbild: Eine Große Anakonda. Copyright: Daniel10ortegaven (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 3.0
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Archivbild: Eine Große Anakonda.Copyright: Daniel10ortegaven (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 3.0

Archivbild: Eine Große Anakonda.
Copyright: Daniel10ortegaven (via WikimediaCommons) / CC BY-SA 3.0

Saint Lucia (Australien) – Die Große Anakonda (Eunectes murinus) gehört nicht nur zu den schwersten und längsten Schlangen weltweit, sondern auch zu den beeindruckendsten Tieren im Amazonas. Jetzt haben Biologen und Biologinnen eher festgestellt, dass es sich in Wirklichkeit um zwei genetisch unterschiedliche Arten handelt.

Wie Prof. Ryan G. Fry von der University of Queensland aktuell im Fachjournal „MDPI Diversity“ (DOI: 10.3390/d16020127) und via TheConversation.com berichtet, haben er und Kollegen bei der Untersuchung genetischen Materials verschiedener Anakonda-Arten bedeutende genetische Unterschiede zwischen zwei Gruppen der Großen Anakonda festgestellt. „Wenn man bedenkt, dass es sich um ein so großes Wirbeltier handelt, ist es schon erstaunlich, dass der Forschung diese Erkenntnis bislang entgangen ist“, so Fry.

Historisch waren bislang vier Anakonda-Arten bekannt, eine davon die Große Anakonda (Eunectes murinus). Mit einer Länge von mehr als sieben Metern und einem Lebendgewicht von über 250 Kilogramm machen diese meist im Wasser lebendenden Würgeschlangen aus der Familie der Boas ihrem Namen wirklich alle Ehre. Als Spitzenprädatoren sind Anakondas auch für die Aufrechterhaltung ihrer Ökosysteme von Bedeutung, erläutert der Wissenschaftler: „Diese Rolle geht über ihre Jagd hinaus. Ihre bloße Anwesenheit verändert das Verhalten einer Vielzahl anderer Arten und beeinflusst, wo und wie sie Nahrung suchen, sich fortpflanzen und wandern. (…) Anakondas reagieren sehr empfindlich auf Umweltveränderungen. Gesunde Anakonda-Populationen weisen auf lebendige Ökosysteme mit reichlichen Nahrungsressourcen und sauberem Wasser hin. Sinkende Anakonda-Zahlen könnten ein Vorbote einer Umweltbelastung sein. Daher ist es von entscheidender Bedeutung zu wissen, welche Anakonda-Arten existieren, und ihre Anzahl zu überwachen.“

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Zugleich hat das Forschungsteam, dem auch der bekannte TV-Biologe Freek j. Vonk angehört, auch eine der wohl größten Anakondas überhaupt entdeckt und filmen können. Vonk gibt die Größe der Schlange mit 8 Metern an.

Trotz dieser Bedeutung der Tiere gibt es bislang nur wenige Untersuchungen über die genetischen Unterschiede zwischen den bekannten Arten – ein Mangel, der in einem bereits seit 20 Jahren laufenden Projekt anhand genetischer Analysen der vier bekannten Anakonda-Arten in Südamerika behoben werden soll.

Hierbei stellen die Forschenden nun fest, dass es sich bei Eunectes murinus nicht nur um eine, sondern um zwei Arten von Riesen-Anakondas handelt, die fortan in die hauptsächlich in Peru, Bolivien, Französisch-Guyana und Brasilien beheimatete südliche und die nördliche Große Anakonda unterteilt werden. Letztere erhielt den wissenschaftlichen „Namen Eunectes akayima” und findet sich vornehmlich in Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Trinidad, Guyana, Surinam und Französisch-Guyana. Obgleich äußerlich nahezu identisch, trennten sich die beiden Arten genetisch bereits vor rund 10 Millionen Jahren. Heute unterscheiden sie sich immerhin zu genetisch relevanten 5,5 Prozent. Zum Vergleich: Der genetische Unterschied zwischen Mensch und Menschenaffen beträgt lediglich 2 Prozent.

„Unsere Forschung ist auch eine Erinnerung an die Komplexität, die mit dem Schutz der biologischen Vielfalt verbunden ist“, kommentiert Frey abschließend. „Wenn Arten unerkannt bleiben, können sie den Schutzprogrammen entgehen. Durch die Einbeziehung der genetischen Taxonomie in die Naturschutzplanung können wir das komplexe Lebensnetz der Erde besser bewahren – sowohl die Arten, die wir heute kennen, als auch die, die noch entdeckt werden müssen.“

Recherchequelle: TheConversation.com

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